Adrian Johnson ist der Aston-Martin-König des englischen Nordens

Wer mit seinem Aston Martin in Englands Norden fährt, sollte Adrian Johnson einen Besuch abstatten. Seit fast vier Jahrzehnten gilt er als Aston-König der Region. Wir haben einen Tag in seinen spektakulären neuen Räumlichkeiten verbracht...

Die goldene Spätsommersonne durchflutet Adrian Johnsons spektakulären Showroom voller glänzender alter Aston Martins. Der im ersten Stock liegende Raum ist so großzügig, klinisch sauber und minimalistisch wie die darunterliegende High-tech-Werkstatt, in der Astons aus allen Epochen fachkundig zu alter Glorie restauriert werden. Die in der idyllischen Landschaft rund um die wohlhabende Stadt Harrogate in North Yorkshire gelegene und früher unter dem Namen „Post Vintage“ bekannte Firma wurde 1979 von Chris Vater Adrian Johnson gegründet. Zunächst nur dazu gedacht, um seinen Freunden aus dem Aston Martin-Club zu helfen. Auch wenn Chris das Zepter mittlerweile an seinen Sohn weitergegeben hat, kann man ihn die meiste Zeit des Tages noch immer in seinem geliebten Motorenbau werkeln sehen. 

Adrian Johnson kauft, verkauft und wartet sowohl klassische wie moderne Astons. Doch sind es die auf Concours-Niveau liegenden Restaurationen der ikonischen DB-Serien, mit denen sich das Unternehmen seinen guten Ruf erworben hat. Eine kleine Mannschaft hochqualifizierter Handwerker, darunter Adrian persönlich, erledigen von der Stahlverarbeitung über Chassisarbeiten, Motoraufbereitungen sowie Trimm- und Elektroarbeiten alles direkt in-house. Als jemand, der mit diesen Autos aufwuchs und seitdem sein Leben der Erhaltung dieser Wagen gewidmet hat, hat Johnson mehr als kaum ein anderer die Kompetenz, über deren Zustand, Wert und Position im heutigen Sammlermarkt zu urteilen. Sowie auch über deren Zukunft, die – wie Sie hier erfahren werden – ausgerechnet durch genau jene Marke gefährdet ist, welche Johnsons Business so lange befruchtet hat. 

Was sind Ihre frühesten automobilen Erinnerungen?

Mein Vater war immer schon mit seinen Autos beschäftigt. So wuchs ich mit vielen Vorkriegs-MG und ähnlichen Fahrzeugen auf. Als tägliches Fortbewegungsmittel kaufte er irgendwann einen Aston Martin DB2/4 – damit fuhren wir überall hin. Damals hasste ich das Auto, weil alle anderen hatten einen Ford Cortina besaßen - und wir waren die einzigen ohne einen. Dennoch habe ich diesen Aston dann jahrelang gefahren, und wir behielten ihn bis in die 1990er-Jahre. 

Können Sie uns etwas aus den Anfangsjahren der Firma erzählen. Und wie Sie selbst involviert wurden?

Mein Vater Chris startete das Geschäft 1979. Mit Restaurierungen und Wartungsarbeiten für seine Freunde vom Aston Martin Owners’ Club. Ich ging da noch zur Schule, doch als ich 13 war, habe ich angefangen, am Wochenende auszuhelfen. Dad war kein geborener Geschäftsmann, lieber reparierte er die Autos. Ich hingegen mochte es, Autos zu kaufen und zu verkaufen. Denn so konnte man gutes Geld verdienen und zugleich unterschiedliche Fahrzeuge kennenlernen.  

Sie sind auch ein kundiger Metallarbeiter und machen sich gerne in der Werkstatt auch mal die Hände schmutzig. Was ist denn heute Ihr bevorzugtes Motiv bei der Arbeit? 

Ich bin zu den Metallarbeiten gekommen, als immer mehr Autos neue Bleche benötigten. Dad konnte mir das nicht beibringen, weil er es nicht gelernt hatte. Also kaufte ich eine Maschine und versuchte mich als Autodidakt. Mit viel Ehrgeiz fand ich mit der Zeit heraus, wie es funktioniert – wenn man sich erst einmal eine solche Fähigkeit angeeignet hat, verliert man sie auch nicht mehr. Aber ich liebe alle Aspekte des Geschäfts. Jedes einzelne Auto ist anders, daher kann man den Prozess nicht automatisieren. Für mich kommt es vor allem darauf an, alles korrekt zu erledigen und die vergleichsweise kleine Truppe in der Werkstatt erlaubt es uns, die hohe Qualität zu sichern. 

Was macht für Sie den Reiz eines Aston Martin aus?

Es liegt wirklich daran, dass ich mit diesen Autos aufgewachsen bin. Wir haben doch alle Dinge aus unserer Kindheit, an die wir uns erinnern und die wir wieder besuchen. Heute sind die Concours und der Aston Martin Owners’ Club so wichtig, doch ich erinnere mich noch an die Zeiten, in denen Nick Masons Kinder ermahnt wurden, nicht auf den bei uns stehenden Autos herum zu klettern. Ich liebe auch die Art, wie Astons konstruiert sind. Oft wird gesagt, dass sie nicht allzu gut wären, doch das stimmt nicht: Es wird deutlich, dass sie in Handarbeit hergestellt wurden, doch die damit verbundene Handwerkskunst war überragend. 

Vor nicht allzu langer Zeit wurde der alte Firmenname Post Vintage umfirmiert in Adrian Johnson. Was waren die Gründe dafür? 

Anfangs war die Bezeichnung Post Vintage passend, drehte sich unser Geschäft doch in der Tat um Autos aus der Post-Vintage-Ära. Doch mit fortschreitender Dauer konnten Kunden der Altersgruppe 30 bis 40 mit dem Namen nichts mehr anfangen. Dazu kam aber noch etwas Anderes: Ich kenne fast jeden in der Aston-Welt – und niemand verband den alten Namen mit mir. 

Wie würden Sie die Philosophie des Unternehmens denn heute zusammenfassen? 

Wir haben uns von einer alten Firma mit altmodischen Werten in einer alten Fabrik in ein modernes High-tech-Unternehmen mit modernen, sauberen Räumlichkeiten verwandelt. Noch immer mit dem Know-how und der Expertise ausgestattet, die nötig sind, um den Zustand und den Wert dieser Autos beurteilen zu können. Wir suchen ständig nach neuen Mitarbeitern, an die wir dieses Wissen und diese Fähigkeiten weitergeben können. Überraschenderweise gibt es aber zu wenig Menschen, die sich für diesen Beruf interessieren. 

Warum gibt es innerhalb der britischen Aston Martin-Szene ein deutliches Süd-Nord-Gefälle?  

Traditionell siedelten sich Aston Martin Spezialisten in der Nähe oder südlich von Newport Pagnell an. In den späten 80er-Jahren mussten auch wir weit nach Süden fahren, um ein Auto zu kaufen. Mir macht es auch heute nichts aus, vier Stunden zum Goodwood Revival zu fahren. Anders bei unseren potentiellen Kunden: Obwohl der Norden auch einiges zu bieten hat, scheuen viele die Fahrt hier hoch. Und ich habe keine Erklärung für dieses Verhalten. 

Inwieweit hat sich der Markt für Aston Martin in den letzten Jahren verändert, speziell in Bezug auf Restaurierungen? 

Üblicherweise haben wir für Restaurierungen Scheunenfunde aufgekauft, zum Beispiel im Rahmen von Bonhams Aston Martin Sales. Doch die sind in den letzten Jahren weniger geworden. Es kommen keine alten DB4, DB5 und DB6 mehr auf den Markt und ich denke, niemand wird mehr welche finden. Restaurierungen werden auch immer teurer und die Zahl von nicht wiederherstellbaren Teilen wird von Tag zu Tag größer. Im Zuge der Continuation DB4 hat Aston Martin selbst viele neue Teile hergestellt. Doch sie werden sie nicht an externe Spezialisten liefern. Originale und neue Teile werden zwar für die „neuen“ Repliken gebaut, nicht aber für die wirklichalten Autos. Das ist besorgniserregend! 

Was fahren Sie am Wochenende? 

Aktuell restauriere ich gerade eine originale Cobra. Und ich liebe meinen Aston Martin DB5, auch komplett original, und ich besitze ihn schon seit langer, langer Zeit. 

Fotos: Jack Passey für Classic Driver © 2018