

Es war ein Duell der Muskelprotze. Weil Chevrolet Ende der 1960er-Jahre mit seinem Camaro Z/28 die vom SCCA (Sports Car Club of America) organisierte Trans-Am-Serie dominierte, musste Ford etwas Ebenbürtiges entgegensetzen. Also gab Ford-Präsident „Bunkie" Knudsen, in Deutschland durch die „Knudsen"-Nase des Ford Taunus zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt, den Auftrag für einen potenziellen Camaro-Killer. Ex-GM-Designer Larry Shinoda tat, wie geheißen, und verpasste dem für die Homologation des Rennwagens auf Band gelegten Straßenmodell einen motorsportlich angehauchten Auftritt: schwarze Motorhaube, „C-Stripes" an den Seiten, die nachts sogar reflektierten, sowie Front- und Heckspoiler. Damit gehörte das Boss 302 genannte Pony Car zu den ersten Serienautos, die solche Aerodynamikhilfen ab Werk trugen.

Da der Hubraum in der Trans-Am auf 5,0 Liter beschränkt war, ließ sich Ford eine motorische Transplantation einfallen. Der später als „Cleveland" bekannt gewordene neue V8 war mit 5,8 Liter Hubraum zu groß für den neuen Pistenschreck. Doch kein Problem: Man griff einfach zum Small-Block des bekannten „Windsor"-Motors und schraubte die „Cleveland"-Zylinderköpfe drauf – fertig war der 302 cubic-inch. Wie Chevy beim Z/28 war auch Ford bei den offiziellen PS-Angaben sehr konservativ: 294 PS waren es laut Werk, doch in Wirklichkeit stampften wohl eher gut 360 PS auf die Kurbelwelle.

Insgesamt entließ Ford bis 1970 exakt 8642 Exemplare des in Anspielung auf den Hubraum und Shinodas Auftraggeber „Boss 302" getauften Kraftprotzes auf die Highways. In der Tat antwortete der Designer, den Knudsen von GM zu Ford mitgebracht hatte, auf interne Fragen nach dem Projekt mit Blick auf Knudsen stets nur mit „the boss's car".
Dieses Modell ist eines von 649 im Jahr 1969 gebauten Mustang Fastbacks in der Farbe Bright Yellow. Das jetzt im Rahmen einer Online-Auktion von Henderson Auctions angebotene Auto steht auf 15 Zoll großen „Magnum 500"-Felgen mit darauf aufgezogenen Firestone Wide Oval-Reifen. Highlight im mit „Black Kiwi"-Kunstleder ausgeschlagenen Interieur ist ein „Hurst-Shifter" zum Betätigen des eng abgestuften Vierganggetriebes.

Und was passierte nun auf der Rennstrecke? 1969 verlor der neue Mustang Boss 302 die Trans-Am noch gegen den Z/28, aber 1970 gelang die Revanche. Wer sich ein wenig so fühlen will wie der damalige Champion Parnelli Jones, muss nur ins Cockpit dieses fabelhaften amerikanischen Muscle Cars steigen.



































