

Anfang der 1990er-Jahre wurde der internationale GT-Rennsport neu organisiert und gewann auf Anhieb wieder mehr Zuspruch unter Herstellern, Teams, Fahrern und Fans. Maßgeblich vorangetrieben wurde diese Revitalisierung durch die von Jürgen Barth – Leiter Kundensport bei Porsche – und seinen französischen Mitstreitern Patrick Peter und Stéphane Ratel neu ins Leben gerufene BPR-Serie. Das Haus Porsche, das sich seit jeher stark im GT-Rennsport engagierte, da dort errungene Erfolge den Absatz der Straßenfahrzeuge ankurbelten, reagierte auf die Aufbruchstimmung mit einer ganzen Reihe von Homologationsmodellen – allesamt auf Basis der luftgekühlten 993-Generation des 911.
Im Einklang mit dem Reglement der BPR-Serie und des 24-Stunden-Rennens von Le Mans (ACO) rollten die Zuffenhausener zur Saison 1995 den ersten GT2 an den Start – angetrieben von einer leistungsgesteigerten Version des 993-Biturbo-Boxers (450 PS in der GT2- und 550 PS in der als Leistungs-Kit angebotenen „GT1"-Version), mit einem aggressiv geformten Frontspoiler mit nach oben gerichteten seitlichen Winglets, breiteren, aufgesetzten Kotflügelverbreiterungen und einem großen Heckflügel mit integrierten Lufteinlässen. Der vom Reglement geforderte Verzicht auf den Allradantrieb des Serien-Turbos zugunsten eines reinen Hinterradantriebs half, das Gewicht auf 1150 Kilogramm zu drücken. Doch schon bald zeigte sich, dass Porsche ein noch extremeres Fahrzeug benötigte, um in Le Mans und in der BPR-Serie konkurrenzfähig zu bleiben. So trat 1996 der 911 GT2 EVO auf den Plan – ein Modell, von dem lediglich elf Exemplare entstanden.


Die Ingenieure aus Weissach reduzierten das Gewicht der nun EVO getauften Weiterentwicklung um weitere 50 Kilo und verbauten den stärkeren M64/83-Motor, der dank größerer Turbos (KKK 24 mit 40,4-mm-Luftmengenbegrenzern) und diverser weiterer Modifikationen bis zu 600 PS und ein maximales Drehmoment von 650 Nm freisetzte. Damit avancierte der GT2 EVO zum seinerzeit leistungsstärksten 911er der Geschichte.
Für den EVO, der eine modifizierte Karosserie des 911 GT2 übernahm, erlaubte das Reglement nicht nur noch breitere Reifen. Auch der Aerodynamik waren kaum Grenzen gesetzt, wie der zweistufige Heckspoiler bewies, der durch das Doppeldecker-Design nun bis auf Dachhöhe aufragte. Ergänzt wurde der brachiale Downforce-Spender durch einen komplett neu gestalteten Frontspoiler mit großdimensionierten Lufteinlässen.
GT2 und GT2 EVO kamen in der BPR Global GT Series und in diversen nationalen Rennserien zum Einsatz. Bereits in ihrer ersten vollen BPR-Saison 1996 holten sie aus elf Läufen sieben Klassensiege und gewannen 1996 und 1997 die GT2-Klasse in Le Mans.

Der jetzt von unseren Freunden bei Art & Revs in Luxemburg angebotene 993 GT2 erlebte seinen größten Triumph in der Spätphase der Laufbahn des 993 GT2 EVO. Beim 24-Stunden-Rennen von Daytona 1999 belegte er – pilotiert von André Ahrlé (Bonn), Hubert Haupt (München), dem Italiener Raffaele Saguioli und seinem Eigentümer, dem britischen Immobilienunternehmer David Warnock – einen beeindruckenden siebten Gesamtrang und gewann obendrein die GT2-Kategorie. Beim Florida-Klassiker setzte sich das Quartett gegen 13 weitere 993 GT2 sowie eine ORECA-Werks-Viper und zwei Corvette C5-R von Pratt & Miller durch. Wie sich später zeigen sollte, war dies der letzte Sieg eines luftgekühlten 911 bei einem bedeutenden internationalen Langstreckenrennen.
Hinter diesem Triumph in Daytona stand das Team Roock Racing aus Leverkusen (bei Köln). Das 1984 von den Brüdern Fabian und Michael Roock gegründete Tuningunternehmen betrat 1991 erstmals die Rennsportbühne. Bereits 1993 gewann ein von Roock eingesetzter 911er das 24-Stunden-Rennen von Spa, gefolgt von einem GT2-Klassensieg 1996 in Le Mans. 1997 belegte das Team an der Sarthe den zweiten Platz und verpasste die Fahrermeisterschaft der FIA-GT-Serie um einen einzigen Punkt – der Schweizer Bruno Eichmann unterlag denkbar knapp dem Viper-Piloten Justin Bell, dem Sohn von Derek Bell.


Der jetzt angebotene 993 GT2 war ursprünglich eine von vier Rohkarossen, die Porsche 1998 an Roock lieferte. Er trug die Porsche-Rohbau-Nummer 0480053, erhielt jedoch später die Roock-interne Nummer 98 RST 530 003. Seine frühe Geschichte ist eng mit David Warnock verknüpft: 1998 fuhr er einen von Roocks 993 GT2 bei seinem zweiten Start in Le Mans auf Platz 22 und war von dem Fahrzeug so angetan, dass er bei Roock ein eigenes Exemplar bestellte, um damit in der britischen GT-Meisterschaft anzutreten – als Ersatz für den Saleen Mustang, den er zuvor gefahren hatte. Er erhielt sein Auto rechtzeitig für das Rennen in Donington im September und erzielte in den restlichen Saison-Läufen noch zwei Podiumsplätze und zwei siebte Plätze in der Gesamtwertung.
Nach dem Triumph in Daytona setzte Warnock den Porsche zunächst weiter in der britischen Serie ein, wechselte jedoch ab dem dritten Lauf in die GT1-Klasse und auf einen Lister Storm. Der 993 GT2 wurde daraufhin verliehen und kam weiterhin bei Läufen zur Britischen und FIA GT (Donington/Zolder) zum Einsatz. Im Jahr 2003 tauchte er sogar einmal bei einem Rennen zur Michelin Porsche Open Series in Oulton Park auf, ehe ihn 2007 ein französischer Sammler erwarb und optisch in den Zustand der Daytona-Livery von 1999 zurückversetzte.


2011 wurde der EVO – schon damals über Art & Revs – an seinen Ex-Piloten Hubert Haupt verkauft. Der beauftragte Michael Roock mit einer umfassenden Restaurierung; Rechnungen in Höhe von insgesamt 237.000 Euro beweisen die Gründlichkeit der Arbeiten. Haupt testete den Wagen lediglich zweimal privat, setzte ihn aber nie bei historischen Rennveranstaltungen ein. 2014 war der GT2 dafür prominent im Porsche-Museum ausgestellt – begleitet von einem an der Wand angebrachten riesigen Foto, das den EVO in der „Victory Lane" von Daytona zeigte und damit seine große historische Bedeutung würdigte. Heute befindet sich der RST 530 003 in einem hervorragenden, rennfertigen Zustand, nachdem er erfolgreich einen Funktionstest über zehn Runden absolviert hat, um seine einwandfreie Technik zu bestätigen. Er trägt noch immer die technische Abnahmeplakette von Daytona 1999, die Verplombungen der FIA-GT-Saison 1998/99 und einen GT-Aufkleber aus 2000 am Überrollkäfig.
Potenzielle Käufer erwerben mit ihm den wildesten und schnellsten je gebauten 993 GT2 EVO – dank weiterer Modifikationen durch Roock. Allein durch den Verzicht auf die Zinkbeschichtung entfielen weitere 25 Kilogramm Gewicht. Der Wegfall aller nicht benötigten Blechteile, eine extrem leichte Karosseriehaut aus Karbon, eine elektrische Lenkung anstelle der hydraulischen Servolenkung, ein Kabelbaum aus besonders leichtem Material sowie sehr leichte Scheinwerfer und Rückleuchten ergänzten die Diät. Der Kraftstofftank wurde 150 mm tiefer als beim Serien-GT2 montiert; ein erweiterter Überrollkäfig verstärkte das Chassis.


Nachdem die FIA das GT-Reglement für 1999 nochmals geändert und der Le-Mans-Veranstalter ACO für seine 1999er-Ausgabe die neue LM-GTS-Kategorie eingeführt hatte, waren für GT2-Fahrzeuge noch extremere Modifikationen erlaubt. Roock reagierte umgehend: Die Karosserie und Spurweiten des GT2 EVO wurden weiter verbreitert, ein noch ausgefeilterer Frontspoiler montiert und ein auf 3,8 Liter Hubraum vergrößerter Motor eingebaut. Dank Doppelzündung, sechs Einzelzündspulen und KKK-Turboladern des Typs K24/26 mobilisierte der Motor – begrenzt durch Luftmengenbegrenzer – 580 PS und ein Drehmoment von 755 Nm.
Roock zog sich zum Ende der Saison 1999 aus der FIA-GT-Serie zurück, trat im Jahr 2000 noch in der American Le Mans Series an, um schließlich Ende 2001 seine Rennsportabteilung zu schließen. Während Manthey gerade seinen kometenhaften Aufstieg zum führenden Porsche-Kundenteam im GT-Sport begann, verschwanden die Roock-Porsche von den Rennstrecken. Heute hat sich Michael Roock – weiterhin mit Sitz in Leverkusen und unter dem Firmennamen Roock Sportsystem – auf die Restaurierung klassischer Porsche-GT-Straßen- und Rennfahrzeuge spezialisiert. Dieser 993 GT2 EVO zeugt von der Blütezeit seines gemeinsam mit seinem Bruder betriebenen Kundenteams und repräsentiert die letzte Evolutionsstufe eines maximal hochgezüchteten, luftgekühlten Renn-911ers.















































