


Manche Autos benötigen eine beeindruckende Rennsporthistorie, um ihren Platz in den Geschichtsbüchern zu verdienen. Sie müssen die Welt umrunden, um ihre Zähigkeit unter Beweis zu stellen, oder sie werden von mutigen Fahrern, die sich ins Cockpit schnallen und sie an ihre Grenzen bringen, zu Legenden. Andere wiederum hatten nichts davon nötig und sind dennoch etwas ganz Besonderes. Für diesen Wagen hat es völlig ausgereicht, dass in der Nacht des 13. Juni 1997 ein Parkplatz vor dem United Center in Chicago für ihn reserviert war. Es war die Nacht, in der Michael Jordan seine fünfte Meisterschaft gewann, mit einer Zigarre in der einen und der Trophäe in der anderen Hand ins Freie trat und in einen Ferrari 550 Maranello stieg, der die Farbe Rosso Barchetta und das Kennzeichen MJ 5 trug. Selbst für den „Greatest of All Time“ des Basketballs, der in seiner langen Karriere gewiss viele Triumphe erlebte, dürfte dieser Moment ein ganz persönlicher Höhepunkt gewesen sein.
Der Maranello an sich war schon ein besonderes Auto. Er markierte nach zwei Jahrzehnten, die von Mittelmotor-Modellen geprägt waren, Ferraris Rückkehr zum Grand Tourer mit vorne platziertem V12. Dessen 5,5-Liter-Saugmotor leitete seine beeindruckenden 485 PS wahlweise über ein F1-Getriebe oder über eine Sechsgang-Handschaltung an die Hinterräder weiter. Jordan entschied sich glücklicherweise für das klassische Schaltgetriebe mit der charakteristischen offenen Schaltkulisse. Nur 3.083 Exemplare wurden insgesamt gebaut. Jordans Exemplar wurde im Mai 1997 über den Händler Foreign Cars Italia in North Carolina ausgeliefert, wobei direkt die erste Hürde gemeistert werden musste: Da Jordan 1,98 Meter groß ist, war Ferrari gezwungen, die Sitzschienen zu verlängern und die Polsterung abzuflachen, damit er den Fahrersitz so weit wie möglich nach hinten schieben konnte. Ein Detail, das man leicht übersehen könnte, das aber beweist, dass die Basketballlegende dieses Auto in vollen Zügen erleben wollte.

Der kulturelle Einfluss des Wagens reicht jedoch weit über die Autowelt hinaus und hinterließ tiefere Spuren in der Mode, als manch einer vermuten würde. Chefdesigner Tinker Hatfield nutzte den Maranello als direkte Inspiration für den Basketballschuh Air Jordan XIV. Er übernahm gestepptes Leder in Anlehnung an den Innenraum, ein Sohlenprofil im Stil von Reifenprofilen und sogar ein Jumpman-Emblem in Wappenform, das dem Ferrari-Wappen mit dem aufbäumenden Pferd nachempfunden war. Jordan trug genau diese Schuhe bei seinem berühmten Last Shot gegen Utah im sechsten Spiel der Finals 1998. Ein Jahr nach seinem Titelgewinn von 1997 hatte er zwar neue Schuhe an den Füßen, eine neue Zigarre in der Hand und eine weitere Trophäe in der Vitrine, doch der rote Ferrari blieb derselbe.



Bis zu seinem Abschied von den Bulls fuhr Jordan rund 6.400 Meilen mit dem Auto, bevor er es 2002 verkaufte. Danach passierte etwas Erstaunliches: Der Ferrari verschwand von der Bildfläche. Fast ein Vierteljahrhundert lang gab es keine öffentlichen Sichtungen, keine Auftritte bei Auktionen, rein gar nichts. John Temerian, Freund des Hauses und Mitbegründer von Curated, benötigte fast ein Jahrzehnt, um den Wagen aufzuspüren. Die Spurensuche begann mit einer unvollständigen Fahrgestellnummer in einem alten Forum, wurde mit den Unterlagen der Ferrari-Händler abgeglichen und endete schließlich bei einem langjährigen Besitzer in Kalifornien, der das Auto nie zum Verkauf angeboten hatte. Nach dieser aufwendigen Suche kaufte Temerian den Wagen ungesehen. Am 29. Mai 2026, auf den Tag genau 29 Jahre nach seiner ursprünglichen Auslieferung, kehrte der MJ 5 schließlich nach Chicago zurück.

Um dieses Märchen perfekt zu machen, bietet das Auktionshaus zusätzlich eines der bedeutendsten Sport-Erinnerungsstücke an, die je auf den Markt kamen: das Trikot, das Michael Jordan am 7. Juni 1998 im dritten Spiel der NBA-Finals 1998 gegen die Utah Jazz im United Center in Chicago trug.

Wer von dieser Geschichte fasziniert ist, hat nun die Gelegenheit zum Kauf. Die Online-Versteigerung bei Pharrell Williams' Auktionshaus Joopiter ist bereits in vollem Gange und endet am 30. September. Der Schätzwert des Autos liegt zwischen 700.000 und 1.300.000 US-Dollar. Da der Mindestpreis wenige Tage vor Auktionsende bereits erreicht ist, dürfte dieses Auto für einen glücklichen Sammler ein absoluter Volltreffer werden.
































