Direkt zum Inhalt

Magazin

Dieser Aston Martin Prototyp verlieh dem V8 eine neue Identität

Die frühen Siebziger waren Zeiten des Umbruchs beim britischen Sportwagenbauer. Mit dem Ausstieg von Firmengründer David Brown endete die legendäre DB-Reihe – und aus dem DBS V8 wurde der AM V8. Dieser Vorserien-Prototyp des neuen Achtzylinders wird bei der Frühjahrs-Auktion von Aguttes angeboten.

Ende der 1960er-Jahre. Bei Aston Martin in Newport Pagnell neigt sich die Ära der glorreichen Sechszylinder-Modelle dem Ende zu. Der DBS als letzter Vertreter einer Blutlinie, die bis zum DB 4 von 1958 zurückreichte, kommt mit seinem Vierliter-Reihensechszylinder ans Ende der PS-Fahnenstange. Längst surfen die USA, wichtiger Exportmarkt der Briten, auf der V8-Welle. Und auch in Europa rüsten immer mehr Konkurrenten auf. Stellt sich die Frage: Gleich in die Vollen gehen mit einem V12? Oder doch lieber „nur“ um zwei Zylinder aufstocken? Die Wahl fällt auf einen V8, erneut entwickelt von Tadek Marek, dem legendären Konstrukteur der Sechszylinder-Familie. Seine neue Kreation ist wieder komplett in Alu gegossen und holt aus 5,3 Liter Hubraum bis zu 300 PS. Installiert wird er zunächst im DBS V8, vielen deutschen TV-Zuschauern noch gut als Dienstwagen von Lord Brett Sinclair (alias Roger Moore) aus der Kult-Serie „Die Zwei“ (The Persuaders) in Erinnerung.

Dann kommt der 12. Februar 1972 – der Tag, an dem David Brown, seit 1947 Besitzer von Aston Martin, Aston Martin Lagonda an den Investmentbanking-Konzern Company Developments verkauft. Die neuen Besitzer pumpen dringend benötigtes Geld in das kriselnde Unternehmen und starten schon im April mit einer Zweiwagen-Palette: einem Sechszylinder mit dem etwas verwirrenden Namen „Vantage“ und einem von DBS V8 in Aston Martin V8 umgetauften neuen Achter – eine Typenbezeichnung, die bis 1990 Bestand haben wird. Noch vor seinem Abgang hatte David Brown Chefdesigner William Towns mit einem größeren Facelift betraut, das neben einer neuen Optik eine effizientere Aerodynamik zum Ziel hatte.

Als Folge wichen die Doppelscheinwerfer des DBS V8 zwei großen Quarz/Halogen-Einzelscheinwerfen – zu beiden Seiten eines an historische Vorbilder anknüpfenden Grills. Auch das Interieur erfährt Verbesserungen - unter anderem in Gestalt eines neuen Lederlenkrads und einer neuen Mittelkonsole. Ein neuer Tank erweitert das Kofferraumvolumen um 48 Liter, und das Reserverad steht nun nicht mehr senkrecht, sondern liegt flach im Kofferraum.

Dieser Vorserien-Prototyp mit Chassisnummer #10550 ist das allererste Exemplar des neuen Aston Martin V8 und steht am 16. März bei der Frühjahrs-Auktion von Aguttes‘ zum Verkauf. Seine große Lufthutze auf der Motorhaube deutet auf einen von vier Weber Vergasern vom Typ 42 DCNF gespeisten Motor hin – im „V“ des Motors sitzend, aber durch den großen Luftfilter verdeckt. Es ist jene Spezifikation, die anstelle einer nur im ersten Jahr verbauten, aber als zu schwer und zu komplex bewerteten Bosch-Einspritzanlage ab August 1973 serienmäßig in alle AM V8 einfloss.

Das in der identischen Farbe wie der „Die Zwei“-DBS von Roger Moore – Bahama Yellow – lackierte Auto wurde im Juni 1972 auf Aston Martin zugelassen und blieb bis April 1975 im Besitz des Werks. Nach Verkauf an einen Mister Walsh stand es in der Garage der Foster-Familie, die den AM V8 bis in die 1990er-Jahre besaß. 2008 gelangte dieser britische Dampfhammer dann nach Portugal, ehe er im Jahr 2017 komplett restauriert und kurz darauf von seinem bislang letzten Eigner erworben und in Frankreich neu zugelassen wurde.

Heute präsentiert sich dieser erste Aston Martin, der mit dem neuen V8-Konterfei auf Kundenjagd ging, in einem nahezu fabrikneuen Zustand. Linksgelenkt und bereit für lange Intercontinental-Reisen oder lässiges Cruisen im fünften Gang seines ZF-Getriebes.
 

AUTO ANSEHEN

 

Watch our latest YouTube videos