Wann haben Sie zuletzt sechs schwarze Ferrari Testarossa gesehen?

Sechs verschiedene Ferrari Testarossa – und allesamt Schwarz. ChromeCars haben alle Variationen des ikonischen Sportwagenkeils in einer spektakulären Sammlung vereint. Wir wollten mehr wissen und haben mit Kai Nieklauson gesprochen.

Kai, neben den vielen anderen Schätzen bei ChromeCars sticht die Sammlung der sechs außergewöhnlichen Ferrari Testarossa sofort ins Auge. Aber vorab die Frage: Mit Autos handeln und gleichzeitig sammeln – wie geht das?!

Gute Frage! Natürlich steht der Verkauf von Fahrzeugen bei ChromeCars im Vordergrund, da wir in erster Linie Händler sind. Den Aufbau einer Sammlung, die schlussendlich aber auch wieder käuflich ist, sehen wir als eine Art „Inspiration“ für den Käufer! Mit ihr zeigen wir auf beeindruckende Art und Weise, zu welchen Leistungen wir mit unserem Netzwerk fähig sind. Wir gehen hier sozusagen in Vorleistung, denn wir möchten den Interessenten die beeindruckenden Geschichten hinter den Fahrzeugen präsentieren und aufzeigen, dass unser Job für uns mehr als ein herkömmlicher An- und Verkauf von Autos ist. Unsere Mitarbeiter beschäftigen sich sehr intensiv mit entsprechenden Recherchearbeiten, um wahre Schätze ausfindig zu machen. Wir sprechen oft darüber, in der Lage zu sein, die seltensten und wichtigsten Fahrzeuge der Geschichte aufspüren können. Die Sammlung ist hierfür der lebende Beweis.

Und wie wird entschieden, was gesammelt wird? Und wie kam es zu der Testarossa-Sammlung?

Oft gibt das Interesse an einem Fahrzeug oder einer ganzen Kategorie den Ausschlag. Movie-Cars zum Beispiel spielen schon seit der Gründung von ChromeCars eine extrem wichtige Rolle. Später kamen historisch wertvolle Rennwagen und Renntransporter hinzu. In einigen Fällen ist es aber einfach nur ein Zufall, der den Stein ins Rollen bringt. Wie auch bei unserer Testarossa Collection. Ausgangspunkt war das Zulassungsdatum eines speziellen schwarzen Ferrari Testarossa, den ich vor fünf Jahren gekauft habe. Der 13.11.1989 spielt in meinem Leben eine sehr wichtige Rolle und verbindet diesen Wagen, der am selben Tag seine Erstzulassung verbrieft bekommen hat, für immer mit einem schönen Ereignis in meinem Leben. Bis dahin hatte sich niemand von uns mit dieser Ikone der Automobilgeschichte beschäftigt – aber nun stand er da und hat eine emotionale Verbindung zu mir. Ich fing unwillkürlich an nachzudenken. Wegstellen? Fahren? Nichtfahren? Echt nicht so einfach. Welches Modell steht da eigentlich vor mir? Ich entschied mich als erstes fürs Fahren. Natürlich! Bereits während meiner ersten Ausfahrt bemerkte ich die positive Resonanz. Ein „Daumen-Hoch“ nach dem anderen und Handykameras wechselten sich ab. Wie herrlich – der Wagen hatte seine Wirkung also noch immer nicht verloren. Jetzt war das Eis gebrochen und das Feuer entfacht. Es folgte eine Recherche, die den Wunsch nach einer Sammlung weckt.

Was war das Resultat dieser Recherche?

Alle Details zu nennen würde den Rahmen sprengen, aber am wichtigsten für mich persönlich ist die Tatsache, dass es fünf verschiedene Varianten gab.

Fünf? Aber wurde der Ferrari Testarossa nicht nur etwa zehn Jahre lang produziert?

Ja in der Tat! Es gab auch nur zwei offizielle Facelifts. Allerdings wurde das erste Modell zweimal so modifiziert, dass wir alleine hier von drei verschieden Serien sprechen. Um unsere Sammlung klar zu gliedern, unterteilen wir sie deshalb in die Serien 1 bis 5, wobei es sich bei der Serie 4 um den Ferrari 512TR und bei der Serie 5 um den finalen Ferrari F512M handelt. Aber bitte nicht im Internet nach Serie 1 bis 5 suchen! Es handelt sich hierbei um eine interne „ChromeCars Klassifizierung“. Diese Klassifizierung bringt nach unserer Meinung aber ein sehr schnelles und auch einfaches Verständnis zur Modellgeschichte des Ferrari Testarossa. Wer sie kennt ist schnell in der Lage, die jeweiligen Unterschiede zu erkennen.

Wie können wir die einzelnen Serien unterscheiden?

Am einfachsten erkennt man die Serie 1. Mit nur einem Spiegel auf der Fahrerseite, der auch noch sehr weit oben angebracht wurde, fällt er regelrecht aus dem üblichen Rahmen und wird deshalb auch liebevoll „Monospecchio“ – also Einzelspiegel – genannt. Ein weiteres Merkmal sind seine Felgen mit Zentralverschluss. Zu der extravaganten Spiegelvariante kam es angeblich durch die „fehlerhafte“ Interpretation der Straßenverkehrsordnung eines Ingenieures. Er war der Meinung, der Spiegel müsse so weit oben angebracht werden, damit ihn die nachfolgenden Fahrer erkennen könnten. Ich persönlich glaube ja eher daran, dass es sich um einen misslungenen Versuch handelte, dass spektakuläre Design auf die Straße zu bringen. Nachdem er „aufflog“, stellte man diesen als menschlichen Fehler dar. Ein cooler Marketing-Gag, wie ich finde. Als Resultat veränderte man die Position des Spiegels und brachte auch gleich noch einen auf der Beifahrerseite an. Die Zentralverschluss-Felgen behielt man bei dieser Serie 2. Nun folgte der Wechsel zu einer Felge mit Lochkreis, ab da sprechen wir von Serie 3. Sie ist sicher auch die „geläufigste“ und bekannteste Variante, welche die meisten von uns kennen.

 

Und dann kam der Ferrari 512 TR heraus?

Genau. Der Ferrari 512TR – der Name stand für fünf Liter Hubraum, 12 Zylinder und die Modellbezeichnung TestaRossa – war dann schon eine größere Weiterentwicklung und entsprach der „neuen“ Designsprache von Ferrari, die man schon am 348 gut sehen konnte. Für uns intern sprechen wir, wie schon erwähnt, von Serie 4. Der nur kurze Zeit später vorgestellte F512M – M steht für Modificata – war mit den neu gestalteten Scheinwerfern die Abkehr vom Klappscheinwerfer und die finale Variante des Testarossa. Als Final Edition wurden nur 502 Exemplare produziert. Ich hätte es spannender gefunden, wenn zum Schluss noch einmal die 512 als Stückzahl ins Spiel gekommen wäre. Das wäre doch ein passender Abschluss gewesen.

Auffällig ist bei eurer Sammlung, dass alle Testarossa schwarz sind. Warum ist das so?

Weil es schwer bis unmöglich war.

Inwiefern?

Ein Ergebnis unserer Recherche war, dass schwarzer Lack nur sehr selten und zusammen mit schwarzem Interieur noch viel seltener geordert wurde – auch wenn diese Kombination heute sehr beliebt ist. Alle fünf Varianten in schwarz/schwarz zusammen zu bringen ist also extrem unwahrscheinlich bis nahezu unmöglich. Zum Beispiel sind vom F512M wahrscheinlich nur zwölf Fahrzeuge in schwarz gebaut worden. Wie viele von diesen noch eine entsprechende Innenfarbe hatten, kann man nicht sagen. Auch den Monospecchio in schwarz zu finden war alles andere als leicht. Aber das machte dann schlussendlich auch den Reiz für uns aus. Wo wir wieder am Anfang wären: Wir möchten die seltensten Fahrzeuge finden und das scheinbar Unmögliche möglich machen.

 

Gibt es zu der einen oder anderen der fünf Schönheiten eine besondere Geschichte, die es zu erzählen gibt?

Ob eine Geschichte interessant ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Für uns haben sie alle eine besondere Geschichte. Den Monospecchio zum Beispiel hat mein Kollege Chris im Death Valley gefunden. Wir konnten es nicht glauben und Chris hat sicher extrem geschwitzt – auch angesichts der Frage, ob der Wagen tatsächlich original schwarz war –, bis die Verträge unterzeichnet waren. Der Monodado ist speziell, weil er sehr wenige Meilen gelaufen ist und weil er einige Pokale in der Neuzeit bekommen hat. Unser Serie 3 Testarossa, also das eigentlich am einfachsten zu findende Fahrzeug, ist insofern interessant, weil uns der Verkäufer nach dem Kauf folgende Story erzählt hat: Das Kennzeichnen stammt aus Neapel und sei dort so bekannt, wie ein bunter Hund. Der damalige Eigentümer stand in direkter Verbindung zum SSC Neapel. Als kein geringerer als Diego Maradonna selbst 1989 auf seinen eigenen bestellten schwarzen Testarossa wartete, soll der Besitzer ihm eben unseren Serie 3 Testarossa als „Übergangsfahrzeug“ zur Verfügung gestellt haben. All dies wussten wir zum Zeitpunkt des Kaufes nicht und waren dementsprechend überrascht und noch glücklicher, diesen Wagen bei uns in der Sammlung begrüßen zu dürfen. Sobald wir etwas mehr Zeit haben, werden wir natürlich versuchen, diese Geschichte nachzuvollziehen. Schön ist sie allemal.

Apropos Zeit: Wie lange habt ihr denn ungefähr gebraucht, um diese Sammlung zusammenzustellen? Das funktioniert doch sicher nicht in ein paar Tagen.

Ganz sicher nicht. Dafür braucht es natürlich auch ein wenig Geduld. In diesem Fall sprechen wir von knapp drei Jahren plus noch einmal einem Jahr für die Vorbereitung der Fahrzeuge. Das sie jetzt hier stehen hat in Summe vier Jahre benötigt! Mit Vorbereitung meine ich die technische Prüfung der Fahrzeuge, die natürlich erst einmal stattgefunden hat. Anschließend wurden entsprechende Arbeiten ausgeführt und sämtliche zulassungsrelevanten Gutachten erstellt, um die Testarossas den einzelnen Prüforganisationen vorzuführen. Aktuell haben alle eine Straßenzulassung, wenn vom Alter her möglich auch eine Einstufung als historisches Fahrzeug und ein entsprechendes Kennzeichen.

Hier liegen sechs verschiedene Kennzeichen, die alle auf 77 enden und davor von 1 bis 6 durchnummeriert sind. Haben sie eine bestimmte Bedeutung?

Ich liebe die Zahl Sieben, das ist kein Geheimnis. Sofern möglich, haben alle unsere Fahrzeuge eine 77 oder 777 als Zahl auf den Kennzeichen. Bei den Testarossas wäre es auch möglich gewesen, aber ich wollte bei den Fahrzeugen einen Bezug zur jeweiligen Serie herstellen, deshalb beginnt jeder Testarossa mit FT (Ferrari Testarossa) und endet mit der 77. Und die Zahl vor der 77 erklärt dann, um welche Variante es sich handelt. Das heißt 177 für Serie 1, 277 für Serie 2 und so weiter.

Für welches Auto ist dann das Kennzeichen J-FT 677, das noch hier liegt?

Das Kennzeichen „J-FT 677“ ist für einen extrem speziellen Testarossa vorgesehen! Wie das manchmal so ist im Leben – die Sammlung war komplett und trotzdem ging es noch ein wenig kompletter. Uns bot sich die Möglichkeit, den von Straman im Jahr 1984 für eine Pepsi-Werbung umgebauten Testarossa zu erwerben. Dieser wurde nachweislich vom „King of Pop“ gefahren.

Dann habt ihr aktuell also Fahrzeuge vom „King of Pop“, „King of Rock ‚n‘ Roll“ und „King of Cool?

Ja, in unserer Sammlung stehen tatsächlich noch ein goldener Cadillac, den Elvis am 28.12.1967 gekauft und besessen hat und ein Charger aus dem Film Bullitt mit Steve McQueen. Zusammen mit dem „Jackson“-Straman sprechen wir auch gerne von den „Three Kings“.

Es ist gar nicht so einfach beim Thema zu bleiben, aber ich versuche mal den Faden wieder aufzunehmen. Sechs Testarossa, alle in schwarz/schwarz und mit Straßenzulassung. Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob diese schönen Ferraris auch bewegt werden?

Natürlich, dazu wurden sie doch ursprünglich gebaut. Wir werden sie definitiv fahren und Spaß haben. Alle sechs passen in unseren großen Trailer. Deshalb haben wir vor, sie an schöne Orte zu bringen und dort „freizulassen“. Wir planen gerade entsprechende Ausfahrten für Interessenten oder auch Liebhaber, die sich gerne einen Wunsch erfüllen möchten, als Mitfahrer anzubieten. Anfragen gibt es schon einige, obwohl wir noch gar keine Werbung gemacht haben. Sobald Termine und Preise feststehen, werden wir diese auf unserer Homepage veröffentlichen. Mit unserem ChromeCars eXperience-Programm kommen wir dem Wunsch unserer Kunden nach, ihnen eine Ausfahrt der etwas anderen Art zu ermöglichen und erfüllen hierbei auch ausgefallene Wünsche. Bereits 2017 und im vergangenen August 2020 haben wir Veranstaltungen etabliert und die Resonanz war überwältigend. Daher ist unser Wunsch für die Zukunft derartige Events regelmäßig anzubieten. Um bei unseren Testarossa zu bleiben: Es ist möglich, eine Ausfahrt für exklusive Kunden zu buchen. Eine Überraschung ist solch eine Flotte sicher auch für ein spezielles Jubiläum oder eine Produktpräsentation. Eine Fahrt von Nizza nach Monaco können wahrscheinlich auch andere Wettbewerber organisieren – aber in sechs schwarzen Ferrari Testarossa? Das ist doch eine Erlebnisreise, die niemand vergessen kann.

Ihr besitzt auch den originalen Ford Mustang „Eleanor“ aus dem Hollywoodstreifen „Nur noch 60 Sekunden“. Kann man dieses Auto auch für solch eine Veranstaltung buchen? 

Grundsätzlich kann man jedes Fahrzeug bei ChromeCars buchen oder kaufen. Der Handel steht wie gesagt im Vordergrund – auch wenn es manchmal schwer fällt sich zu trennen.

Fotos: Mario Klemm © 2021

Im Classic Driver Markt finden Sie alle faszinierenden Sammlerautos, die derzeit bei ChromeCars zum Verkauf stehen.

Dieser Beitrag wurde als Teil einer bezahlten Partnerschaft mit ChromeCars produziert und veröffentlicht. Classic Driver ist weder für den Inhalt noch für die oben enthaltene Information verantwortlich.