Von roten Lippen und fliegenden Herzen – Rennlegenden erzählen vom Monaco Grand Prix

Die siebte Ausgabe des Credit Suisse Historic Racing Forum ehrte den ersten Monaco-Sieg von Sir Stirling Moss im Jahr 1956. Gemeinsam mit Alain de Cadenet, Emanuele Pirro, Jochen Mass und Ray Mallock ließ Moss die glorreichen Zeiten des Rennsports wieder aufleben.

Der Applaus der Gäste des Historic Racing Forums im Rahmen des historischen Grand Prix von Monaco war Stirling Moss sicher. Denn genau vor sechzig Jahren, am 13. Mai 1956, sicherte sich der junge Brite seinen ersten Sieg auf dem Maserati 250 F mit Startnummer 28 beim Großen Preis von Monte Carlo. Auch sechzig Jahre nach diesem Erfolg hat Sir Stirling Moss nichts von seiner Begeisterung für den Rennsport verloren und sprach gemeinsam mit seinen Rennfahrer-Kollegen Alain de Cadenet, Emanuele Pirro, Jochen Mass und Ray Mallock mehr als eine Stunde lang über die Leidenschaft und Faszination des Rennsports.

Thema des Forums war die Frage, ob man als Privatier im Rennsport überhaupt eine Chance gegen hochgerüstete Werksteam hatte – damals wie heute. Der fünffache Le Mans-Sieger Emanuele Pirro, der selbst seine Erfolge mehrheitlich als Audi-Werksfahrer feierte, hat eine sehr kritische Meinung. Für ihn ist es wichtig, dass der Motorsport sich nicht weiter von den privat organisierten Teams entfernt und wieder zugänglicher wird. Heute hätte man als Privatmann kaum eine Chance. Alain de Cadenet, der seine aktive Rennfahrerkarriere ohne Rückendeckung einer Werksrennabteilung nur aus privaten Mitteln finanzierte, sieht die Situation noch pessimistischer. Für ihn ist eine andere Frage jedoch noch von größerer Bedeutung: “Ist der Rennsport überhaupt noch ein Sport oder eine reines Technologie-Festival?” 

Mit dieser Aussage schwenkte der Themenschwerpunkt der Forumsdiskussion zu den großen Unterschiede zwischen den damaligen und heutigen Rennen. Sir Stirling sah die Situation ähnliche wie de Cadenet. Es sei heute ein reines Wettrüsten der Technologien und es ginge kaum mehr um das Können des Fahrers. Dies erkenne man am Beispiel von Lewis Hamilton, der chancenlos sei, wenn sein Rennwagen nicht einfandfrei funktioniere. Diese Ansicht teilte Jochen Mass jedoch nicht. Der ehemalige Formel-1- und Le-Mans-Fahrer war der Ansicht, dass heute die fahrerische Qualität viel breiter gestreut sei als noch vor fünfzig Jahren und es sehr wohl auch auf das Können des Piloten ankäme. Gerade das hätte Hamilton oft genug bewiesen. Das Panel beschäftigte sich noch weiter mit der Frage, ob der Rennsport früher nicht viel spannender für Teilnehmer und Zuschauer gewesen sei. Sir Stirling war sich sicher, dass der Rennsport vergangener Tage viel charismatischer für beide Seiten gewesen sei. “Ich erinnere mich noch sehr gut an die besondere Atmosphäre hier in Monte Carlo. Die Zuschauer standen so nah an der Strecke. Ich erinnere mich noch genau an ein Rennen, bei dem ich einer Dame mit auffallend rotem Lippenstift Luftküsse zu warf, jedes Mal, wenn ich an ihr vorbeiraste.”  

Zum Ende der Diskussion sorgte noch ein Überraschungsgast für Aufmerksamkeit. Der ehemalige britische Formel-1- und Sportwagen-Rennfahrer Brian Redman stattete dem Forum einen Besuch ab. Das siebte Credit Suisse Racing Forum war mit der lebhaften Diskussion ein gelungener Auftakt für das Grand Prix-Wochenende und es bleibt spannend, was sich die Helden der Rennstrecke bei der achten Ausgabe im Rahmen des Goodwood Revival 2016 im September zu erzählen haben.

Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2016

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