Mit einem Morgan maximal Spaß haben am kürzesten Tag des Jahres

Um den neuen Morgan Plus Four gründlich einzufahren, fuhren wir mit ihm an einem der kürzesten Tage des Jahres über gut 1000 Kilometer bis nach Cornwall und zurück. Ob er auf diesem Road-trip wohl unsere Erwartungen erfüllen konnte?

Man könnte meinen, dass sich dieser taubengraue Morgan zumindest von außen nicht sehr von seinen Vorgängern unterscheidet. In der Tat setzt er als direkter Nachfolger des Morgan Plus 4, der seit 1950 gebaut wird, die Tradition der leichten Morgan mit Vierzylinder-Motoren fort. Gleichwohl in einer rundum modernisierten Version auf Basis der auch vom Morgan Plus Six genutzten neuen CX-Aluminium-Plattform. Der klassische Roadster ist ein komplett überarbeitetes britisches Biest, das die Marke aus Malvern Link auf den neuesten Stand bringt. Ob Sie mit ihm nun über die Autobahn preschen oder sich durch die engen Straßen Cornwalls schlängeln, nichts ist für den leichten und leistungsstarken Morgan zu viel des Guten.

Da man als Fahrer praktisch auf der Hinterachse sitzt und aus einer tiefen Position über die lange Motorhaube mit den Lamellen hinausschaut, fühlt er sich besonders an, erfordert aber auch eine gewisse Gewöhnung beim Anpeilen von Kurven und Abzweigungen. Das ist jedoch verzeihlich, denn dieses Layout verleiht dem Auto sein süchtig machendes Go-Kart-Handling. Der Basispreis von 81.500 Euro mag zwar happig erscheinen, aber wir können Ihnen garantieren, dass jeder Kilometer am Steuer Ihnen ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn Sie mit so einem modernen „Moggie“ durch die Landschaft eilen.

Wir hatten zunächst geplant, uns für die Nacht in einem Hotel im tiefsten Cornwall einzuquartieren, aber mit zwei Personen, Kameraausrüstung, Regenkleidung - wir sind hier in England - und Verpflegung für unterwegs wollten wir uns nicht zu viele Gedanken über den fehlenden Platz für das Gepäck machen, auch wenn man mit etwas Vorsicht ein paar kleine weiche Taschen verstauen kann. Stattdessen beschlossen wir, bis nach Cornwall zu fahren und dann einfach umzukehren, denn warum nicht? Es ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn man auf dem heißen Sitz Platz nimmt, über die vergitterte Motorhaube blickt, das kleine, sportliche Lenkrad umgreift und den herrlichen Vierzylinder-Twin-Power-Turbo-Motor von BMW mit seinen 258 PS zum Leben erweckt. Der Plus Four Modelljahr 2022 mag völlig neu sein, aber er fühlt sich sofort vertraut an. Es ist ein klassisches Fahrerlebnis, verpackt in ein modernes, zuverlässiges Auto - ein Ort, von dem aus Sie die offene Straße auf der Suche nach der nächsten bislang unentdeckten ultimativen Fahrstrecke erkunden möchten.

Dank des neuen Antriebsstrangs muss man sich beim Plus Four keinen Kopf mehr darüber machen, ob er morgens anspringt oder ob man auf der Autobahn strandet, wie es bei klassischen Autos der Fall ist. Die Gedanken können stattdessen darum kreisen, wohin Sie als Nächstes fahren werden. Beim Zurückklappen der Motorhaube mag der Zweiliter-BMW-Motor wenig beeindruckend erscheinen, aber bei einem Gesamtgewicht von etwas mehr als einer Tonne und einem maximalen Drehmoment von 350 Nm hat er es in sich. Wenn Sie Gas geben, legt der +4 mit einem herrlichen Auspuffgeräusch los, das einfach nur süchtig macht! Das Fehlen einer Traktionskontrolle hält Sie auf Trab, trägt aber auch zum Charme des Wagens bei und unterstreicht, dass es ein Auto ist, das gefahren werden will, und nicht eines, das Sie fahren wird.

Kleine Hersteller wie Morgan bieten uns frischen Durchzug: Sie folgen nicht der neuen Norm von Fahrerassistenzsystemen und sensorischer Isolierung, und das macht solche Marken für uns zu einer ernsthaften Überlegung, wenn es um die Suche nach der nächsten Fahrspaßmaschine geht. Das Styling aus den goldenen Zeiten des Automobils und die moderne Mechanik sind das Rezept für den ultimativen praktischen Klassiker, einen modernen Hot-Rod. Wenn Sie diesen Autos in der Vergangenheit keine Beachtung geschenkt haben, dann sind sie jetzt sicherlich einen Blick wert.

Fotos von Tim Hutton