Die hyperrealistische Autokunst dieser jungen Französin begeistert Enthusiasten

Kunst und Technik sind die Leidenschaften von Noémie Marmorat. Unter dem Namen Gasoline M.A.A.B. hat sie sich mit ihren hyperrealistischen Zeichnungen und deren Mix aus Realismus und sorgfältiger Hingabe an Licht und Details internationale Anerkennung erworben.

In der traditionell maskulin geprägten Autowelt ist die junge französische Künstlerin Noémie Marmorat – auch als Gasoline M.A.A.B. bekannt – die große Ausnahme. Sie hatte sich rasch in der Motorradszene einen Namen mit ihren Zeichnungen gemacht, ehe sie sich auch mit klassischen Fahrzeugen und Rennwagen und vor allem Porsche beschäftigte. 

Noémie Marmorat hat schon immer leidenschaftlich gerne gezeichnet und entstammt einer Familie von Motorradfahrern. Nachdem sie angewandt Kunst und Design im französischen Nevers studierte, begann ihre Karriere zunächst im Produktdesign, wo ihre Faszination mit der mechanischen Welt auch ihren Anfang nahm. „Ich habe zunächst Motorräder als Hobby gezeichnet. Aber dann wurden sie auf Instagram so populär, dass aus ihnen meinen Beruf wurde“, erzählt die Künstlerin.

„Abgesehen von Motorrädern bin ich sehr an Autos, vor allem an Klassikern interessiert. Ich habe eine starke Zuneigung zu Porsche, aber ich versuche, mich thematisch nicht zu stark einzuengen. Eine meiner ersten Arbeiten war beispielsweise ein Jaguar XK120 Roadster, und eine meiner aktuellsten widmete ich einer Shelby Cobra.“

„Ich bekomme regelmäßig auch spezielle Anfragen von Kunden, die sich ein Bild ihres Autos wünschen – gerade habe ich Aufträge bekommen, einen Mercedes-Benz 300SL „Flügeltürer“, einen Ford Mustang und einen Jaguar E-Type zu zeichnen“, verrät sie. „Mein Arbeitsprozess beginnt immer mit einem hoch aufgelösten Foto. Ich brauche meist 10 bis 20 Stunden, um eine Zeichnung – je nach Grad der Details – fertigzustellen. Ein Motorrad mit der typischerweise gut sichtbaren Technik beansprucht meist mehr Zeit als ein Auto.“

„Ich sehe mich als echte Perfektionistin, das heißt, dass jedes Detail für mich eine Herausforderung darstellt. Um das Lichtspiel wiederzugeben, die Farben wie auch die Details, setze ich meist alkoholbasierte Stifte und ProMarker ein, zu meiner Palette gehören aber auch Farbstifte und seit kurzem auch Farbmarkierer von Posca, weil man mit ihnen sehr gut gerade die Lichtreflexe auf Chrom betonen kann. Mein Stil hält sich eng an die Wirklichkeit und berücksichtigt speziell die Beziehung zwischen Licht und Materialien. Im Lauf der Zeit habe ich mich auch technisch so entwickelt, dass es immer schwieriger wird, zwischen der Zeichnung und seinem Gegenstand zu unterscheiden. Für meine Arbeit bevorzuge ich Canson-Papier im Format A3.“

„Mein Künstlername“, erzählt Marmorat weiter, „spiegelt meine Leidenschaft für schöne technische Objekte. Gasoline M.A.A.B. ist eine Abkürzung, die als Akronym Motorräder und Autos, aber auch Flugzeuge und Boote einschließt. Ich neige eher zu älteren Objekten. Ich finde moderne Sujets weniger inspirierend, wobei es kürzlich ein Vergnügen war, einen Ferrari 458 und einen Aston Martin V8 Vantage N430 zu zeichnen. Ich verfolge auch sehr aufmerksam die Restomod-Szene – Singer Vehicle Design spricht mich speziell als Designerin stark an.“

Wir sind neugierig und wollen mehr über Noémie Marmorats Kunden erfahren. „Heute kommen sie aus Frankreich wie auch aus anderen europäischen Ländern, aber ich habe auch Klienten in Taiwan, Indonesien, den USA und Kanada. Diese Kunden schätzen den Umstand, dass ich ihr Auto porträtieren kann. Meist sind diese Bilder statisch, aber ich möchte in Zukunft auch dynamische Zeichnungen schaffen. Teil meiner Leidenschaft sind auch Porträts berühmter Fahrer wie die bekannten Werke von Steve McQueen und Ayrton Senna – ich benutze dieselben Techniken wie bei den Autos und immer Farbe. Von den rund 250 Zeichnungen, die ich bis jetzt gefertigt habe, ist das Bild von Ayrton Senna mein Liebling.“

Natürlich liebt Marmorat auch die 24 Stunden von Le Mans. Sie ist bereits an den Circuit de la Sarthe eingeladen worden, um Zeichnungen von Sport-Prototypen und Renn-Porsche auszustellen. Gasoline M.A.A.B. hat jüngst einige Arbeiten legendären Porsche-Modellen wie dem 917K und dem 911 Carrera 2.8 RSR gewidmet.

Drucke einer Auswahl ihrer Werke wie jene, die den Porsche 917K und den Alfa Romeo Tipo 33 Stradale verewigt haben, werden in limitierten Editionen von jeweils 20 Blättern verkauft. Wie man sich vorstellen kann, sind sie meist schnell ausverkauft, nicht zuletzt wegen ihrer attraktiven Preise und ihrem wachsenden Erfolg im Internet. Gasoline M.A.A.B. plant im Oktober eine Ausstellung im Porsche-Zentrum in Dijon und später bei der Rétromobile während sie ihren Bekanntheitsgrad im Ausland verstärken möchte und sich zugleich im Design von neuen technischen Dingen versuchen möchte.

Text: Etienne Raynaud / Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2020 

Weitere Informationen über Noémie Marmorat – Gasoline M.A.A.B. – finden Sie auf ihrer Website, Sie können ihr auch auf Instagram folgen.