Goodwood Revival 2012: Glorious and Groovy

Sonnenschein, Silberpfeile und die besten Rennen seit langem – am vergangenen Wochenende hat Lord March wieder einmal gezeigt, warum das Goodwood Revival allen anderen Veranstaltungen davon fährt, fliegt und feiert!

Drei Tage dauerte das Spektakel – dann war wieder alles vorbei. Drei Tage, in denen nicht nur die großen Triumphe des britischen Motorsports und der Fliegerei gefeiert wurden, sondern auch die Liebe am exzentrischen Mummenschanz, wie sie nur in England möglich ist: Bombenkrater auf dem Parkplatz, ein abgestürzter Sputnik-Stallit und die Gerüchte einer bevorstehenden russischen Invasion schickten das diesjährige Revival zurück in die Zeit des Kalten Krieges. Auch bei den automobilen Rennen wurde der Fokus auf die Nachkriegszeit gelegt: So wurde unter anderem der amerikanische Rennfahrer Dan Gurney geehrt – und dafür sogar die 1960er-Jahre-Kampagnenparodie „Dan Gurney for President“ neu aufgelegt. Gleichzeitig traten einige seiner berühmten Zeitgenossen wie Sir Stirling Moss, Sir Jackie Stewart und sein ehemaliger Ferrari-Kollege Tony Brooks mit sichtlich großem Spass an der Sache auf der Rennstrecke an – freilich mit jenen Rennwagen, in denen Gurney in den 1950er und 1960er Jahren seine größten Erfolge gefeiert hatte.

 

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Doch die Zeitreise ging noch weiter zurück: Jackie Stewart und Jochen Mass waren etwa auch am Steuer der großen Mercedes-Benz „Silberpfeile“ aus den Vorkriegsjahren zu sehen – einen derartigen Tribut wird man wohl so schnell nicht wieder zu Gesicht bekommen. Besonders Mass war mit vollen Elan bei der Sache und ließ es sich nicht nehmen, mit dem 640 PS starken W125 einen eindrucksvollen Powerslide auf den Asphalt zu legen, bevor das unbezahlbare Silberstück wieder in das speziell eingreichtete Vorkriegs-Fahrerlager rangiert wurde. Nur eine Handvoll der Gäste hat diese Maschinen zu ihren Hochzeiten live erlebt – für die meisten Zuschauer war das Silberpfeil-Spektakel dagegen ein einmaliges Schauspiel!

 

 

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Mit Carroll Shelby und Roy Salvadori hat die Rennfahrer-Szene in diesem Jahr zwei ihrer großen Helden verloren. Den Le-Mans-Gewinnern von 1959 wurde in Goodwood am Samstag mit einem Shelby-Cobra-Rennen gedacht, bei dem das Vater-Sohn-Gespann aus Rick und Rob Hall den Sieg einfahren konnte. Am Sonntag wurde dann das traditionelle Abschlussrennen der Sussex Trophy für Sportwagen aus den späten 1950er Jahren als „Tribut an Roy Salvadori“ ausgetragen. Das beinharte Duell zwischen Julian Majzub in seinem Sadler Mk 3 und den Lister-Piloten Tim Harvey (Jaguar) und Andrew Smith (Chevy) hätte Salvadori bestimmt gefallen. Eindrucksvoll war auch wieder die Parade der Ferrari 250 GTO – wobei das Wort „Parade“ der Sache nicht ganz gerecht wird: Beinahme mit Renngeschwindigkeit fegten die mehr als ein Dutzend Multi-Millionen-Sportwagen über die Strecke – die meisten waren gerade erst bei den Feierlichkeiten zum 50. GTO-Geburtstag bei der Le Mans Classic gesichtet worden.

 

 

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Ein weiterer Höhepunkt des Revivals war der Sieg von Martin Brundle in Adrian Neweys Jaguar E-Type Leightweight bei der RAC Tourist Trophy Celebration. Eindruck schunden auch Richard Attwood und Rauno Aaltonen – beide deutlich über 70 Jahre jung –, die sich in ihren E-Types ein erbittertes Duell lieferten. Mit offenen Mund staunten die Zuschauer schließlich über den irrsinnigen Auftritt von Patrick Blakeney-Edwards in einem Frazer Nash von 1928 und Ben Collings in einem 1926er Bentley – die alten Rennwagen mit derartiger Todesverachtung zu bewegen, ist wohl nur echten Engländern vorbehalten. Vollgas gaben aber auch die Classic-Driver-Händler Gregor Fiskens in seinem Maserati 300S und Sam Hancock in einem Jaguar D-Type.

 

 

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Natürlich gab es auch abseits der Rennstrecke wieder viel zu entdecken: Der Tesco-Supermarkt mit all seinen nostalgischen Nachkriegsprodukten war natürlich wieder geöffnet und überall auf dem gelände wurde mit aufwändigsten Verkleidungen der „guten alten Zeit“ gedacht, während über den Köpfen die historischen Flugzeuge donnerten.

 

 

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Fotos: Classic Driver, Roger Dixon

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