Family Affair – wie eine Uhr den Bogen zwischen Vater und Sohn spannt

Die neue Tissot Heritage Navigator Chrono Auto 1973 erinnert nicht nur an ihre eng mit dem Motorsport verbundene Vorgängerin. Sie erzählt auch von dem Erbe von Loris Kessel an seinen Sohn Ronnie – beides Schweizer, beides Rennfahrer mit einer Passion für den historischen Motorsport.

Zündende Ideen brauchen manchmal das genaue Gegenteil eines stillen Kämmerleins, um zu entstehen: Im September 2019 siegte der Schweizer Ferrari-Spezialist Ronnie Kessel bei der anspruchsvollen Bernina GT in einem Ensign von 1977, ein britischer Formel 1-Rennwagen aus den frühen siebziger Jahren, dessen Team seinerzeit von Tissot unterstützt worden war. Als damals der Schweizer Uhrenhersteller als Sponsor in den Grand Prix einstieg, suchte man zum Debüt einen Schweizer Piloten als Markenbotschafter und fand Loris Kessel, den Vater von Ronnie, der bei Brabham Teamkollege von Jacky Ickx war. Damals trug Loris Kessel die Sportuhr Navigator Chronographe, die 1973 lanciert worden war. So entstand in der Höhenluft des Bergrennens die Idee, mit dieser so eng mit der Kessel-Familie verknüpften Uhr ein neues Kapitel zu schreiben.

Diese Tissot Heritage Chrono Auto 1973 gehört zu jenem exklusiven Kreis von Chronographen, der nicht nur die goldene Ära des Motorsports zitiert, sondern am Handgelenk von Piloten tatsächlich eine Funktion im Rennen erfüllte. Mit einem Durchmesser von 43 mm und einer Höhe von 46,6 mm ist die Uhr nicht nur markant, sie ist auch jederzeit gut ablesbar. In der leicht angedeuteten Tonnenform des Edelstahlgehäuses – typisch für den Seventies-Style – verbirgt sich ein Valjoux-Automatikwerk Kaliber A05.H31 mit einer großartigen Gangreserve von 60 Stunden. 

Typisch für das Uhrendesign der siebziger Jahre sind auch die pilzförmigen Drücker an der Seite. Ebenfalls an die Vorgängerin angelehnt: Die Optik des in drei Varianten wählbaren Zifferblatts mit mattschwarzen Zeigern mit Superluminova-Beschichtung.  Zu den Anzeigen im Herz des Zifferblatts gehören außerdem ein 30-Minuten-Zähler sowie einer für zwölf Stunden. Die Motorsport-DNA wird außerdem durch die Tachymeterskala, deren Markierungen bis zu 500 Stundenkilometer reichen, am Rande des Zifferblatts akzentuiert. Und durch das durchbrochene Lederarmband – eine Innovation von Tissot aus dem Jahr 1965, um den Tragekomfort für Rennfahrer in einem heißen Cockpit zu erhöhen. 

Seit 2018 ist Tissot Partner von Kessel Classics, neben dem Rennteam Kessel Racing die große Leidenschaft von Ronnie Kessel, der von seinem Vater Loris nicht nur den bedeutenden Ferrari-Handel in Lugano geerbt, sondern die Renngene. Mit diesem blaugelben Ensign hat Ronnie nicht nur die Bernina GT bestritten, diese besondere Maschine gewann mit dem ehemaligen F1-Piloten Alex Caffi am Steuer auch den Monaco Historic Grand Prix 2016. 

Die Verbindung mit der traditionsreichen Schweizer Uhrenmarke hat noch einen anderen Aspekt. „Im Bereich historischer Motorsport starten wir mit jedem Auto, dem eine Uhr der Tissot Heritage Collection gewidmet ist“, erzählt Ronnie. „Dazu gehört der Lancia Stratos, der Porsche 911 RS und der Renault A110 Alpine mit dem ich bei der Monte Carlo Classic startete.“

In das schwere Jahr 2020, in dem auch die großen Concours und der historische Motorsport abgesagt werden mussten, fiel ausgerechnet auch das 20. Jubiläum von Kessel Classics. Genauso wie die Eiskapaden von ICE in St. Moritz. „Es sind trotzdem viele gekommen, um sich ohne Programm zu treffen. Es ist eine Bewegung geworden“, freut sich Ronnie, der schon viele Pläne zur verschobenen Geburtstagsparty entwickelt. 

Wie war es, ein Bergrennen auf einem Alpenpass in einem reinrassigen Formel 1-Rennwagen zu meistern? „Eine herausfordernde Straße in einem herausforderndem Auto“, meint er mit trockenem Understatement. Und natürlich trug er die Tissot seines Vaters, die ihm gute Dienste erwies, und wie sein Vater fungiert er jetzt als Markenbotschafter. „Die Tissot Heritage weckt die Sehnsucht nach den siebziger Jahren. Diese Epoche hat den Motorsport auf eine neue Ebene gehoben, uns die schönsten Autos, tolle Musik, tolles Design gegeben, das heute noch nachwirkt. Ich wünschte, ich hätte damals gelebt! “

Es sind beileibe nicht nur die Uhren und der Motorsport, die eine Family Affair der Kessels sind. „Das Bernina-Rennen startet in dem kleinen Graubündner Ort La Rösa im Poschlav und steigt dann hoch. Dazu muss man wissen, dass unser Zuhause in La Rösa war. Mein Vater fuhr täglich diesen Weg. Schon als Kleinkind habe ich ihn begleitet, mal in einem Ferrari, mal in einem klassischen Auto.“ Die Bernina GT wurde erstmals 2015 ausgetragen. Loris Kessel konnte diese Premiere nicht mehr selbst erleben. „Aber er hat immer von diesem Bergrennen geträumt. In dem Tissot Ensign, den er in den neunziger Jahren für unsere Sammlung erstand, wollte er sich der Herausforderung dieser Serpentinen stellen!“

Tissot ist für die Kessels mehr als eine Uhr. Für den Vater ein Meilenstein seiner Karriere wie heute für seinen Sohn ein Stück Familienbiographie, das auch nach 50 Jahren weiterlebt.  „Messbare Zeit ist alles in der Rennfahrerei“, sagt Ronnie. „Das schärft den Blick für wie schnell sie vergeht. In diesem Jahr blieb sie für uns alle stehen und wir mussten alle bitter erkennen, dass sie nicht erstattungsfähig ist.“

Zahlreiche weitere Geschichten über die zahlreichen Projekte der Familie Kessel und den aktuellen Autobestand von Kessel Classic finden Sie im Classic Driver Markt.