Erste Liebe - Wiedersehen mit einem Ferrari nach 37 Jahren

Vor fast 50 Jahren kaufte der damals 26-jährige Deryk Haithwaite einen fabrikneuen Ferrari 275 GTB/4. Jetzt hat der Brite seine italienische Jugendliebe wieder getroffen - nach 37 Jahren. Classic Driver war bei dem anrührenden Rendezvous dabei.

Die meisten Menschen können natürlich nur davon träumen, schon in jungen Jahren einen Cavallino Rampante ihr Eigen zu nennen. Als Deryk Haithwaite vor fast 50 Jahren seinen Ferrari 275 GTB mit den vier Nockenwellen orderte, war dies allerdings nicht seine Maranello-Premiere. Er hatte zuvor schon einen 275 mit kurzer Nase und zwei Nockenwellen besessen. Doch seine finanzielle Situation ermöglichte ihm die Wahl der kraftvolleren Variante, die er bei der britischen Ferrari-Vertretung von Colonel Ronnie Hoare bestellte.

Zeit für einen Schnappschuss

Nachdem der Ferrari gebaut worden war, reiste Haithwaite von seinem Wohnort auf den Kanalinseln nach Maranello, um seinen Sportwagen abzuholen - einen Rechtslenker, da auf der Insel Jersey Linksverkehr herrscht. Nach einer Werkstour und einer abschließenden Inspektion machte sich Deryk auf die lange Heimreise. Dass der Ferrari 275 GTB/4 die damaligen Exportkennzeichen auch jetzt beim Wiedersehen trägt, ermöglichte der britische Klassiker-Händler DK Engineering, der das emotionale Wiedersehen initiiert hat. „Damals gab es keine Tempolimits”, erinnert sich Deryk, „deswegen konnte ich die meiste Zeit entspannt mit über 240 Stundenkilometern dahingleiten.” Und weil die Heimreise so zügig voranging, hielt er von Zeit zu Zeit an Rasthäusern, um den neuen Liebling zu fotografieren.

Die andere große Liebe

Nach seiner Heimkehr und einigen vergnüglichen Ausfahrten auf den malerischen kleinen Straßen Jerseys, fuhr der junge Herr Haithwaite in die örtliche Disco, wo er auf eine junge Dame namens Diana aufmerksam wurde, die im Lotus eines Verehrers vorgefahren war. Als sie Deryk kennenlernte, fiel ihr eine Geschichte ein, die ihr Bruder gerade an diesem Tag erzählt hatte: Ein freundlicher junger Mann hatte ihn nach einer Autopanne in der Woche zuvor in seinem Ferrari mitgenommen. Deryks Großzügigkeit imponierte ihr und sie ließ sich von ihm nach Hause bringen. Kurz darauf wurden sie ein Paar. Fast 48 Jahre später sind die beiden immer noch unzertrennlich und seit Jahrzehnten miteinander verheiratet. Auch bei Deryks Wiedersehen mit seiner anderen großen Liebe war Diana dabei. 

Ein großes Herz in einem Körper aus Stahl

Im Lauf der elf Jahre, in denen Deryk den Ferrari besaß, hat das Paar viele gemeinsame Reisen quer durch Europa unternommen: „Wir waren mit dem 275 in einem italienischen Skiort - sehr zum Staunen der Einheimischen,” erinnert sich das Ehepaar. „Der Ferrari hat sich im Schnee bestens bewährt.” Oft hat Deryk das auch Auto über Nacht im Herzen Londons geparkt, wo sich die von ihm bestellte Stahlkarosserie gegenüber dem heute begehrteren Alukörper als richtige Entscheidung erwies. „Ich wollte damals eine Stahlkarosserie, weil sie Beulen und Dellen mehr Widerstand als Leichtbau bot, und Rennen wollte ich sowieso nie fahren.” Obwohl er auch auf der 5 Mile Road Vollgas gab, solange noch die Überführungsschilder am 275 montiert waren. Und als hätte es Deryk geahnt: Während einem Wochenende in London musste er mit Schrecken feststellen, dass ein Mini in sein schlafendes Pferd gekracht war. Die Aufhängung des kleinen Briten war nach dem Crash kollabiert, am Stahl-Ferrari blieb nicht einmal ein Kratzer zurück. 

Ein unwiderstehliches Angebot

Nach elf glücklichen Jahren war es für Deryk an der Zeit, sich von seinen italienischen Geliebten zu verabschieden. Als sein Sohn seinen achten Geburtstag feierte, schnürte Antiquitätenhändler Keith Banham ein attraktives Paket für Deryk, das neben umgerechnet rund 28.000 Euro eine Armbanduhr von Breguet und eine kostbare Reiseuhr im Wert von über 5.6000 Euro umfasste. Ein wirklich unwiderstehliches Angebot, denn für den Ferrari hatte Deryk seinerzeit umgerechnet 8.400 Euro bezahlt. Heute unvorstellbar, aber damals galten klassische Ferraris als Investition ohne Wertzuwachs und Deryk hatte somit ein Riesengeschäft gemacht. Er nahm den Gewinn und kaufte sich als Partner in einem Stockbroking-Unternehmen ein. Ein lukrativer Entschluss, denn der einstige junge Ferrari-Besitzer erwarb damit über die Jahre einen Stall, zu dem Ikonen wie diverse Porsche 911, ein Vorkriegs-Alfa Romeo, ein Renault Gordini und der Bugatti Typ 37, den er heute noch besitzt, gehören. Aber vor dem Wiedersehen hatte natürlich auch der Vier-Nocken-Ferrari viel Glück gehabt.

Den Moment festhalten

Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, dann können Sie jetzt den Moment erleben, in dem James Cottingham vom Klassikerspezialisten DK Engineering Deryk und seinen Ferrari nach Jahrzehnten wieder zusammen bringt. Es gibt wohl kaum Jungfernfahrten im zweiten Anlauf, die so berührend sind.

Fotos: Peter Aylward für Classic Driver © 2015
Video: Grid Stars für DK Engineering

Weitere Ferrari 275 GTB/4 stehen im Classic Driver Markt zum Verkauf.