Classic Concepts: BMW Turbo

UFO-Landung an der Seine: Im Herbst 1972 sorgte BMW auf dem Pariser Autosalon mit einer ultra-futuristischen Konzeptflunder für Aufsehen – auch weil die Turbo-Studie mit 250 km/h eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit versprach.

Nachdem BMW die 1960er Jahre genutzt hatte, um sich von einer wirtschaftlichen Schwächephase zu erholen, sollte es ab 1970 deutlich schneller voran gehen. Der Pariser Autosalon im Jahre 1972 in München kamen den Bayern da gerade recht. Und Paul Bracq, damals Chef-Designer bei BMW, machte sich ans Werk. Das neue Projekt sollte aber nicht nur als Marketing-Werkzeug funktionieren, sondern auch eine wegweisende Designstudie und Technologieträger sein. Der Vorreiter für den neuen Spirit war der 1.990 ccm messende Vierzylinder, der im BMW 2002 mit einem Turbolader versehen wurde. Der erste BMW mit einem solchen Antriebsbeschleuniger. Das Konzept überzeugte und wurde bekanntermaßen im Serienfahrzeug 2002 Turbo umgesetzt. Ganz nebenbei handelte es sich dabei um das erste europäische Serienautomobil mit diesem Antriebskonzept. Ein wahrhaft sportlicher Auftakt.

Classic Concepts: BMW Turbo Classic Concepts: BMW Turbo

Einige Industriegipfel Anfang der 1970er Jahre legten einen Fokus auf Sicherheit im Automobil. BMW nutzte den Turbo, um ihn als Testesel für verschiedene Technologien zu verdingen. So wurden Überrollkäfig, Lenksäule mit Sollbruchstelle und ein spezielles Scheibenbremsen-Warnsystem erprobt. Das Cockpit wurde erstmals auf den Fahrer ausgerichtet. Dieser sollte sich nicht mehr ausstrecken müssen, um gewisse Bedienelemente zu erreichen. Idee und Umsetzung, welche noch jahrzehntelange Nachwirkungen bei BMW haben sollten. Gleichzeitig wurde intensiv an Crashstrukturen der Karosserie geforscht.

Classic Concepts: BMW Turbo

Die glutrote Turbo-Kreation von Bracq war dann so spektakulär wie der TGV Hochgeschwindigkeitszug, der wenige Jahre zuvor vorgestellt wurde. Wie viele Konzeptfahrzeuge jener Epoche, kultivierte auch das BMW Turbo Concept scharfes Wedge-Design mit einem Mittelmotor-Antrieb. Reichlich „Drama“ erzeugten die Flügeltüren und abgedeckten Räder. Dennoch war die BMW-Identität unverkennbar: Grill mit Doppelniere und Doppel-Badge am Ende markierten klar und deutlich die Herkunft.

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Letztlich bereitete das Concept Car den Weg für den legendären BMW M1 aus dem Jahre 1978 – der einzige Supersportwagen von BMW in jener Zeit. Auch beeinflusste der 72er Turbo spätere Fahrzeuge wie den BMW Z1 oder den wunderbaren Z8. Der heute sehr begehrte Z8 wurde bis 1999 gefertigt. Obwohl spätere Erfolge eine Hommage an den Vorreiter darstellten, wurden vom Original nur zwei Autos gefertigt. Die Ausführung beider Fahrzeuge oblag Michelotti. Ein Exemplar war als fahrbarer Prototyp ausgelegt. Der zweite Turbo sollte als Exponat auf Messen den Show-Stopper geben. So posierte der Keil auch 1973 bei der IAA in Frankfurt.

Classic Concepts: BMW Turbo

Heute gilt der BMW Turbo zu Recht als revolutionärer Wegbereiter in der Entwicklungsgeschichte der Marke BMW. Ohne ihn hätte die Marke kaum den sportlichen Weg eingeschlagen, den sie bis heute so konsequent verfolgt hat. Hartnäckigkeit zahlt sich eben aus. Und eben nicht nur im Sport



Fotos: BMW/Jan Baedeker/Nanette Scharf

 

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