Der erste Porsche Boxster hat turbulente zwei Dekaden hinter sich. Während er als erschwingliche Fahrmaschine anfangs tausende Käufer in die Showrooms der Zuffenhausener lockte, war er als Gebrauchtwagen lange Zeit als „Hausfrauen-Porsche" verrufen. Manch hochnäsiger 911-Fahrer sah den kleinen Roadster auch als Porsche für all diejenigen an, die sich keinen Elfer leisten konnten. Und tatsächlich, die erste Generation mit dem internen Code 986 kostete bei ihrer Einführung vor knapp dreißig Jahren über 40 Prozent weniger als die „Brot-und-Butter"-Version des damaligen 911. Als Gebrauchtwagen war er zeitweise selbst in einem halbwegs annehmbaren Zustand für deutlich weniger als 10.000 Euro zu haben.
Der Boxster, bei dessen Namen es sich um eine schwäbisch pragmatische Kombination der beiden Wörter Roadster und Boxer handelt, war rückblickend aber alles andere als ein verwässerter „Billig-Porsche". Mit seinen kompakten Abmessungen, vergleichsweise niedrigem Leergewicht von circa 1,3 Tonnen, seinem agilen Handling und einer markentypisch direkten Lenkung sowie seinem gedrungenen Roadster-Design erinnerte er im besten Sinne an die offenen Porsche aus den Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren, allen voran an den legendären 550 Spyder. Wie das historische Vorbild hatte er einen Mittel- statt eines Heckmotors, was mit einer deutlich besseren Gewichtsverteilung und einem niedrigeren Schwerpunkt einherging.



Zurück auf die Erfolgsspur
Auch wenn sein einstiges Image dies nicht vermuten lässt, nimmt der erste Boxster in der Historie des Herstellers eine bedeutende Rolle ein. Wenn man die wassergekühlten Zylinderköpfe des Kleinserien-Boliden 959 ausklammert, war er der erste regulär erhältliche Porsche mit einem wassergekühlten Sechszylinder-Boxer. Mit der Designstudie „Boxster Concept", die 1993 auf der Detroit Motor Show enthüllt und von der Harm Lagaay und sein Team das Design des Serien-Boxster ableiteten, debütierten die von Kritikern oftmals spöttisch als „Spiegeleier" bezeichneten Scheinwerfer – zwei charakteristische Details, die sich ab 1997 dann auch bei der neuen 911-Generation 996 wiederfanden. Tatsächlich teilten sich die Modelle die gesamte Frontpartie.
Das volumenstarke Modell, das ein breiteres Publikum ansprach, trug zudem maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilisierung des angeschlagenen Unternehmens bei. Zum Anfang der Dekade stand der Autobauer kurz vor dem Aus, da sich der Absatz innerhalb weniger Jahre mehr als halbiert hatte. Dazu kamen ein schwacher Dollar und geringe Margen aufgrund einer ineffizienten Produktion und dem Fehlen einer konsequenten Gleichteilestrategie. Inspiriert vom Erfolg des Mazda MX-5 entschlossen sich die Schwaben, einen kompakten Roadster auf die Räder zu stellen, der sich einen Großteil der Komponenten mit der kommenden 911-Generation teilen sollte. Ein Plan, der letztlich aufgehen sollte. Bis 2004 liefen insgesamt 164.874 Exemplare der ersten Boxster-Auflage vom Band.



Die Spanne reicht von 204 bis 252 PS
Die Verwandtschaft zu seinem großen Bruder sorgte dafür, dass er auch innen durch und durch Porsche ist, auch wenn man den Kostendruck im Interieur durchaus spürt. Typisch für die Zeit, finden sich im Cockpit viel Hartplastik sowie einige Materialien, die nicht gut gealtert sind. Das Porsche-typische Layout mit den drei Rundinstrumenten und die niedrige Sitzposition trösten aber darüber hinweg. Während die meisten Konkurrenten mit Frontmotor und in der Basis mit vier Zylindern vorfuhren, saßen bei Porsches Einstiegsmodell immer die markentypischen Sechszylinder-Boxer hinter den Sitzen.
In den ersten vier Jahren gab es nur eine Motorisierung, einen 204 PS starken 2,5 Liter-Motor, der den Roadster bereits adäquat antrieb, aber auch keine Rakete aus ihm machte. 2000 wurde dieser durch ein 2,7 Liter-Aggregat ersetzt, wodurch die Leistung auf 220 PS stieg, während der Boxster S mit seinem 252 PS leistenden 3,2 Liter-Boxer das Motorenangebot nach oben abrundete.
Letzterer kam in den Genuss eines Sechsganggetriebes und sprintete in 5,9 Sekunden auf Tempo Hundert, womit er in dieser Disziplin 0,7 Sekunden schneller als das handgeschaltene Basismodell mit fünf Gängen war. Bei 260 km/h streicht der Boxster S spätestens die Segel. 2003 wurde die Leistung des schwächeren 2,7 Liter-Aggregats nochmals um acht Pferdchen angehoben. Auf Wunsch gab es auch die „Tiptronic"-Automatik mit fünf Gängen, bei der jedoch etwas Leistung im Drehmomentwandler hängenblieb und das puristische Fahrgefühl etwas flöten ging.



Motorprobleme sind keine Seltenheit
Die Motoren des 986 mögen direkt ansprechen, kernig klingen und elastisch durchziehen, vor allem ein technischer Makel belastet aber bis heute seinen Ruf: das berüchtigte IMS-Lager. Dieses Zwischenwellenlager gilt als konstruktiver Schwachpunkt, da sein Versagen fast unweigerlich zum kapitalen Motorschaden führt. Besondere Vorsicht ist bei Modellen ab dem Baujahr 2000 geboten, da Porsche hier auf ein einreihiges Lager umstellte, das noch anfälliger ist als das zuvor verbaute zweireihige.
Doch das ist nicht das einzige Risiko. Vor allem bei den Basismotoren mit 2,5 und 2,7 Litern Hubraum besteht das Risiko von Zylinderlaufbahnschäden, sogenannten „Kolbenkippern“. Dabei verschleißt die Lokasil-Beschichtung der Zylinderwände, was zu Riefenbildung, erhöhtem Ölverbrauch und schließlich zu einem deutlich wahrnehmbaren Klappern führt. Eine Endoskopie der Zylinder vor dem Kauf wird von den meisten Experten empfohlen.
Hinzu kommt der für diese Generation typische, undichte Kurbelwellensimmerring (RMS), der Öl auf die Kupplungsscheibe austreten lassen kann. Auch das Kühlsystem verlangt Aufmerksamkeit: Um Überhitzungsschäden vorzubeugen, sollten die Wasserpumpe und die vorderen Kühler, die oft durch angesammeltes Laub korrodieren, regelmäßig gewartet werden. Eine lückenlose Historie und ein gepflegtes Wartungsheft sind beim ersten Boxster das A und O.
Abseits des Antriebs hat der Roadster noch manch andere Schwäche. Dazu gehören Undichtigkeiten beim Verdeck, das teilweise nicht mehr automatisch schließt, ausfallende Fensterheber und Drehzahlmesser, mit der Zeit blind werdende Scheinwerfer und eingerissene Heckfenster aus Plexiglas. Die Karosserie ist zwar vollverzinkt, bei Unfallschäden kann die braune Pest aber trotzdem ordentlich wüten. Wer den Wagen jedoch vor dem Kauf gründlich inspiziert und Wert auf eine lückenlose Service-Historie legt, bekommt mit der 986-Baureihe einen zuverlässigen und haltbaren Roadster, der einem bei jeder Spritztour ein Lächeln ins Gesicht zaubert und im Sommer durchaus alltagstauglich ist.

Bei knapp unter 20.000 Euro geht der Fahrspaß los
Seinen preislichen Tiefpunkt hat der erste Boxster schon vor gut zehn Jahren überwunden. Seitdem der von der Porsche-Community ebenfalls lange verschmähte 996 im Rahmen des Y2K-Revivals immer mehr zu einem Szene-Favoriten wird, hat sich auch das Image des Boxster 986 stetig gebessert.
Dies zeigt sich auch bei den Preisen. Verbastelte Automatik-Boxster mit Laufleistungen jenseits der 200.000 Kilometer und ohne Service-Historie gibt es ab etwa 10.000 Euro. Brauchbare Handschalter kosten dagegen mindestens 16.000 Euro, während Boxster S im Top-Zustand mittlerweile über der 30.000 Euro-Schwelle liegen.
Das auf 1.953 Stück limitierte Sondermodell „50 Jahre 550 Spyder“ kann auch mal an die 50.000 Euro kosten. Der kleine Roadster bietet Porsche-Feeling pur, kombiniert mit kompakten Abmessungen und dem typischen Lebensgefühl seiner Ära – die wenigen im Topzustand erhaltenen Autos dürften in den kommenden Jahren weiter im Wert steigen.
Fotos: Broad Arrow









































