AC Cobra 289 FIA: Zeitzeugin der Shelby-versus-Ferrari-Ära

Als die schnellen Shelby Cobras Anfang der 60er-Jahre den europäischen Motorsport aufmischten, brach der legendäre Wettstreit zwischen Shelby und Ferrari aus. Die hier gezeigte 1964er Cobra war einer jener FIA-Rennwagen, die in dieser Zeit in Le Mans, Goodwood und auf dem Nürburgring starteten.

AC Cars lieferte Chassis CSX-2301 Anfang des Jahres 1964 an Shelby American aus. Zu diesem Zeitpunkt war die Cobra noch unlackiert, aber bereits werksseitig als „Rennwagen mit breiten hinteren Kotflügel“ ausgelegt. Unter der Regie von Firmeninhaber Carroll Shelby (Teambild unten: Zweiter von links) erhielt der Wagen – als dritter von insgesamt fünf – FIA-Competition-Spezifikationen und natürlich die berühmte Shelby-Team-Lackierung in Viking Blue. Um CSX-2301 von den anderen Teamwagen unterscheiden zu können, zierten die Cobra noch kastanienfarbene Renn-Streifen. Nachdem die Cobra im selben Jahr in Pensacola und bei den 12 Stunden von Sebring (Bild unten: #12 in der Boxengasse) erfolgreich getestet wurde, verschiffte man sie nach Europa, wo sie schließlich in den Jahren 1964 bis 1966 bei allen bedeutenden Rennen eingesetzt wurde. Und das häufig sehr erfolgreich.

Neben Teilnahmen bei der Targa Florio, den 500 Kilometern von Spa, in Goodwood, in Silverstone und bei den 24 Stunden in Le Mans – um nur einige zu nennen – startete CSX-2301 auch mehrfach beim 1.000-Kilometer-Rennen am Nürburgring. Leider ohne großen Erfolg. Beim ersten Rennen im Jahr 1964 (Bild oben: Fliegende Cobra) belegte Startnummer 99 mit dem Fahrergespann Attwood/Schlesser immerhin Platz 23.

Am Ende der Saison 1964 wechselte die Cobra zusammen mit Teamwagen CSX-2260 den Besitzer – der damalige Teammanager John Wyer verkaufte beide Rennwagen an Radford Racing. Das RR-Team stellte die Fahrer Chris McLaren, Harry Digby, John Sparrow, und Neil Dangerfield für die Saison auf. Ihren ersten Einsatz für Radford Racing hatte die hier gezeigte Cobra beim BARC Goodwood Meeting im April 1965. John Sparrow überquerte die Ziellinie als Zweiter – sowohl in der „Sports Cars“ als auch in der „GT“ Klasse.

In der Saison 1966 verunfallte CSX-2301 beim freien Training in Brands Hatch. Ein Tragisches Ereignis, nicht nur für den Rennwagen, von dem nur noch Teile übrig geblieben sind. Der Pilot Tony Flory, der hier sein erstes Rennen für Radford Racing bestreiten sollte, kam beim Umfall um‘s Leben. John Sparrow von Radford Racing bewahrte die übriggebliebenen Wrackteile auf, ehe er sie im Oktober 1977 an Brian Angliss von Cobra Parts Ltd. verkaufte. Dort wurde die Cobra aus Originalteilen des verunfallten Rennwagens und anderen Ersatzteilen aufgebaut. CSX-2301 war damit offiziell wieder auferstanden.

Rückblickend kann die AC Cobra 289 FIA als wahre Zeitzeugin des „Shelby – Ferrari War“, dem erbitterten Wettstreit zwischen Carroll Shelby und Enzo Ferrari, bezeichnet werden. Aktuell steht die wiederaufgebaute CSX-2301 beim Schweizer Händler Flat Six Cars zum Verkauf – und wartet nur darauf, bei den großen Revival-Veranstaltungen wie der Le Mans Classic oder dem Goodwood Revival an den Start zu gehen.

Fotos: Flat Six Cars, Bonhams

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