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Als aus einem biederen Familien-Fiat ein Rallye-Biest wurde

Aus der braven Familien-Limousine 131 Mirafiori zauberte Fiat ab 1976 mit Hilfe von Bertone und Abarth einen Siegkandidaten für die Rallye-Weltmeisterschaft. Eine der 400 für die Homologation benötigten Stradale-Versionen steht nun bei der Auktion von RM Sotheby's in Zürich zum Verkauf.

 

Der alles dominierende Lancia Stratos bekam nach und nach mehr Konkurrenz und die Saurier der Gruppe B waren noch nicht aus den Eiern geschlüpft. So war es Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre möglich, für Werkseinsätze in der Rallye-WM aus braven Familienlimousinen wie dem Opel Ascona oder dem Fiat 131 Mirafiori siegträchtige Rallye-Boliden zu formen. Ohne Turbo und Allradantrieb. Für die Homologation in der Gruppe 4 verlangte die Motorsportbehörde FIA zuvor den Bau von 400 Straßenversionen. Also machte sich Fiat, ab 1972 mit dem 124 Abarth Rally bereits erfolgreich auf WM- und EM-Ebene unterwegs, mit Hilfe von Bertone und Abarth an die Entwicklung einer Rallyeausführung des zweitürigen 131 Mirafiori – benannt nach jenem Werk und Viertel von Turin, in dem er in Massen vom Band lief.

 

Bei der Carrozzeria Bertone entstand eine kantige, mit Spoilern, Kiemen und eckigen Kotflügelverbreiterungen gespickte und dank des Einsatzes von Alu für die Türen und Kunststoff für Hauben und Kotflügel auf rund 1000 Kilo abgespeckte Karosserie. Auch der Innenraum samt Verstärkungen wurde dort komplettiert, ehe die Autos zur Hochzeit mit den Abarth-Komponenten ins Fiat-Werk Rivalta gebracht wurden.

 

Der dort implantierte Vierzylinder-„Lampredi"-16V-Motor leistete, mit speziellem Alu-Zylinderkopf und von zwei Weber-Fallstromvergasern gespeist, 140 PS bei 6400 U/min; die Rennversionen brachten es mit Kugelfischer-Einspritzung und Trockensumpfschmierung in der Endstufe auf 245 PS, was gegenüber den bis zu 280 PS starken Ford Escort RS einen Leistungsrückstand ergab. Dafür hatte der Fiat eine bessere Traktion und war gutmütiger zu fahren – notfalls mit einer Hand, wie es Walter Röhrl einmal lobte. Das Colotti-Fünfganggetriebe der Straßenversion wurde seiner Synchronringe beraubt (weil so für die Homologation verlangt), dafür setzte sie sich von der Serienversion durch eine hintere Einzelradaufhängung, hintere Scheiben- statt Trommelbremsen und ein Sperrdifferenzial (mit Alu-Gehäuse) aus dem großen Fiat 130 ab.

 

Der jetzt von RM Sotheby's für die Zürich-Auktion aufgefahrene 131 Stradale Baujahr 1977 präsentiert sich in historisch korrekter Außenfarbe Rosso Arancio über einem schwarzen Interieur. Er genoss eine im April 2024 finalisierte zweijährige Restaurierung beim Spezialisten Blue Palm Service aus Münsingen (Schweiz), die als Schwerpunkt eine gründliche Revision des Motors auf der To-do-Liste führte.

 

Die Entwicklungsarbeit der 1978 gegründeten ASA (Attività Sportive Automobilistiche), welche die Rennabteilungen von Lancia, Fiat und Abarth bündelte, zeitigte derweil Erfolg: 1977, 1978 und 1980 holte Fiat mit dem 131 dreimal den Hersteller-Titel der WM, 1980 feierten Walter Röhrl und Christian Geistdörfer ihren ersten Fahrer-Titel. Zwischen 1976 und 1981 gewannen Fiat-131-Crews 18 WRC-Events.

 

Egal ob für den Start bei einer Klassik-Rallye oder die Teilnahme an einem Concours – mit diesem nun unter den Hammer kommenden Fiat 131 Abarth Stradale können auch Sie erfühlen, wie sich Markku Alén, Walter Röhrl und andere Rallye-Stars jener Epoche gefühlt haben.

 

 

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