

Kaum jemand hat das italienische Automobildesign derart geprägt wie Marcello Gandini. Und eine Marke hat von der visionären Schaffenskraft des 2024 verstorbenen Großmeisters besonders profitiert. Start der ikonischen Kooperation war vor sechzig Jahren der Miura, der mit seinem Stahl-Monocoque von Dallara und seinem Mittelmotor-V12 als erstes Supercar der Welt Geschichte schrieb.
Noch radikaler wurde in den Siebzigerjahren mit dem Countach – statt der sanften Rundungen des Vorgängers zeigte Gandini hier klare Kante und brachte das bisher nur von Concept Cars bekannte Wedge-Design in die Serie. Diese Ikone der Automobilwelt war so fortschrittlich, dass sie erst 1990, also erst sechzehn Jahre später, vom finalen Gandini Lamborghini abgelöst wurde.

Während der rund fünfjährigen Entwicklungszeit des Diablo wurde die Sportwagenschmiede aus dem italienischen Motor Valley von Chrysler übernommen. Der Gigant aus Detroit ließ es sich nicht nehmen, den von Marcello Gandini bereits vorbereiteten Entwurf noch einmal dezent zu modifizieren. Dieser hatte sich zwischenzeitlich von Bertone losgesagt und hatte den Diablo als selbstständiger Designer gezeichnet. Mit ihm machte er die Keilform fit für die anbrechenden Neunzigerjahre. Der nach einem der gefürchtetsten Kampfstiere aller Zeiten benannte Supersportler war etwas weicher gezeichnet als sein Vorgänger, aufgrund seiner schieren Breite und Masse sowie seiner klaren Linie steht er dem Countach in Sachen Auftritt in nichts nach.

RM Sotheby's hat jetzt sowohl das erste als auch das letzte Produkt der Zusammenarbeit zwischen Gandini und Lamborghini für ein Fotoshooting zusammengebracht. Nicht ohne Grund, denn beide Autos kommen am 26. September bei der Zürcher Versteigerung des Auktionshauses unter den Hammer. Außerdem sind beide farblich in „Rosso" gehalten, sie dienen also als ideale Anschauungsobjekte für die Design-Evolution von Lamborghinis Supercars.


Die Geschichte dieses frühen Diablos ist eng mit der Alpenrepublik verbunden. Er wurde im Juni 1991 über einen Händler in Sankt Gallen an seinen Erstbesitzer aus dem Kanton Graubünden übergeben und besticht heute mit seinem gut erhaltenen schwarzen Interieur und einer Laufleistung von lediglich 35.424 Kilometern. Der Schätzpreis liegt bei 160.000 bis 200.000 Schweizer Franken. Die Fahrleistungen können sich auch heute noch sehen lassen – der 5,7-Liter-V12 katapultiert die rote Flunder in rund 4 Sekunden auf Tempo hundert und gerät erst bei über 320 km/h an seine Grenzen.


Bei dem Miura P400 S, der auf 1,5 bis 2,0 Millionen Schweizer Franken geschätzt wird, handelt es sich dagegen um ein französisches Auto, das über einen Pariser Händler an seinen Erstbesitzer übergeben und im Juni 1969 erstmals zugelassen wurde. In seinen ersten Lebensjahren ging er durch mehrere Hände, bis er gegen Ende der Siebzigerjahre von dem französischen Formel-1-Piloten René Arnoux gekauft wurde. Er fuhr den Wagen während seiner Zeit als Werksfahrer bei Renault, als er 1983 zu Ferrari wechselte, verkaufte er den Stier aus Sant'Agata aber. Vermutlich wollte er seinen neuen Teamchef Enzo Ferrari nicht damit brüskieren, dass er ein Auto dessen Erzfeindes Ferruccio Lamborghini besaß. Auch der Miura hat später seinen Weg in die Schweiz gefunden und zeigt sich immer noch in derselben Farbgebung, in der er einst das Werk verlassen hatte.

















































