


In den letzten Jahren hat der Kultstatus des BMW E30 M3 neue Höhen erklommen. Lange Zeit allein als das erste „echte“ M-Modell und als Begründer einer legendären Ahnenreihe kompakter, aber hochleistungsfähiger Sportlimousinen der Marke gefeiert, gilt er heute eher als Ikone der Popkultur – schließlich besitzt mittlerweile sogar DJ Khaled, amerikanischer DJ mit palästinensischen Wurzeln, einen. Doch während viele Exemplare wohlbehütet in klimatisierten Garagen schlummern und nie das Tageslicht erblicken, stellt dieser BMW M3 E30 – der am 21. Juni bei der „Summer Sale“-Auktion von Aguttes on Wheels in Paris angeboten wird – das genaue Gegenteil dar: eine echte Gruppe-A-Waffe, spezifiziert für den harten Wettbewerb im französischen Rallyesport und pilotiert von einem seiner herausragendsten Fahrer.

Wer den französischen Rallyesport der 1990er-Jahre verfolgt hat, dem ist Hugues Delage kein Unbekannter. Als Fahrer mit außergewöhnlichem Fahrtalent und als gewiefter Tuner begründete der heute 64-Jährige seinen Ruf vor allem mit dem BMW M3 E30. Unter der Bewerbung von „Gam Restauration“ errang er im Laufe seiner Karriere zusammengenommen fast 200 Gesamtsiege – wobei genau dieses Fahrzeug eine zentrale Rolle spielte. Zwischen seinem Debüt bei der „Rallye National des Géants“ im März 1994, bei der es auf Anhieb die Gesamtwertung gewann, und den Einsätzen im Jahr 1995 siegte er mit Delage am Steuer bei der Rallye des Géants, der Rallye Lyon-Charbonnières, der Rallye Pays du Gier, der Rallye Vins Mâcon, der Rallye Jeanne d'Arc, der Rallye Lozère und der Rallye Dordogne. 1994 und 1995 gewann Delage jeweils den Titel in der Division 2 der französischen Rallyemeisterschaft und 1994 on top das Finale zum französischen Rallye-Cup.
Das Auto selbst ist ebenso außergewöhnlich wie seine Erfolgsbilanz. Es wurde von Delages eigenem Team „Delage Sport“ nach Gruppe-A-Reglement entwickelt; sein 2,3-Liter-Vierzylindermotor leistet rund 290 PS bei 7.500 U/min – beachtliche Werte für ein Fahrzeug, das lediglich 1.065 kg auf die Waage bringt. Was diesen M3 jedoch absolut einzigartig macht, ist das eigens von Delage konstruierte Sechsganggetriebe: Es war darauf ausgelegt, haltbarer zu sein als die die sonst üblichen Getriebe von Prodrive und zugleich schnellere Schaltvorgänge zu ermöglichen. Dank eines nahezu verzögerungsfreien Hochschaltens – ohne Betätigung der Kupplung – war dies eine Innovation, die einzig aus der Notwendigkeit und dem obsessiven Streben nach Erfolg heraus entstanden war.



Delage bezeichnete dieses spezielle Auto einmal als seinen Favoriten; aufgrund der fehlenden Servolenkung gab er ihm zudem den Spitznamen „der Schwere“, lobte jedoch im Vergleich zu dessen Nachfolger seine Präzision und Stabilität. Die auffällige Folierung wurde von Delage eigenhändig aufgebracht, nachdem er die Entwürfe einer Designagentur verworfen und stattdessen selbst zum Bastelmesser gegriffen hatte.
Die Historie des Fahrzeugs ist vom ersten Tag an lückenlos dokumentiert, sein „Historic Technical Passport“ ist bis 2030 gültig. Es zählt nach wie vor zu den bedeutendsten französischen M3-Rallyewagen und kommt am 21. Juni bei der Auktion von Aguttes on Wheels in Paris unter den Hammer; zu einem angestrebten Schätzwert zwischen 200.000 und 250.000 Euro.



































