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Dieser 300 SL beweist, dass der Roadster besser als der Flügeltürer ist

Der 300 SL Roadster galt als ein, wenn nicht DAS Traumauto der frühen Sechziger. Gerade hat einer den Publikumspreis bei der Villa d'Este gewonnen – nun bietet Axel Schuette ein nach dreijähriger Body-Off-Restaurierung wie ein 1957 neu vom Band gerolltes und originales Elfenbeinschmuckstück an.

 

Man schrieb den März 1957, als mit einer Weltpremiere auf dem Genfer Automobilsalon der 300 SL Roadster (W 198 II) den legendären 300 SL „Flügeltürer" ablöste. Ab nun eröffnete Mercedes offenen Fahrspaß auch in der Hochleistungs-Sportwagenliga. Nicht nur verlangte der Einstieg dank konventioneller Türen jetzt weniger Körper-Akrobatik, auch die neu entwickelte Hinterachse – eine Eingelenk-Pendelachse mit tiefergelegtem Drehpunkt und Ausgleichsfeder – war der Zweigelenk-Konstruktion des Coupés klar überlegen. Sie bewirkte deutlich ausgewogenere Fahreigenschaften und einen erhöhten Komfort.

Wie ungebrochen die Ausstrahlungskraft gerade auch der offenen Version des 300 SL noch immer ist, zeigte gerade erst die Verleihung der Trofeo Coppa d'Oro Villa d'Este an ein in Amerika beheimatetes Exemplar mit auf dem Heckdeckel montierten Paar Skier. Gedacht als Anspielung auf den Jet-Set-Stil der 60er-Jahre, die dieses von Axel Schuette angebotene Modell ganz besonders verströmt.

 

Vorhang auf für eine elfenbeinfarbige Schönheit, die als 271. Exemplar im ersten Produktionsjahr 1957 gebaut und an die MB-Vertretung Düsseldorf geliefert wurde. Der Erstbesitzer, ein belgischer Unternehmer, orderte sein Wunschauto in der betörenden Kombination aus einem Exterieur in Elfenbein (DB 608) über einem roten Lederinterieur (DB 1079). Ganz ähnlich wie Romy Schneider, die sich 1958 ihren SL auch in Elfenbein mit einer hellroten Lederausstattung anliefern ließ. „Sissi" gehörte zu den vielen Filmstars und VIPs, die damals der Faszination des Roadsters nicht widerstehen konnten.

Die weiteren Stationen des Schuette-Modells hießen Nürnberg, München, Bad Tölz und – von Mitte der 1970er-Jahre bis 1981 – Heidelberg, wo ihn der bekannte Vorkriegs-Rennfahrer und Bugatti-Enthusiast Helmut Schellenberg (1911-2002) in der Garage hatte. Schellenberg nahm noch bis Mitte der 80er-Jahre mit einem Bugatti 35 an Oldtimer-Rennen teil und bekannte einmal scherzhaft, mit dem 300 SL „fremdgegangen zu sein". Von 1981 bis 1989 verlieh er seinen 300 SL Roadster an das Auto & Technik Museum Sinsheim, ehe er in den Besitz eines zum Kundenkreis von Schuette gehörenden Besitzers überging.

 

Axel Schuette blickt im nächsten Jahr auf mittlerweile 40 Jahre Erfahrung im Umgang und in der hochprofessionellen Restaurierung von Mercedes 300 SL zurück. So nahmen sich die Westfalen 2011 auch des Wunsches des Letztbesitzers mit Leidenschaft an, diesen Matching-numbers-300 SL mit ihrer geballten Expertise einer Body-Off-Restaurierung zu unterziehen. Dazu wurden das Rohrrahmen-Chassis und alle unter der Karosserie liegenden Komponenten nach Demontage des Aufbaus umfassend und ohne Kompromisse quasi in einen Neuzustand versetzt. Nach den erst 2014 abgeschlossenen Arbeiten präsentiert sich dieser traumhafte Roadster in seiner originalen Auslieferungsfarbe und in einem Zustand, der bei seinem Stapellauf im Werk Sindelfingen kaum hochwertiger gewesen sein dürfte. Axel Schuette betont nicht ohne Stolz: „Die Spaltmaße und die Lackierung sind außerordentlich, ebenso wie die Qualität insgesamt. Dank unseres ‚Dreamteams' aus Spezialisten für jeden Bereich, bis hin zum besten Lackierer und Sattler."

Alle Arbeiten sind durchgehend dokumentiert; ein Echtheitszertifikat inklusive einer Materialanalyse des TÜV Rheinland liegt vor. Seit seiner „Neugeburt" hat der Wagen lediglich 2081 Kilometer abgespult und hätte nun nichts dagegen, im bevorstehenden Sommer weitere Genuss-Meilen abzuspulen.

 

Zweiter Roadster in Weiß

Der zweite von Axel Schuette angebotene 300 SL Roadster glänzt in der Außenfarbe Weiß (DB 50) in Kombination mit einer blauen Lederpolsterung (333). Auch er ist mit Baujahr 1957 ein frühes Exemplar und verbrachte zunächst fast 40 Jahre in den USA – jenem Markt, den das Mercedes-Marketing auch als Hauptabsatzgebiet im Visier hatte. Mitte der 1990er-Jahre gelangte dieser Wagen zurück nach Deutschland und wurde in Berlin auf einen Kunden von Axel Schuette zugelassen.

2008 übernahm der jetzige Eigentümer den SL und beauftragte das Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach mit einer umfassenden Motorüberholung. Seitdem legte er 27.000 Kilometer mit dem extrem originalen Modell zurück – Karosserie, Motor/Getriebe, Chassis, Achsen, Lenkung und die Lackierung tragen durchgehend matching numbers, ebenso gewisse Karosserieteile mit im Werk eingeschlagenen Nummern. Zum Lieferumfang dieses Roadsters gehört ein zweiteiliger Koffersatz. Ein nützliches Extra, um stilvoll zum nächsten Concorso d'Eleganza Villa d'Este zu reisen.

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