Zeit ist Gold. Oder Platin? Unsere Favoriten der Uhrenauktionen in Genf

Zweimal im Jahr treffen sich Liebhaber und Händler klassischer Uhren in Genf, um den Auktionen von Christie’s, Sotheby’s und Antiquorum beizuwohnen. Insgesamt 1075 Lose sollen zwischen dem 11. und 14. Mai 2014 den Besitzer wechseln. Das Angebot ist spektakulär!

Armbanduhren, die nicht mehr nur schön und selten, sondern einzigartig sind, werden als important bezeichnet. Davon gibt es bei Christie’s mindestens zwei zu bewundern: Eine „tonneau“-förmige Patek Philippe in Platin mit Minutenrepetition aus den 1920er Jahren (Los  101) und eine große goldene Automatikuhr von Rolex mit Emailzifferblatt aus den 1950er Jahren (Los 207).

Zwei besondere Exemplare

Henry Graves Jr. war in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts einer der wichtigsten Kunden des Hauses Patek Philippe. Ihm wurden Sonderwünsche erfüllt. Mit Minutenrepetition wurden zu der Zeit vornehmlich Taschenuhren mit einem Durchmesser über 50 mm ausgestattet. Das Uhrwerk des H.Graves Minute Repeaters misst nur 25 mm im Durchmesser und sein Gehäuse ist 29 mm breit. Aufgrund der geringen Größe des Werks und der perfekten Verarbeitungsqualität war die Uhr ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus. Das Cloisonné Zifferblatt der Rolex stammt von Marguerite Koch, die zwischen Ende der 1940er und Anfang der 1960er Jahre für Cadrans Stern Frères arbeitete und in dieser Zeit die Gesichter einiger der berühmtesten Uhren der Marken Patek Philippe, Vacheron Constantin, Rolex und anderer schuf. Die Uhr befindet sich in einer Art Dornröschenschlaf, der sich in einem stark angelaufenen Gehäuse bemerkbar macht.

Vintage-Armbanduhren für unterschiedliche Budgets

Neben Museumsstücken gibt es in Genf aber auch jede Menge „tragbarer“ Vintage-Armbanduhren für unterschiedliche Budgets. Gleich zu Beginn der Christie’s-Auktion finden sich einige interessante und erschwingliche Chronographen im Design jener Zeit (Lose 2-8), als Porsches Modelle 908 und 917 die gesamte Sportwagen-Elite überholten. Auch der ambitioniertere Amateur findet attraktive Uhren mit Potential. Das Modell Patek Philippe Ref. 2526 verfügt über ein wunderschönes automatisches Uhrwerk und wird in verschiedenen Varianten angeboten (Christie’s Lose 51,93,96, Sotheby’s Los 267). Gleichfalls interessant für den Patek-Fan sind die früheren Calatrava-Modelle Ref. 565, 570 (Christie’s Lose 41, 49, 50, Sotheby’s-Lose 200, 248, Antiquorum Los 182), die den Grundstein für den seit den 1940er Jahren andauernden Erfolg von Patek legten.

Sportlichkeit von Rolex

Genauso realistisch ist eine Investition in die sportlichen Modelle von Rolex. Die Bandbreite reicht von komplett originalen Big Crown James Bond Submariners über Bakelit GMTs bis zu Handaufzugs-Daytonas in vielen bekannten Varianten. Eine ganz besondere Uhr ist das Los 269 bei Antiquorum: Die Submariner Ref. 5513 verfügt über ein sogenanntes 369-Explorer-Blatt, was für sich betrachtet schon ein Highlight ist. Erhöht wird der Reiz dieser Uhr aber durch die Anwesenheit einer kleinen silbernen Linie auf dem Zifferblatt, der sogenannten „Underline“. Underlines wurden von Rolex nachträglich auf Zifferblätter gedruckt, die bereits mit dem weniger radioaktiven Tritium als Leuchtmasse ausgestattet waren, aber noch in der Radiumphase hergestellt wurden. Das i-Tüpfelchen bildet die ebenfalls nachträglich aufgedruckte doppelte silberne „T<25“ Signatur in der Minuterie. Für den Normalverdiener bieten sich eine ganze Reihe interessanter Sea Dweller 2000 Ref. 1665 (Christie’s Lose 153, 155, 156, 157, Sotheb’s Lose 178, 290, 292 Antiquorum Lose 102, 205) oder auch Milgauss-Modelle der zweiten Generation Ref. 1019 (Christie’s Lose 88, 162, Sotheby’s 294) mit oder ohne Garantie und Box an.

Anlass zum Träumen geben drei Beispiele des Rolex-Modells Ref. 6062. Vielleicht wegen der gegensätzlichen Kombination aus massivem, wasser- und staubfestem Gehäuse und der eher poetischen Komplikation Mondphase war diese Kalenderuhr kein kommerzieller Erfolg. Möglicherweise lag es auch daran, dass die Uhr wegen der im Gehäuse eingelassenen Drücker in Wahrheit wohl gar nicht so wasserfest war. Weniger als 500 sollen produziert worden sein. Exemplare mit Sternchenindexen – wie das Los 342 bei Sotheby’s – erzielen zumeist Höchstpreise.

Gentlemen, raise your paddles!

Ein Ereignis ist aber das Auftauchen einer Rolex-Mondphasen-Uhr mit schwarzem Blatt (Christie's Los 262). Die angebotene Uhr muss eine interessante Geschichte haben. Das Zifferblatt Design ohne Minuterie entspricht im Stil den 1960er Jahren. Das Gehäuse wurde aber wie bei fast allen Uhren dieses Typs in der ersten Hälfte der 50 Jahre produziert. Verkauft wurde sie nach 1960. Das lässt vermuten, dass das Zifferblatt später als das Werk und das Gehäuse produziert wurde um den Verkauf zu fördern. Es ist fast schon unglaublich, dass in derselben Auktion eine Uhr mit hellem Zifferblatt in einer ähnlichen Gestaltung angeboten wird (Los 366). Hier fehlt die Minuterie nicht, sondern ist im Unterschied zu den früheren Zifferblattdesigns der Ref. 6062 geöffnet. Dieses Los wird durch den ungewöhnlichen Precision-Aufdruck noch einzigartiger. Die Gehäusenummern beider Uhren liegen um nur vier Zähler voneinander entfernt.

Gleich ob teuer oder nicht, vor jedem Kauf gilt es die Qualität des Objektes zu prüfen. Dazu  ist es unbedingt empfohlen, die am 10. Mai 2014 beginnenden Previews zu besuchen. Gentlemen, raise your paddles!

Previews

Antiquorum Show Room, 3 Rue du Mont Blanc, Genf / 8. - 10.  Mai 2014

Christie's, Hotel des Bergues, Quai des Bergues, Genf / 9. - 11.  Mai 2014

Sotheby's, Hotel  Beau Rivage,  Quai du Mont Blanc, Genf / 10. - 13.  Mai 2014

Im Classic Driver Markt finden Sie alle Lose der Christie's "Important Watches"-Auktion.