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Ein Porsche ist ein Auto fürs Leben, und dieser 356 Carrera befindet sich seit drei Generationen in derselben Familie

Einst unter der Mitternachtssonne gestartet, heute bei der Mille Miglia und in Pebble Beach gefeiert: Dieser Porsche 356 A Carrera Baujahr 1956 erzählt von Motorsport, Exil, familiärer Kontinuität und der kompromisslosen Rückkehr zu seiner historischen Identität.

Von der berühmtesten schwedischen Rallye der 50er-Jahre über Jahrzehnte der Stille bis zurück auf die größten Bühnen der automobilen Klassik: Die Geschichte dieses Porsche 356 A 1500 GS Carrera ist außergewöhnlich, vielschichtig und zutiefst persönlich. Sie verbindet Motorsport, Zeitgeschichte und Familiengeschichte – und sie spannt einen Bogen über drei Generationen der Familie Kaiser. Möglich wurde dieses Comeback durch eine kompromisslose, bis ins Detail korrekte Restaurierung bei Boxer Motor & klassische Automobile, die den fast 70 Jahre alten Carrera nicht nur technisch, sondern auch historisch wieder in seinen makellosen Ursprungszustand versetzte.

Kalifornien im August 2025. Auf dem Highway 101, der berühmten Küstenstraße entlang des Pazifiks, setzt sich die Kolonne der Tour d’Elegance in Bewegung. Es ist einer der Höhepunkte der Monterey Car Week, jener Tage, an denen sich die automobile Weltelite zwischen Carmel, Pebble Beach und Laguna Seca trifft. Inmitten einiger der wertvollsten und seltensten Klassiker rollt ein aquamarinblauer Porsche 356 A 1500 GS Carrera aus dem Jahr 1956 dahin. Das graue Kunstleder-Interieur leuchtet in der Sonne, die Linien des frühen Carrera wirken zeitlos. Am Steuer sitzt Crister Kaiser. Für ihn ist diese Ausfahrt weit mehr als ein gesellschaftliches Ereignis. Es ist eine Reise in die eigene Familiengeschichte.

Denn genau dieses Auto, mit der Chassisnummer 55818, war einst das Arbeitsgerät seines Vaters Gert Kaiser. In den 1950er-Jahren hatte der schwedische Autohändler und Amateur-Rennfahrer mit diesem Porsche an Wettbewerben teilgenommen, Siege eingefahren und Porsche in Skandinavien und darüber hinaus repräsentiert. Die Startnummer 73 auf der Front des Wagens ist kein dekoratives Detail, sondern historisch belegt. Sie verweist auf die Midnattssolsrallyt des Jahres 1956, die legendäre Rallye zur Mitternachtssonne, bei der Gert Kaiser mit diesem Carrera den dritten Platz in seiner Klasse belegte.

Um diese Geschichte zu verstehen, muss man weit zurückgehen. Gert Kaiser wurde 1925 in Berlin geboren. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde sein Leben früh von den politischen Verwerfungen des Zweiten Weltkriegs geprägt. 1939 schickte ihn seine Mutter allein nach Schweden, in der Hoffnung, ihn so zu retten. Sein Vater, ein Zahnarzt, war bereits 1935 nach Frankreich geflohen, doch die Familie sollte nie wieder vereint werden. Gerts Mutter blieb in Deutschland und wurde Opfer des Holocaust. In Schweden angekommen, verbrachte der 14-Jährige zunächst Zeit bei einer jüdischen Gemeinde, ehe er begann, sich mit einfachen Arbeiten selbst durchzuschlagen. Seinen ersten Job fand er als Auslieferer auf dem Fahrrad für eine Bäckerei, später betrieb er sogar eine eigene Bäckerei, bevor er 1947 begann, mit Autos zu handeln.

Schon früh kristallisierte sich Porsche als Mittelpunkt seines beruflichen und privaten Interesses heraus. In den 1950er-Jahren konzentrierte sich Kaiser zunehmend auf die Marke aus Zuffenhausen. Gleichzeitig entdeckte er den Motorsport als Bühne, um seine Leidenschaft auszuleben. Er war kein Werksfahrer, doch ein äußerst ambitionierter Amateur, der sich mit Disziplin, Talent und technischem Verständnis Respekt verschaffte. Der enge Kontakt zu Ferry Porsche unterstreicht diese besondere Beziehung. Ein Brief aus dem Jahr 1953 dokumentiert, wie Ferry Porsche, Kaiser persönlich zu einem zweiten Platz in der Klasse der Serien-Sportwagen bis 1500 Kubikzentimeter beim Skarpnäck-Rennen gratulierte.

Den Porsche 356 A 1500 GS Carrera mit der Chassisnummer 55818 holte Gert Kaiser am 21. März 1956 persönlich in Stuttgart ab. Begleitet wurde er von seinem Sohn, und die anschließende Fahrt mit Zollkennzeichen zurück nach Schweden wurde für beide zu einem prägenden Erlebnis. Diese Reisen nach Zuffenhausen gehörten zur Familientradition. Einmal im Jahr fuhr man nach Stuttgart, um ein neues Auto zu übernehmen oder einen großen Service durchführen zu lassen. Für die Kinder war es jedes Mal ein Highlight, denn Ferry Porsche ließ sie aus seiner Sammlung von Modellautos jeweils eines auswählen.

Dass Kaiser den Carrera nicht als reines Straßenfahrzeug plante, zeigt bereits die ursprüngliche Konfiguration. Ferry Porsche gewährte ihm einen Rennfahrer-Rabatt von 25 Prozent sowie ein Zahlungsziel von sechs Monaten, ein Privileg, das er engagierten Amateur-Rennfahrern einräumte. Anstelle der serienmäßigen Solex-Vergaser orderte Kaiser die nur für den Rennsport vorgesehenen Weber-Vergaser. Herzstück des Wagens war der berühmte 1500-GS-Königswellenmotor, der sogenannte Fuhrmann-Boxer, ein technisch hochkomplexes Aggregat mit vier Nockenwellen, die über Königswellen verbunden sind. Ergänzt wurde die Ausstattung durch einen Speedster-Sitz für den Fahrer, spezielle Dunlop-Rennreifen und Steinschlagschutzgitter für die Scheinwerfer. Aus Gewichtsgründen verzichtete Kaiser sogar auf eine Heizung. Die serienmäßigen verchromten Lochspeichenräder ließ er gegen Rudge-Zentralverschlussräder tauschen, nicht zuletzt, um durch den Verkauf der Originalfelgen zusätzliche Mittel für seine Rennsporteinsätze zu generieren.

Mit diesem und weiteren Porsche-Modellen feierte Gert Kaiser beachtliche Erfolge. Während er bei der Mille Miglia 1956 auf einem anderen 356 gemeinsam mit dem Mainzer Max Nathan den zweiten Platz in seiner Klasse belegte, erreichte er mit dem hier beschriebenen Carrera kurz nach dessen Auslieferung den dritten Rang bei der Midnattssolsrallyt. 1958 fuhr er auf der Berliner AVUS ein denkwürdiges Rennen, das er bis zur letzten Runde anführte, ehe ihn Huschke von Hanstein noch überholte und mit einer Sekunde gewann. Auch auf internationalen Strecken war Kaiser präsent. Auf einem blau-gelben 550 Spyder nahm er an den 500- und 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring teil, und beim Großen Preis von Schweden in Kristianstad teilte er sich 1956 einen offenen Rennwagen mit keinem Geringeren als Porsche-Werksfahrer Hans Herrmann.

1959 verkaufte Kaiser den Carrera an seinen Freund Harald Kronegard, der das Auto noch bis zum Sommer desselben Jahres bei nationalen Veranstaltungen einsetzte. Danach wechselte der Porsche mehrfach den Besitzer. In den 1970er-Jahren gelangte er nach Deutschland, verlor im Laufe der Zeit seinen originalen Motor und verschwand schließlich weitgehend aus dem Blickfeld der Szene.

Erst nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1999 begannen Crister Kaiser und sein zwei Jahre älterer Bruder Staffan, sich intensiver mit dem Verbleib der ehemaligen Porsche-Rennwagen ihres Vaters zu beschäftigen. Sie rekonstruierten die Historie, sammelten Dokumente und suchten gezielt nach den Fahrzeugen. 2016 gelang es ihnen schließlich, den Carrera bei einem bekannten österreichischen Porsche-Klassik-Händler wiederzufinden. Der Zustand war ernüchternd. Der Wagen war mit einem späteren 356-C-Motor ausgestattet und insgesamt stark überarbeitet. Für Niklas Schlagenhauf von Boxer Motor war es ein klassischer Scheunenfund.

Die Wiedervereinigung mit der Familie Kaiser markierte den Beginn einer mehrjährigen Restaurierung, die von 2017 bis 2020 bei Boxer Motor & klassische Automobile in Dotterhausen durchgeführt wurde. Anders als bei manchen Projekten, bei denen große Teile der Originalsubstanz erhalten bleiben, blieb beim Carrera 55818 kaum ein Bauteil unangetastet. Bis auf das Lenkrad wurde jedes Teil überarbeitet, neu aufgebaut oder ersetzt. Der originale Motor war nicht mehr vorhanden, doch über die Vermittlung von Rolf Sprenger, bekannt als langjähriger Leiter der Porsche-Abteilung „Sonderwunsch“ und Autor des Buches „Der Porsche Carrera-Motor und die frühen Jahre des Porsche-Motorsports“, konnte ein zeitlich passender Vier-Nockenwellen-Fuhrmann-Motor beschafft werden. Die Überholung des hochkomplexen Aggregats übernahm Karl Hloch aus Schorndorf, einer der weltweit anerkannten Spezialisten für diese Aggregate.

Besonders erfreulich war, dass es während der Arbeiten gelang, die korrekten Weber-Vergaser sowie die passenden Luftfilter aufzutreiben. Auch die Motornummer (90727) liegt mit nur 134 Nummern Abstand extrem nah am ursprünglich verbauten 547/1-Aggregat (90593). Damit entspricht der Antriebsstrang heute exakt der historischen Spezifikation.

Als der Wagen bei Boxer Motor eintraf, war er in einem bläulichen Silberton lackiert. Im Zuge der Restaurierung erhielt er seine korrekte Außenfarbe zurück. Frontpartie und Heck wurden erneuert, während Sitzmulde und Mitteltunnel erhalten bleiben konnten. Das Interieur wurde vollständig neu aufgebaut, mit hellem Kunstleder, dunkelblauem Kunstleder auf dem oberen Teil des Armaturenbretts, einem Speedster-Sitz für den Fahrer und der sogenannten Schlummerrolle für den Beifahrer. Dieses zylindrische Polster gilt als Vorläufer moderner Kopfstützen und war seinerzeit eine innovative Lösung.

Heute entspricht der Porsche wieder exakt der ursprünglichen Spezifikation aus dem Jahr 1956. Materialien, Farben und Technik sind authentisch, nichts wirkt überrestauriert, alles ist funktional und stimmig. Für Crister Kaiser ist der Carrera längst mehr als ein Sammlerstück. Er hat ihn bereits dreimal bei der Mille Miglia mit technischer Betreuung durch Boxer Motor eingesetzt, 2021 und 2023 gemeinsam mit seinem Bruder, 2025 mit seiner Tochter Fanny auf dem Beifahrersitz. Damit verbindet dieses Auto inzwischen drei Generationen der Familie Kaiser. Der nächste Start ist für 2027 geplant. 

Durch die kontinuierliche Wartung und Betreuung von Boxer Motor & klassische Automobile sowie den Einsatz von Crister Kaiser ist die Geschichte dieses einzigartigen Porsche also noch lange nicht zu Ende. 

Fotos von Remi Dargegen für Classic Driver 2026. Pebble Beach image by B.Lockett

This article is part of a paid partnership with Boxer Motor & klassische Automobile.

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