Der Showroom von Route da Sogno muss der Motorrad-Himmel sein!

Im Herzen von Italiens Motor Valley hat Ruote da Sogno einen spektakulären Mix aus Showroom und Museum geschaffen. Die über 1.000 klassischen Motorräder und eine Handvoll großartiger Autos bieten zugleich Inspiration und Orientierung für Sammler und Enthusiasten.

Ruote da Sogno wurde von dem italienischen Geschäftsmann Stefano Aleotti gegründet, der zusammen mit einem engagierten Team seine Vision eines Raumes realisiert hat, in dem Enthusiasten und Sammler gemeinsam ihre Passion für klassische Motorräder und Autos feiern können. Auf insgesamt 465 Quadratmetern ist dieser einem Museum ähnelnde Showroom der größte seiner Art in Europa. Angefüllt mit Schätzen auf zwei oder vier Rädern, kann man hier jede Variante, jede Marke und jede Farbe entdecken. Selbst ein vornehm zurückhaltender Enthusiast verliebt sich hoffnungslos und auf der Stelle in diese grandiose Wunderkammer. Wir haben uns mit Aleotti getroffen, um die Entstehung von Ruote zu sprechen und mehr über die faszinierende Idee, die dahinter steckt, zu hören.

Können Sie uns etwas über Ihre Geschichte und die Entstehung von Ruote da Sogno erzählen?

Mir kam die Idee nachdem ich eine ganze Reihe von schönen Kawasakis aus den siebziger Jahren gekauft hatte. Ich wurde zwar in Mailand geboren, aber die Reggio Emilia hat mich adoptiert! Hier habe ich auch Cellularline, mein erfolgreichstes Unternehmen, gegründet. Inzwischen sind wir europäischer Marktführer beim Zubehör für Mobiltelefone.

Sie haben sich in Reggio Emilia, einer kleinen Stadt zwischen Modena und Parma, angesiedelt. Warum ausgerechnet dort?

Aber warum nicht? So lautet unsere übliche Antwort. Reggio Emilia liegt im Herzen von Italiens Motor und Food Valley. Mit über 42 Produkten, welche die regionale Qualititätszertifizierungen DOP und IGP tragen, kann man hier wie Gott in Italien essen. Und das Motor Valley ist die Heimat von Ferrari, Lamborghini, Maserati, De Tomaso und Ducati. Selbst viele Italiener vergessen, dass die Via Emilia als wesentliche Verkehrsarterie der Emilia Romagna den besten automobilen Vergnügungspark bietet - zum Glück weiß das der Rest der Welt sehr wohl.

Wo kommen Ihre Kunden her und wie finden Sie diese?

Wir arbeiten mit mehreren spezialisierten Online-Plattformen und veröffentlichen dort Einträge sowohl für Autos wie für Motorräder. Hinzu kommt, dass wir im Lauf der letzten zwei Jahre bei einigen der wichtigsten Messen in Italien und Europa vertreten waren.

Ruote da Sogno wirkt wie viel mehr, als „nur” ein Showroom für Motorräder - was kann man bei Ihnen noch entdecken?

Es ist ein einzigartiger Ort entstanden. Wir haben beispielsweise unsere Crystal Kitchen, bei der mal an einem Tag die besten Köche Italiens auftischen und ein andermal einige der wichtigsten Automobile und Motorräder des Jahrhunderts ausgestellt werden.

Wie viele Motorräder werden derzeit zum Kaufen angeboten?

Es müssten annähernd 1.000 sein. Aber diese Zahl schwankt, weil wir oft ganze Sammlungen kaufen. Kaum, dass wir sie im Showroom aufgestellt haben, sind schon die ersten Kunden da, die schon einige Modelle aus diesen Sammlungen ins Auge fassen. Diese Kunden kommen zu uns, wenn sie ein Bike nicht direkt vom Sammler erwerben konnten.

Haben Sie sich auf besondere Motorradtypen oder Marken spezialisiert?

Nein, wir sind immer bestrebt, unsere Auswahl zu erweitern. Das ist auch der Hauptgrund, weshalb viele Bikes aus den dreißiger Jahren gleich neben einer Reihe von unterschiedlichsten Vespas stehen - von den ersten Serienmodellen bis hin zu Rollern, die in den späten Achtzigern gebaut wurden. Dann gibt es noch die Motocross-Geländemotorräder der Siebziger von Marken wie SWM und KTM. Es ist für jeden Zweirad-Enthusiasten etwas dabei.

Sie haben auch eine Reihe von Ikonen wie Ducati, MV Agusta und Moto Guzzi im Showroom. Welche Modelle werden besonders stark nachgefragt?

Italienische Motorräder verfügen immer über eine große Anziehungskraft. In unserem Angebot sind die MV Agusta 750 America-Modelle oder eine ursprüngliche Mike Hailwood-Replik von 1984 sowie die sehr seltene rote Moto Guzzi V7 von 1971 besonders beeindruckend.

Uns sind etliche schöne, leichte italienische Rennmotorräder aufgefallen. Wächst der Sammlermarkt für diese Fun Machines und wo kann man mit ihnen Rennen fahren?

In Italien nennt man diese kleinen 50-Kubik-Bikes „Cinquantini” - der Markt entwickelt sich gerade - wie wir sagen - zu einer lebhaften Nische. Manche Sammler besitzen schon 60 Exemplare. Eine Menge engagierter Clubs organisiert Rallyes und Rennen auf Kursen in Italien und ganz Europa.

 

Es gibt nicht allzu viele Custom Bikes und Café Racer bei Ruote da Sogno. Was halten Sie vom aktuellen Hype um die Custom Bikes?

Wir haben verschiedene Gründe, weshalb wir eher ursprüngliche Bikes oder welche mit sehr wenigen Modifikationen im Bestand haben: Viele Custom Bikes habe ein Problem mit der Dokumentation, sie sind weit weniger verlässlich und ihr Wert ist noch nicht hoch genug, um relevant zu werden.

Ihre Auswahl an Vintage-Vespas ist außergewöhnlich. Einige Modelle sind wertvoller als ein Ferrari. Gibt es wirklich Sammler, die so tief in die Tasche greifen?

Ja, bei manchen Sammlern ist das fraglos der Fall. Und kurioserweise waren sie es, die uns überhaupt erst ihre Vespas verkauft haben. Es ist spannend, dass diese Vespas auch ein Beispiel sind für klassische Bikes als Investment. Für mich persönlich sind einige der frühesten Vespas wie Kunstwerke - ihr Design hat sie zu Ikonen werden lassen und die meisterliche Verarbeitung begeistert ebenfalls jeden. Ähnlich wie beim aktuellen Trend bei klassischen Fahrzeugen, steigen die Preisen für einige dieser Modelle rasend schnell. Wer Weitsicht beweist und sich eines dieser Bikes sichert, dürfte sich in Zukunft über die Rendite des Investments freuen.

Sie bieten gerade eine der weltweit ältesten Vespas an. Könnte Sie uns etwas über dieses Exemplar erzählen?

Chassisnummer #1003 zählt zur allerersten Vespa-Serie, zur Vorserie gehörten rund 60 Stück. Sie wurde von Hand gebaut und auch von Hand zusammengelötet. Der Körper entstand beispielsweise durch Metallplatten, die aufwändig über Holzböcken gedengelt wurden. Dies ist die älteste Vespa der Welt, von Piaggio selbst zertifiziert.

Was sollten Kunden bedenken, wenn sie eine alte Vespa kaufen wollen?

Wenn man immer vorher nach den Originalpapieren fragt, liegt man auf der sicheren Seite. Alles andere ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Sie haben auch Autos im Bestand. Gibt es denn viele Sammler, die sich für Autos und Bikes gleichermaßen interessieren?

Absolut. Es kommt aber natürlich auch vor, dass sie nach einem Besuch bei uns einer neuen Leidenschaft verfallen.

Gibt es ein Motorrad oder Auto, dessen Verkauf Sie bereut haben?

Alle! Denn selbst wenn es eine Frage des Investments ist, sorgt die Arbeit mit diesen Autos und Bikes dafür, dass die Hochachtung wächst. Ein guter Verkauf ist zwar immer ein Vergnügen, aber sich damit auch von einem schönen Objekt verabschieden zu müssen, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Zu unserem Glück treibt uns das auch an, immer wieder nach „neuen” Vintage-Bikes Ausschau zu halten.

Fotos: Rémi Dargegen for Classic Driver © 2017 

Sie finden eine Auswahl von Ruote da Sognos Bestand zum Verkauf im Classic Driver Markt.