Fünf Fragen an Ola Stenegard, BMW-Motorrad-Designer

Zum 90. Jubiläum plant BMW ein neues, puristisches Bike nach klassischen Muster. Autor Tim Davies hat für Classic Driver mit BMW-Motorrad-Designer Ola Stenegard gesprochen.

 

BMW Motorräder folgten niemals einfach nur Trends, die Münchener gingen immer ihren eigenen Weg. Sei es die Telelever-Gabel, ABS oder die elektronisch verstellbare Aufhängung. Nur mit der Tradition der luftgekühlten Motoren schien man mit Erscheinen der hochtechnischen R 1200 GS gebrochen zu haben. Im November 2012 gab BMW aus Anlass des 90. Jubiläums seiner Motorradsparte bekannt, das man 2013 ein spezielles Modell vorstellen werde – als Reminiszenz an die legendäre R32, die 1923 ihre Premiere feierte. Man veröffentlichte eine Zeichnung, die ein puristisches Motorrad zeigt: Ein Tank, ein Motor und ein kleiner Sattel – also der typische Cafe-Racer-Look. Seit November nun hüllt sich BMW in Schweigen, wenn es um dieses Thema geht. Wir haben dennoch versucht, Ola Stenegard, einem der BMW Motorrad-Design-Teamleiter, bei einem Essen in der futuristischen BMW Welt weitere Informationen zu entlocken.

Fünf Fragen an Ola Stenegard, BMW-Motorrad-Designer

Herr Stenegard, wie wird das neue Motorrad aussehen, wie soll es heißen und wann wird es vorgestellt?

Das ist immer noch ein Geheimnis. Sie müssen sich leider noch etwas gedulden und abwarten.

BMW Motorräder sind berühmt für ihre fortschrittliche Technik. Warum der Weg zurück zu einem “Low-Tech-Bike“?

Die Motorradgeschichte ist eine schöne Inspirationsquelle, auf die wir immer wieder zurückgreifen können. Viele Motorräder von heute sind wahre High-Tech-Bikes, ausgestattet mit den neuesten technischen Gimmicks. Einige Motorradfahrer fühlen sich jedoch von so vielen Schaltern und Knöpfen schlicht überfordert. Es ist oft fast so, dass man erst eine Gebrauchsanweisung studieren muss, bis man sämtliche Funktionen versteht. Viele Kunden wünschen sich nur ein einfaches Easy-Going-Bike. Draufsetzen und losfahren. Nicht schnell, einfach nur entspanntes Cruisen.

Wird das neue Motorrad ein Retrobike?

Retro, das hat so einen negativen Klang. Man verbindet den Begriff mit etwas unechtem, da man nur die Vergangenheit kopiert. Es ist immer gut, sich seiner Geschichte bewusst zu sein, doch unsere Kunden erwarten ein zuverlässiges Motorrad mit ABS, guten Bremsen und einem guten Handling. Solange sich die Leistung gut anfühlt, kümmert die Leute nicht, wie viel PS das Motorrad hat. Die reinen Leistungsdaten spielen dann kaum noch eine Rolle.

Fünf Fragen an Ola Stenegard, BMW-Motorrad-Designer

Wird BWM in Zukunft aufhören, High-Tech-Motorräder zu bauen?

Nein! Nehmen wir doch die BMW HP4, die ist einfach fantastisch. Es gibt auch die Käufergruppe, die das beste und schnellste Motorrad besitzen will, das man für Geld kaufen kann. Die HP4 ist auf der Strecke einfach unglaublich! Mit ihr ist man so schnell, das man an Streckenpunkten schon wieder bremsen muss, wo man noch mit einer 600er noch voll durchzieht. Dank der Traktionskontrolle kannst du überall sliden, ohne sich dabei unsicher zu fühlen. Low-Tech- und High-Tech-Bikes sprechen zwar unterschiedliche Käufer an, doch beide sind großartig.

Wird das neue Motorrad auch junge Fahrer ansprechen?

Ich glaube schon! Aktuell entdecken gerade junge Leute das Motorrad für sich. Und das sind eben meist klassisch orientierte Motorräder. Das ist schon cool. Lange Zeit hatte die gesamte Industrie Angst davor, ein sterbender Sektor zu werden – oder dass der Motorradmarkt ganz verschwindet. Es hieß immer: Touren-Fahrer werden immer älter, gleiches gilt für die Sportmotorrad-Fahrer. Und nun, ganz plötzlich, begeistern sich auch die Jugend wieder für das Motorrad. Es ist schon merkwürdig, dass sich gerade junge Menschen für alte Motorräder interessieren. Mit immer modernerer Technik hat die Industrie über Jahre versucht, neue Generationen für das Motorrad zu begeistern. Die neue Motorradgeneration liebt aber vielmehr klassische Linien und den passenden Style. Ich bin mir sicher, dass sie auch unser neues Motorrad mögen wird.

Interview: Tim Davies (aus dem Englischen von J. Philip Rathgen)
Fotos: BMW