40 Jahre „Vierzylinder”: BMW-Hochhaus feiert Geburtstag

Die BMW-Konzernzentrale ist auch nach vier Jahrzehnten ein Wahrzeichen Münchens und längst eine Ikone der Architektur. Zusammen mit dem Museum und der BMW Welt hat sich die Marke damit ein modernes Denkmal gesetzt.

Das Turmfalkenpaar hat sich einer der spektakulärsten Nistplätze von München ausgesucht. Auf exakt 99,5 Metern Höhe, über einem der riesigen Firmenembleme, genießen die Greifvögel und ihr Nachwuchs den weißblauen Logenplatz mit einem Panorama, das sie sich allerdings mit den rund 1.500 BMW-Mitarbeitern in dem Kleeblatt-förmigen Hochhaus teilen müssen. Als der österreichische Architekt Karl Schwanzer den Zuschlag für seinen Entwurf einer Konzernzentrale erhielt, ließ er auf eigene Kosten bei den Bavaria-Filmstudios zunächst ein Modell im Maßstab 1:1 bauen. Die damals schon stattlichen 200.000 D-Mark waren Ende der sechziger Jahre gut investiert.

Er konnte damit die letzten Zweifler überzeugen und in nur 22 Monaten wurde ein spektakuläres Hochhaus hochgezogen mit angrenzender Betonschüssel, in dem das Museum der Marke untergebracht werden sollte. Bauverzögerungen und Kostenexplosionen schienen damals Fremdwörter zu sein. Der erste Wolkenkratzer am Münchener Himmel (der allerdings nicht höher als die Turmspitzen des Frauendoms sein durfte) wurde rechtzeitig zu Beginn der Olympischen Sommerspiele 1972 fertig und kostete 100 Millionen Mark. Das Gebäude steht auf dem ehemaligen Oberwiesenfeld - dem ersten Flughafen der Stadt und der Ort, wo seinerzeit die BMW-Sternmotoren für die Flieger angeworfen wurden.

Die Markenarchitektur wurde bald „Vierzylinder” getauft, obwohl Schwanzer nie ein Motorsymbol vorschwebte. Innen gab es innovative Großraumbüros sowie Ruhezonen. So spektakulär wie die Optik ist auch die Ingenieurleistung der Konstruktion: das knapp 13.000 Tonnen schwere Gebäude steht nicht auf einem Fundament, sondern hängt an vier kreuzartigen Kragarmen, wobei sich die Zug- und Druckkräfte verteilen. Beim Bau wurden die einzelnen 22 Stockwerke schrittweise hochgehoben. In der Mitte des Gebäudes befinden sich die Versorgungselemente des Vierzylinders.

Das großzügige und lichte Foyer des Hochhauses dürfte übrigens zu den kostbarsten Empfangsräumen der Welt zählen. Zur Eröffnung des Vierzylinders wurde ein aus der DDR geflohener junger Künstler mit Namen Gerhard Richter gebeten, drei großformatige Bilder zu malen. Damals bekam er für die schimmernden, dynamisch wirkenden Gemälde jeweils 10.000 D-Mark - heute zählt Richter zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart und seine Werke sind Millionen wert.

Nach 30 Jahren wurden das denkmalgeschützte Gebäude sowie das Museum gründlich saniert und an zeitgemäße Bedürfnisse angepasst. Eine Investition, für die andere Unternehmen wohl einen Neubau gestemmt hätten, wie die Verantwortlichen betonen. BMWs historische Sammlung in der Schüssel erhielt fünf Mal soviel Ausstellungsfläche, die schräg gestellten Fenster und die schimmernde Fassade wurden energetisch optimiert, die Großraumbüros modernisiert. Downsizing war schon vor zehn Jahren ein Thema, denn der Energieverbrauch der Zentrale konnte bei der Modernisierung um erstaunliche 50 Prozent gesenkt werden. Außerdem wacht nun ein hochsensibles System über das Gewicht, mit dem die Hängekonstruktion maximal belastet werden darf. Es registriert sogar die Schwingungen, wenn sich die Mitarbeiter Richtung Kantinen bewegen.

2007 kam das kühne Konzept „BMW Welt“ der österreichischen Avantgardisten Coop Himmelb(l)au dazu: Es entstand eine einzigartige architektonische 3er-Reihe.

Fotos: BMW