Sind Sie bereit für die Rückkehr der Tuning-Wunder von BB?

Rainer Buchmann zählte in der Veredler-Szene der 1970er und 1980er Jahre zu den Innovatoren und kühnsten Stylisten. Die weltweite Fangemeinde hat ihn nie vergessen, aber auf der Techno-Classica in Essen bereitet Springbok Sportwagen einem besonderen Trio mit dem bb-Logo wieder eine große Bühne.

Wer schon die Tage bis zur bevorstehenden Techno-Classica zählt, sollte sich in Essen in diesem Jahr auf keinen Fall einen Besuch bei Springbok Sportwagen in Halle 3 entgehen lassen. Denn dort stehen mit einem Porsche Turbo, einem Mercedes-Benz 500 SEC Magic Top und einem VW Polo Carat drei außergewöhnliche Vertreter mit dem Logo bb, welche die unverkennbare Handschrift von Rainer Buchmann, einem Veredler-Star der achtziger Jahre, tragen. „Die drei sind mir von einem Frankfurter Sammler angeboten worden”, erzählt Springbok-Chef Frank Jacob, „und ich musste mich einfach sofort ins Auto setzen und hinfahren.” 

In den siebziger und achtziger Jahren hatten Tuner und Veredler ihren großen Moment und kleideten Serienmodelle in teilweise extreme Entwürfe, als wollten sie mit Donna Summers-Hits im Kassettendeck vor der legendären New Yorker Disco Studio 54 parken. Zu den bekanntesten und eigenwilligsten seiner Zunft zählte seinerzeit der Frankfurter Rainer Buchmann, dessen Porsche Turbo Targa Rainbow und der futuristische Eigenbau CW 311 mit Flügeltüren und – gestattetem – Mercedes-Benz-Stern Furore erregten und heute noch Kultstatus in seiner weltweiten Fangemeinde genießen. Aber Buchmann nahm in diesen verrückten Jahrzehnten auch technologische Entwicklungen voraus wie beispielsweise das erste elektronisch gesteuerte Armaturenbrett bb DINFO, eine elektronische Einparkhilfe und ein Lenkrad mit Bedienknöpfen.

„Es war damals eine sehr lebhafte Epoche, weil man bereit war, viel Geld in umgerüstete Serienfahrzeuge zu investieren”, sagt Jacob. Der Mercedes-Benz 500 SEC Magic Top von 1984, der erst 1986 zugelassen wurde, belegt diesen Ehrgeiz auf eindrucksvolle Weise. Als wohl eines der ersten Autos ließ sich das Metalldach auf Knopfdruck aufklappen und ins Heck zurückfahren - Jahre vor dem markeneigenen SLK Roadster. Buchmann liebte das offene Fahren, störte sich aber bei hohem Tempo an den sich aufwölbenden Stoffdächern der Cabrios. Aber allein dieser technisch und kreativ herausfordernde Umbau kostete laut alten Belegen 140.000 DM. Die in Perlmutt schimmernde Sonderlackierung von bb wurde zusätzlich mit 12.000 DM berechnet.

Zusammen mit anderen Extras addierten sich zum ursprünglichen Listenpreis gut 200.000 DM dazu für diese komplette Buchmann-Metamorphose. Die 500-Limousine mit dem magisch wirkenden Dach ist eines von vermutlich acht gebauten Exemplaren und wurde nach Japan verkauft, wo es viele bb-Enthusiasten gab und kehrte erst vor einigen Jahren nach Deutschland zurück. Der Erstbesitzer scheint selten mit seinem Schmuckstück ausgefahren zu sein, weil die Uhr nur rund 38.000 Kilometer anzeigt.

Buchmanns Ideen haben immer polarisiert wie man am weißen Porsche Turbo von 1984 sieht. Die Firma bb hatte schon einmal eine Targa-Form aus einem 928 herausgeschält. Dieser 911 Turbo ist ebenfalls ein erstaunliches Zwitterwesen, weil hier die Front eines 928 inklusive Klappscheinwerfer verbaut wurde, was ihn formal fast wie einen typischen 911-Flachbau erscheinen lässt. Zudem wurde das Coupé leicht verbreitert.

Die längste Zeit gehörte der Manufaktur-Turbo einem der vielen englischen bb-Enthusiasten und muss so gut gehütet worden sein, dass die Uhr nur rund 22.000 Kilometer an Ausfahrten festgehalten hat.

Fast wie eine Dreingabe erscheint der dritte im Bunde, ein nur auf den ersten Blick unspektakulärer VW Polo Carat mit bb-Treatment von 1982. Aber auch an diesem Allerweltsmodell lässt sich ein Trend festmachen, der wie Frank Jacob feststellt, immer wichtiger für den Klassikerhandel wird: Ein Auto muss eine besondere Geschichte erzählen können. Und das tut dieser brave Polo. Denn als Buchmann wieder einmal beim Genfer Automobilsalon ausstellte, kam auch ein Vorstand von Volkswagen vorbei. In Wolfsburg nahm man die Idee wohlwollend auf, eine modische Kleinstserie dieses geräumigen Polo - von bb modifiziert - in Auftrag zu geben. Ein Novum für Buchmann, der bei den anderen Marken kaum auf Interesse für seine Innovationen und Entwicklungen stieß. Mit der Bordelektronik DINFO und anderen karosserie-technischen Raffinessen ausgestattet und mit einer Speziallackierung, die im Licht von Blau zu Gold changierte, wurden die Polo-Sondermodelle Carat und Paris geschaffen. Das Exemplar, das bei der Techno-Classica angeboten wird, ist das letzte dieser einmaligen Serie. Es zählte übrigens auch zum Konvoi von 40 Polo, die damals zur Modewoche nach Paris fuhren und von der Fashion-Society bewundert wurden.

Die Kooperation mit dem Riesen Volkswagen stand für Rainer Buchmann dann doch nicht unter einem guten Stern. Die Zusammenarbeit wurde beendet und finanzielle Engpässe zwangen ihn, aufzugeben. Vor einigen Jahren ließ er bb mit einigen modifizierten Autos wieder aufleben. Wer diesem frechen und experimentierfreudigen Lebensgefühl der siebziger und achtziger Jahre nachspüren will, sollte sich mal wieder „Car-Napping” ansehen. Diese von Wigbert Wicker 1980 gedrehte charmante Gaunerkomödie hat viele rollende Akteure aus dem Atelier von bb, nicht zuletzt den Regenbogen-Targa und den CW 311, der mehr als eine Filmrolle verdient hätte.

„Ich wollte mir dieses Trio unbedingt sichern, weil sie auf ihre Art von einer wichtigen Epoche erzählen”, sagt Frank Jacob. Wir sind uns sicher, dass wir die wilden Automobilkreationen der Tuning-Jahre in Zukunft noch öfter zu Gesicht bekommen werden – als begehrenswerte Sammlerautos!

Fotos: Mathieu Bonnevie für Classic Driver © 2019

Das bb-Trio befindet sich auf dem Stand von Springbok Sportwagen bei der Techno Classica in anspruchsvoller Gesellschaft, denn mit einem Augenmerk auf Sport- und Rennwagen hat Frank Jacob außergewöhnliche Fahrzeuge für Essen vorgesehen wie einen Saleen S7R GT1, einen Porsche 996 GT3 RS und einen Opel Commodore B 6 SE der Gruppe 2, den er sich als Teilnehmer bei Patrick Peters Heritage Touring Cup vorstellen könnte. Ein BMW 2002 der Gruppe 5 und zwei Alpine-Modelle runden das thematisch gefasste Angebot ab. Den gesamten Bestand von Springbok Sportwagen finden Sie schon jetzt im Classic Driver Markt.