Von Le Mans nach Paris: Ferrari 275 GTB/C auf der Rétromobile 2013

Einer von nur zwölf gebauten Ferrari 275 GTB Competizione „Long-Nose“ wird bei der Rétromobile 2013 zum Verkauf stehen. Fiskens bringt den dreifachen Le-Mans-Teilnehmer nach Paris und zeigt ihn vorab exklusiv bei Classic Driver.

 

Ferraris beste Berlinetta ihrer Zeit, der 275 GTB, lief nicht nur auf Boulevards zu großer Form auf, sondern auch auf den Rennstrecken. Und zwar im normalen Serien-Livree. Und das mit großem Erfolg. Doch schließlich gab es da noch eine Auswahl feiner Competizione-Modelle. Leicht. Stark. Rennfertig. Mit einer Prise extra Pfeffer in der Long-Nose.

Als dieses Auto mit der Chassis-Nummer 9079 an den Schweizer Ferrari Importeuer Georges Filipinetti ausgeliefert wurde, um an der 1967er Renn-Saison teilzunehmen, war klar: Dieser Ferrari ist State of the Art. Leicht gemacht mit feinen Aluminium-Stoßstangen und immer noch reichlich Serien-Ambiente. Ein Rennwagen, der auch als Daily-Driver taugte.

 

Von Le Mans nach Paris: Ferrari 275 GTB/C auf der Rétromobile 2013
Von Le Mans nach Paris: Ferrari 275 GTB/C auf der Rétromobile 2013 Von Le Mans nach Paris: Ferrari 275 GTB/C auf der Rétromobile 2013

Unter der langen Haube wummerte der werkseitig getunte 3,3 Liter messende V12-Motor mit geschärften Nockenwellen, verstärkter Kurbelwelle, gehärteten Kolben und größeren Weber-Vergasern. Der Rohrrahmen wurde leichter ausgeführt und das von Scaglietti gezeichnete Kleid war aus dünnstem Aluminium geformt. Ein großer Renntank saß darunter. Scheiben aus Plexiglas schirmten die Kanzel ab. Die Borrani-Räder waren größer als üblich und die Radhäuser dafür leicht modelliert.

 

Beachten Sie, dass es sich um ein Rechtslenker-Fahrzeug handelt. Vielleicht auch ein Indiz für die Ernsthaftigkeit der Rennambitionen. Denn alle Prototyp-Rennwagen waren seinerzeit als Rechtslenker ausgelegt. Dadurch wurde das Fahrergewicht in Rechtskurven optimal genutzt. Denn die meisten europäischen Rennstrecken verlaufen im Uhrzeigersinn. Und die seltene Long-Nose-Variante holte auf der Mulsanne Geraden noch ein paar mehr Meilen heraus.

Die Ergebnisse sprechen für sich. Ein vergleichbares Auto, welches vom Maranello Konzessionär (Roy Pike und Piers Courage) präsentiert wurde, beendete die Saison 1966 mit dem achten Gesamtrang und als Sieger seiner Klasse. Das Filipinetti Fahrzeug, welches Sie hier sehen, wurde 1967 von dem Gespann Dieter Spoerry und Rico Steinemann gefahren. Es gewann ebenfalls seine Klasse und beendete Le Mans nach 317 Runden auf dem elften Gesamtplatz. Das waren sieben Runden mehr als der GTB/C in 1966 erreichte.

Von Le Mans nach Paris: Ferrari 275 GTB/C auf der Rétromobile 2013

Das war typisch für Ferrari: enorme Geschwindigkeit, zweckmäßige Konstruktion und verlässliche Power. Mit diesen Tugenden triumphierte Ferrari in Le Mans praktisch von 1949 bis in die 1980er Jahre. Nach dem Rennen wurde Nummer 9079 an den Schweizer Rennfahrer Jacques Rey verkauft. Der startete ein Jahr später mit Claude Haldi, beendete das Rennen jedoch nicht. Dafür punktete der Wagen 1969 in Spa-Francochamps. 14. Gesamtrang, erster seiner Klasse. Rey fuhr damals mit Edgar Berney. Ein wenig später, trat das Duo erneut in Le Mans an. Zum dritten Mal in Folge lief ein und dasselbe Fahrzeug bei den legendären 24 Stunden. Bedauerlicherweise musste es nach nur 39 Runden aufgeben.

Dass nun nach langer Zeit ein solches Fahrzeug in einer dazu sehr attraktiven Farbkombination aufgetaucht ist, kann als Glücksfall bezeichnet werden. Der bei Classic Driver Händler Hilton & Moss ausgestellte Wagen befindet sich mit lediglich 728 Meilen auf dem Tacho geradezu im Neuzustand und sollte von seinem zukünftigen Besitzer erst einmal eingefahren werden. Angesichts des unerreichten Fahrspaßes, den der rechtsgelenkte Engländer mit amerikanischem Herzen bereitet – ein Job, den notfalls auch die Classic Driver Redaktion durchführen würde.

Von Le Mans nach Paris: Ferrari 275 GTB/C auf der Rétromobile 2013

Erst als das Fahrzeug im Jahr 1969 mit den 500 Kilometer von Imola ein letztes Rennen als erster seiner Klasse absolvierte, wurde es aus dem harten Rennbetrieb zurückgezogen. Die verdiente Komplett-Restauration folgte – nach Concours-Standard. Tatsächlich erreichte das Fahrzeug in Pebble Beach im Jahr 2006 den zweiten Platz in der Ferrari-Renn-Klasse. Doch auch beim Goodwood Revival und der Le Mans Classic durfte der 275 GTB wieder ran.

Der in London ansässige Händler Fiskens bringt diesen Ausnahme-Ferrari nun nach Paris zur Rétromobile. Er präsentiert das Fahrzeug in Halle 3 am Stand J91. Die Messe öffnet vom 6. bis zum 10. Februar 2013. Nehmen Sie sich die Zeit, dieses Fahrzeug in Augenschein zu nehmen. Hiermit 1000 Meilen abzuspulen – was für ein Gedanke!

 

Weiterführende Links

Den hier gezeigten Ferrari 275 GTB/C finden Sie im Classic Driver Markplatz.

Das Angebot von Fiskens finden Sie in seinem virtuellen Showroom bei Classic Driver.

Photography by Tim Scott: www.fluidimages.co.uk

 

 

Fotos: Fiskens