Snapshot, 1970: Porsche perfektioniert den 917 in Weissach

Mitte 1970, und im Porsche Entwicklungszentrum Weissach stellt Chedesigner Anatole Lapine mit seinem Team das visionäre Windkanalmodell eines weiterentwickelten 917 vor. Man kann den Duftmix aus Old Spice und Zigarettenrauch fast riechen...

Zur Jahresmitte 1970 begannen bei Porsche Überlegungen für eine Weiterentwicklung des 917 Kurzheck. Mit der Zielsetzung, ein Fahrzeug zu schaffen, dass dank eines reduzierten Luftwiderstandes der Langheckversion gleichkommen würde. Zwei Studios wurden mit Vorschlägen beauftragt: Ein Karosserieentwurf entstand im Eiffel-Windkanal des Pariser Instituts SERA, ein weiterer direkt bei Porsche in Weissach unter Leitung von Porsche-Designer Richard „Dick“ Söderberg. 

Kollektiver Ideenpool

Am Ende erhielt der in Paris entwickelte Entwurf den Zuschlag des Porsche-Managements. Aus ihm entwickelte sich später der 1971 in Le Mans – und nur dort – gestartete 917/20, im Volksmund allgemein als „Dicke Berta“ oder „Rosa Sau“ bekannt. Doch Söderberg und sein Team arbeiteten trotzdem an ihrem Modell so lange weiter, bis sie das originale Briefing voll erfüllt hatten. 

Dazu modifizierten sie das Modell weiter, mit einer abgerundeten Frontpartie im Stil des 908/3, nach hinten ansteigenden Seitenkästen, futuristischen Heckleuchten und voll verkleideten Hinterrädern. Immer mehr wurde das Auto so zu einem kollektiven Ideenpool des Porsche-Designs-Teams. Im über eine aufklappbare Windschutzscheibe zugänglichen Cockpit fand sich sogar ein kleiner Computerbildschirm, während manche Elemente des Instrumententrägers schon das Cockpit des späteren Seriensportwagens 928 vorwegnahmen. 

1978 tauchte das Modell noch einmal auf dem Cover von „auto motor und sport“ auf. Unter dem Titel „Das Auto von morgen“ wurde es als eines von mehreren Porsche-Forschungsprojekten ausgegeben, die einen Blick in die Zukunft werfen. Selbst acht Jahre nach seiner Entstehung wirkte das 917-Modell also noch immer visionär. Doch abgesehen von dieser Presseveröffentlichung und einer kurzen Rolle als Treppenhaus-Dekoration im Weissacher „Hexagon“-Gebäude setzte es in einem Abstellraum immer mehr Staub an. Bis es nun rechtzeitig zur Ausstellung Colours of Speed im Porsche Museum, die 50 Jahre Porsche 917 feiert, wieder entdeckt und zurück ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde. 

Fotos: Porsche/Max Leitner