Smørrebrød mit Peter Iversen, dem Porsche-Prinzen von Dänemark

Anders als Hamlet, hat Peter Iversen in seiner kleinen Werkstatt in Dänemark alle Hände voll zu tun. Denn er ist einer der Top-Spezialisten für den Porsche 356 - vor allem die Modelle mit Carrera-Motor. Classic Driver hat ihn besucht, um zu erfahren, weshalb diese Faszination schon 30 Jahre anhält.

Der Carrera-König

Man könnte Peter Iversen zum Porsche-Prinzen ernennen, aber eher noch ist er der Carrera-König. Der Däne hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, neues Leben in die Sportwagen mit der legendären Carrera-Maschine mit vier Nockenwellen einzuhauchen. Fast nebenbei ist er damit zu einem der weltweit anerkannten Spezialisten auf diesem Gebiet avanciert.

Das Timing unseres Werkstatt-Besuchs hätte nicht besser sein können: Gerade hat Peter erstaunlicherweise eine Sammlung von acht Porsche 356 entdeckt - alle mit Carrera-Motorisierung - und ist nun dabei, sie für ihre neuen Besitzer vorzubereiten. Er musste seinen Fund auch nicht auf dem Markt anbieten, sondern konnte die Porsches bereits an langjährige Kunden verkaufen. Zu dieser Sammlung gehört auch ein Carrera GT von 1957, eines von zwei Exemplaren, die in jenem Jahr gebaut wurden und damit der Begründer einer berühmten Serie von Nachfolgern.

Entdeckungsreise im „Fuhrmann-Raum”

Peter Iversen führt uns durch sein Reich, das versteckt in einer kleinen dänischen Stadt beheimatet ist. Es gibt zwei Haupt-Ausstellungsflächen, eine für Fahrzeuge, die zum Verkauf angeboten werden und eine, die Peters persönlicher Sammlung von 356ern, einem Elva-Porsche-Sportprototypen, einem 906 und einigen Ferraris vorbehalten ist. Hier befindet sich auch die Werkstatt für die Motoren, die den Spitznamen „Fuhrmann-Raum” trägt - benannt nach dem legendären Ingenieur der Marke - und noch ein Bereich, in dem Karosserien von Hand gefertigt werden. Danach bitten uns Peter und seine Frau Mette nach nebenan in ihr Haus, wo sie uns ihre wunderbaren dänischen Smørrebrød servieren, die traditionell auch ihre Kunden probieren dürfen.

Wie hat die Faszination für Carrera bei Ihnen gezündet?

Da mein Vater ein leidenschaftlicher Käfer-Sammler und -Restaurator war, wurde ich sozusagen in die Welt der Klassiker hineingeboren. Seit ich acht Jahre alt war, habe ich mit meinem Vater Käfer gefahren und repariert, den Porsche 356 habe ich dann mit 17 Jahren entdeckt. Damals war ich gerade dabei, einen Karmann-Ghia für mich herzurichten - ich mochte das Modell, aber nicht dieses lange Heck. Dann sah ich Bilder eines 356 und dachte mir: Wow, das ist mein Auto!

Was ist dann passiert?

Ich habe 1986 mit den 356ern angefangen, vor allem den speziellen Carrera-Versionen. Nach meiner Ausbildung zum Mechaniker, bin ich gleich in die Restaurierung von 356ern eingestiegen. Mit nur 19 Jahren war das seinerzeit ein ungewöhnlicher Schritt. Weil diese Porsche Ende der 1980er Jahre lange noch nicht so populär wie heute waren, hielten mich alle für verrückt. Ich begann zunächst damit, die Karosserien von Re-Importen aus den USA instand zu setzen, bis ich über das Wissen verfügte, mich auch mit den anderen mechanischen Facetten zu beschäftigen.

Was interessiert Sie am Porsche 356?

Ich mag die Form: Die Linienführung ist so clean, so organisch. Aufgrund der Karosserie ist die Restaurierung bei diesem Auto meist teuer. Es hat einen geschweißten Körper, weswegen alles von Hand ausgeführt werden muss, damit die Teile wie Puzzlestücke zu einander passen. Dann ist da die technische Leistung - der 356 war zu seiner Zeit zukunftweisend. Es kann 200 Arbeitsstunden dauern, einen Carrera-Motor von Grund auf komplett wieder aufzubauen. Gleichzeitig muss man über die entsprechende Erfahrung verfügen, um jede Nockenwelle genau richtig zu takten. Es gibt in Europa vermutlich nur noch drei oder vier Adressen mit dieser Expertise. Einige von diesen Spezialisten sind heute 80 Jahre alt. Ich bin mit 50 noch ein Youngtimer unter ihnen.

Der Carrera-Motor hat seinen Ursprung im Motorsport. Fahren Sie auch Rennen?

In den letzten zehn Jahren bin ich nicht nur viele Rennen gefahren, ich habe auch Kundenautos für verschiedene Events vorbereitet. Letztes Jahr war ich mit meinem Elva-Porsche bei der Rolex Monterey Motorsport Reunion in Laguna Seca dabei und dieses Jahr war ich mit meinem 356 Speedster auf dem Nürburgring. Wir hatten früher ein Team, aber heute mache ich es nur noch zum Spaß und um alte Freunde zu treffen.

Sie besitzen ganz offensichtlich ein Familienunternehmen. Soll es so bleiben oder wollen Sie expandieren?

Es gab eine Zeit, da haben sechs Leute hier gearbeitet. Jetzt besteht das Team aus mir, zwei guten Mechanikern, einem Karosseur und meiner Frau, mit der ich seit fast 30 Jahren verheiratet bin und die sich um das Geschäftliche kümmert. So muss ich mich nicht mit der Leitung herumschlagen, sondern kann mit meinen Händen arbeiten - das liebe ich am meisten. Wir versuchen nur soviel Aufträge anzunehmen, wie wir bewältigen können. Trotzdem gibt es eine gut zweijährige Warteliste. Meine Frau und ich sind nicht sonderlich verkaufsorientiert. Wir sind Enthusiasten, die gerne Gleichgesinnte treffen - und die Leute scheinen das zu schätzen. Wer bei uns anruft, hat einen von uns am Telefon und keinen Verkäufer. Wenn Kunden aus dem Ausland kommen, dann übernachten sie im Gästezimmer. Wir würden lieber zusammen essen und trinken, als jemanden ins Hotel zu schicken!

Nach einer abendlichen Ausfahrt mit Peter Iversen und einem seiner geliebten Porsche 356 durch malerische nordische Landschaften sind wir endgültig überzeugt: Dieser Mann lebt seinen Traum. Sollten Sie also einmal in Dänemark unterwegs sein und über etwas freie Zeit verfügen, dass schauen Sie doch bei den Iversens rein. Auf eine Portion Smørrebrød. Oder einen frisch restaurierten Porsche-Klassiker mit Carrera-Motor.

Photos: Amy Shore for Classic Driver © 2015

Den gesamten Bestand von Peter Iversen finden Sie im Classic Driver Markt.