Rasender Stillstand: Collection Schlumpf, Mulhouse

Bugatti en masse: Das und noch mehr bietet die legendäre Bugatti Collection der Gebrüder Schlumpf in Mulhouse, Frankreich. Das Ergebnis manischer Sammelwut repräsentiert heute einen wohl einmaligen Automobilbestand, der mittlerweile von der Cité de l´Automobile verwaltet wird.

 

Für manche ist die schier atemberaubende Automobilsammlung der Gebrüder Schlumpf ein Beleg von Hybris, für andere ist es die faszinierendste Auto-Kollektion dieser Welt. Der freiberufliche Fotograf Alex Steel hat in der Cité de l’Automobile exklusiv für Classic Driver einige Impressionen eingefangen. Verziert mit 800 Straßenlaternen wie auf der Alexandre-III-Brücke in Paris, präsentiert die große Halle auf rund 17.000 Quadratmetern die Autos geordnet nach ihrer Zeitperiode: Im ersten Quartier parkieren die „Stammväter“: Fahrzeuge von Panhard, Peugeot, De Dion und Benz aus dem Zeitraum von 1895 bis 1918. Panhard war damals bestimmend für das Automobildesign. Im zweiten Feld der „Klassiker“ präsentieren sich Automobile der Jahre 1918 bis 1938. Eine Epoche, die geprägt ist von der Fusion zweier bedeutender Hersteller: Mercedes und Benz. Mit dieser Fusion beginnt die Ära der „Superautos“, die durch außerordentliche Abmessungen und Leistungen gekennzeichnet sind. Die serienmäßige Einführung des Vorderradantriebs durch Citroën im Jahr 1934 stellt die maßgebliche technische Innovation dieses Zeitraums dar, die auch heute noch von zahlreichen Herstellern eingesetzt wird. Die Eröffnung des Werks in Sochaux bildet einen Meilenstein in der Firmengeschichte von Peugeot.

 

Rasender Stillstand: Collection Schlumpf, Mulhouse
Rasender Stillstand: Collection Schlumpf, Mulhouse Rasender Stillstand: Collection Schlumpf, Mulhouse


Der dritte Bereich zeigt „moderne Autos“ der Zeit nach 1945. Eine Phase der Automobilgeschichte, als leichte, für breite Bevölkerungsschichten erschwingliche Fahrzeuge aufkommen. Die Hersteller verzichten zunehmend auf kostspielige Fahrzeuge für das Großbürgertum und konzentrieren sich auf kleinere Fahrzeuge mit geringem Kraftstoffverbrauch. Ermöglicht wurde dieser neue Produktionsschwerpunkt durch die Umsetzung des Taylorismus. Doch es gibt auch sportliche Exponate: eine Abteilung präsentiert außergewöhnliche Sportmodelle, wie einen Panhard-Levassor Zweisitzer in Rennausführung (1908), einen Mercedes W125 (1937), einen Maserati 250F (1957) oder einen Lotus Typ 33 (1963). Mit seiner revolutionären Aerodynamik ist der von Ettore Bugatti selbst konstruierte Bugatti Typ 32 von 1923 das einzige erhaltene Exemplar von der Rennstrecke in Tours. Der Wagen ist noch mit dem Originalmotor ausgestattet. Zu beiden Seiten des Mittelgangs aufgereiht, bieten diese Fahrzeuge einen aussagkräftigen Eindruck von der schönsten Startlinie der Welt.

 

 

Rasender Stillstand: Collection Schlumpf, Mulhouse


Ein besonderer Platz wird im Museum den Luxusautos eingeräumt (X26 von Panhard-Levassor, Coach Delahaye Typ 135 von 1949, Rolls Royce Silver Ghost von 1924, aus dem Besitz von Charlie Chaplin, Modell 8A des Mailänder Herstellers Isotta-Fraschini), während im Zentralbereich die berühmten Bugatti Royale glänzen, darunter der Bugatti Royale Typ 41, Coupé Napoléon 1930, aus dem Besitz von Ettore Bugatti. Wie an der Fahrgestellnummer erkennbar, handelt es sich dabei um den Prototypen dieser 1926 aufgelegten Serie. Der Bugatti Veyron schließlich ist eines der Renommierstücke der Kollektion in der Cité de l’Automobile. Es bedurfte viel technischer Kompetenz in der Luft- und Raumfahrt, um diesen revolutionären Bremskreislauf zu entwickeln. Der Bugatti Veyron kommt bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h bereits nach 31,4 m zum Stillstand. Mit einer Vollbremsung kommt er sogar bei 400 km/h innerhalb von zehn Sekunden zum Stehen. Rasender Stillstand eben.

Der in Nordrhein-Westfalen ansässige Fotograf Alex Steel (Pseudonym) hegt seit seiner Jugend die Passion besonderer Fotografie. Automobile sind ein wichtiges Thema für ihn, hier insbesondere Formen und Details. Ein wichtiges Ausdrucksmerkmal ist für Steel die digitale Nachbearbeitung einzelner Motive. Hierbei geht es ihm weniger um Verfremdung, als vielmehr um das Herausarbeiten von plastischem Ausdruck und haptisch wirkender Oberflächen. Je nach Motiv und Stimmung entstehen so Bilder, die sich zwischen "Digiart" und puristisch analog anmutender Fotografie aus dem Zeitalter der 13 x 18 Plattenkameras bewegen. Weitere Informationen unter www.alex-steel.com.


Fotos: Alex Steel

Weitere Informationen zur Collection Schlumpf und dem Museum erhalten Sie auf der Website www.citedelautomobile.com.