Mit dem Super Car T.50 entfaltet der große Gordon Murray sein ganzes Können

Gordon Murray hat endlich seinen neuen T.50 enthüllt – nach seinen Worten der reinste, leichteste und extremsten am Fahrer ausgerichtete Supersportwagen, der je gebaut wurde. Ist das der würdige Nachfolger des mächtigen McLaren F1? Für uns keine Frage.

Und? Erfüllt der Gordon Murray Automotive T.50 Ihre Erwartungen? Wenn es Ihnen so wie uns ergangen ist, dann haben die stückweise veröffentlichten Info-Happen und die atemberaubenden Video-Teaser wie selten zuvor ein brennendes Interesse an diesem besonderen Supersportwagen geweckt. Nun, da wir endlich das fertige Auto gesehen haben, denken wir, dass der Hype um den T.50 gerechtfertigt war. 

Bei diesem Sportwagen der Superlative handelt es sich um einen Dreisitzer mit manuellem Schaltgetriebe und Mittelmotor, der wegen des umfassenden Einsatzes von Carbonfaser gerade einmal 986 Kilo wiegt und von einem eigens entwickelten 3,9-Liter-V12 von Cosworth mit 650 PS angetrieben wird. Mit einer schwindelerregenden maximalen Drehzahl von 12.100 Umdrehungen pro Minute bricht er sogar den Rekord für Zwölfzylinder-Saugmotoren in einem Serienauto.

Allein diese Leistungsdaten sorgen schon für Herzklopfen, aber Gordon Murrays Werk bietet noch mehr. Zum Beispiel ein 400 mm großer, den Luftstrom regulierender Lüfter, der das Heck des T.50 prägt und sechs unterschiedliche Modi besitzt, die dem Fahrer erlauben, Dynamik und auch Leistung zu optimieren – darunter „High Downforce“ und „Streamline“. Gerade Letzteres senkt die Anpresskraft um rund 12 Prozent. Wer Professor Murrays Karriere kennt, weiß, dass er dieses Merkmal erstmals in den achtziger Jahren im Formel 1-Rennwagen Brabham BT46B mit überwältigender Wirkung einsetzte. Der Effekt war so fulminant, dass ihn die FIA prompt verbot.

Beim Design wirkt der T.50 eher wie ein GT – ganz im Gegensatz zum Aston Martin Valkyrie, der wohl sein Hauptrivale sein wird. Durch die Formensprache ist er auch auf traditionelle Art elegant und zusätzlich auch tauglicher für die Straße. 

Die winzige und exquisit verpackte „aktive“ Karosserie, die zusammen mit der kleinen Karbonfaserwanne nur 160 Kilo auf die Waage bringt wurde minimalistisch gezeichnet und kommt ganz ohne Finnen und Flügel aus. Doch man spürt den Hauch der Formel 1, nicht zuletzt wegen der Seitenfenster und dem leicht angehobenen „Rückgrat“ des Fahrzeugs. Das Interieur mit der zentralen, an einen Kampfjet erinnernden, Fahrerposition ist so exakt durchdacht, wie man das von diesem kompromisslosen britischen Designer nicht anders erwarten darf. Auch die Details sind so außergewöhnlich wie dieser Wurf Murrays.

Nur 100 T.50 werden ab 2022 in Großbritannien unter dem Logo von Gordon Murray Automotive gebaut. Der Preis vor Steuern wird 2,36 Millionen Pfund betragen. Wie man sich vorstellen kann, gibt es bereits Vorbestellungen für die Mehrzahl der T.50. Und man darf vermuten, dass einige dieser glücklichen künftigen Besitzer bereits einen bestimmten dreisitzigen V12-Supersportwagen in ihrer Garage geparkt haben. 

Wenn Murrays Anspruch, dass der T.50 seine Kernwerte zwar der Formel 1 verdankt, aber sie in jeder Hinsicht verbessert, dann könnte er eines Tages im großen Spiel um das begehrenswerteste Auto vielleicht sogar zum modernen Ferrari 250 GTO avancieren? Aber darum geht es letztlich doch nicht, denn hier ist ein Supersportwagen der Superlative, von dem wir jetzt schon wissen, dass er sich so engagiert und genussvoll fahren lässt, wie es die Schönheit des Designs verspricht. Eine Qualität, die selten genug ist.

Fotos: Gordon Murray Automotive © 2020