Kanadische Premiere: Erste Fahrt in der neuen Mercedes-Benz S-Klasse

Kanada hat flächenmäßig so wenig Einwohner wie kaum ein anderes Land auf der Welt und bietet eine faszinierende Landschaft. Aber was hat die neue S-Klasse, die Mercedes in dieser Woche auf die Highways zwischen Toronto und der Seenlandschaft Muskoka schickt, in dieser Idylle verloren?

Es ist ein wenig so, als würde man im Wohnzimmer eine BBC-Dokumention in 3D über die Wälder Nordamerikas ansehen. Saftig-grüne Bäume, dunkle Felsen und glitzernde Seen ziehen links und rechts vorbei. Darüber kreisen Greifvögel, die geduldig auf Beute lauern. Doch im Innern des W222 spürt und hört man davon: fast nichts. Die neue Hightech-Limousine aus Stuttgart hat ihre eigene Idylle, dafür sorgen mehr als 20 Assistenzsysteme, zahlreiche Überwachungskameras, ein Autopilot, 500 LED-Leuchten, ein Beduftungssystem, eine Burmester-3D-Surroundanlage (7.500 Euro Aufpreis!), Massagesitze und vieles mehr. Vorausgesetzt man ordert die vielen Extras.

Selbst ein kanadischer Elch könnte der neuen S-Klasse und ihren Insassen kaum zu Leibe rücken. Das Pre-Safe-System würde den Fahrer rechtzeitig warnen, bevor die Insassen im Fond den Champagner verkippen könnten. Oder selbst eingreifen. Es kann sogar Menschen von Tieren unterscheiden. Stattdessen genießen die Passagiere Annehmlichkeiten, wie etwa den Blick durch das riesige, zweigeteilte Panoramadach auf einen klaren Sternenhimmel – besonders angenehm im Chefsessel hinten rechts, der sich im langen S auf Schlafhöhe justieren lässt. Wer dabei noch ans Business an einem der ausklappbaren Arbeitstische im W-LAN-Fond der S-Klasse denkt, ist selbst Schuld.

Das Einzige, was den Gentleman-Gleiter für einen Moment noch aus der Ruhe bringen kann, ist der 455 PS starke Achtzylinder. Mit 700 Nm treibt er den unter zwei Tonnen schweren S 500 standesgemäß (wie ein erfahrener S-Klasse-Fahrer sagen würde) voran. Ganz so, wie es schon der legendäre 6.9 (6,8 Liter V8) im 450 SEL tat. Doch in der neuen S-Klasse erfolgt die Beschleunigung derart ruckfrei, als hätte das Getriebe (7G-Tronic Plus) nur eine einzige Fahrstufe. Das V8-Paket der neuen S-Klasse ließe sich noch durch die Hybridvariante toppen – zumindest für die umweltbewussten Kunden. Doch der S 500 Hybrid kommt erst später, wird also noch nicht zum Marktstart der neuen S-Klasse am 20. Juli erhältlich sein.

Mit der Gewissheit, jederzeit binnen 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen zu können, lässt man den S 500 gelassen über den rauen Asphalt Westkanadans schweben. Ja, der Fahrkomfort war schon immer das, was Mercedes am besten konnte. Vielleicht ist die neue S-Klasse nicht ganz so wendig wie ein Siebener BMW, doch der Komfort ist außergewöhnlich. Wer sprichwörtlich auf Wolke Sieben schweben möchte, ordert dann noch das magische Fahrwerk mit den Systemen Road Surface Scan und Magnetic Body Control, die Fahrbahnunebenheiten vorrausschauend erkennen und Bodenwellen sprichwörtlich glatt bügeln.

Die Wildnis Kanadas bot mit ihren endlosen Highways vor allem eines: Die nötige Ruhe, um all das zu verstehen, was in der neuen S-Klasse möglich ist. Doch um die Idylle Kanadas zu erleben, braucht es keine S-Klasse. Und es braucht auch keiner kanadischen Einöde, um in der neuen S-Klasse zur Ruhe zu kommen – im Flaggschiff aus Stuttgart fährt die Idylle mit.

Den S 500 mit langem Radstand gibt es mit bereits üppiger Basisausstattung ab 107.635 Euro. Die kurze Version kostet 104.600 Euro.

Auf der Mercedes-Website können Sie Ihre neue S-Klasse konfigurieren.

Mercedes-Benz S-Klassen früherer Generationen finden Sie im Classic Driver Markt.