Durch nächtliche Straßen mit drei ultimativen 90er-Jahre-Hypercars

Immer wieder mal gibt es Momente, in denen man sich zwicken muss, um zu verstehen, dass das, was man sieht, tatsächlich wahr ist. Dank DK Engineering erlebten wir gerade einen solchen Moment...

Ende der 1990er-Jahre kam für eine kurze Zeitspanne die GT1-Klasse und die damit verbundenen Homologationsmodelle zur Hochblüte. Für eine einzige Fahrt durch die Nacht brachte DK Engineering drei der spektakulärsten und begehrtesten GT1-Straßenversionen zusammen.

Nachdem er schon die BPR Global GT Serie dominiert hatte, landete der McLaren F1 GTR 1995 auch den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans – ja sogar vier der ersten fünf Plätze gingen an Teams des in Woking gebauten Meisterwerks von Gordon Murray. Insgesamt baute McLaren 28 F1 GTR, dazu 65 Straßenversionen mit Bezeichnung F1.

Als nächster am Start ist der Porsche GT1. Anstatt wie McLaren einen großartigen Straßensportwagen als Basis für eine daraus entwickelte Rennversion zu nehmen, studierte Porsche (nicht zum ersten Mal!) das Regelbuch und ging genau anders herum vor: Man baue einen Rennwagen und verhelfe ihm mit viel Geschick und für die Homologation zu einer Betriebserlaubnis für die Straße. Teils 993, teils 962 – die Porsche GT1 Straßenversion verschob die Grenzen des Machbaren und da nur 25 Exemplare entstanden, kann man sich sehr glücklich schätzen, mal einem auf der Straße zu begegnen.

Das Trio komplettiert das Auto, das als Folge seiner Dominanz im Jahre 1999 die GT1-Serie und -Klasse killte. Am Ende baute AMG im Aftrag von Mercedes 20 Coupés und fünf CLK GTR Roadster, die nur den Grill, die Scheinwerfer und die Rückleuchten vom Serien-CLK übernahmen. Mit einem Kaufpreis von 2.650.000 DM (inklusive Mehrwertsteuer 3.074.000 DM) war der CLK GTR seinerzeit der teuerste Serienwagen der Welt.

Heute kommen die drei silbernen Supersportwagen zusammen, um für einen kurzen Moment ihre Rolle als wilde, aber gleichwohl legale Streetracer zu feiern. Ich frage James Cottingham von DK Engineering, wie lange es gedauert hat, um diese Zusammenkunft zu organisieren. „Rund 18 Monate“, antwortet er. „Wir haben den Markt genau verfolgt und als Erstes entdeckten wir den Porsche GT1. Ich war glücklicherweise in einer Position, einen Deal zu machen. Zugleich wurde mir deutlich, wie viele Leute am Verkauf eines solchen Autos interessiert waren und so erweiterten wir die Suche auf einen McLaren und einen CLK.“

Wäre man jetzt wirklich pedantisch, könnte man einwenden, dass der McLaren ein GTR sein müsste. Doch unter diesen Umständen sollte ein wenig Flexibilität erlaubt sein, schließlich geht es darum, diese drei Einhörner zusammenzubringen. Doch wo findet man heutzutage – abgesehen vielleicht vom Classic Driver Markt – überhaupt einen McLaren F1? James fährt fort: „Diese Autos werden nur sehr selten angeboten. Die Leute tendieren dazu, und sollten es auch, sich auf ihren „go to“-Berater zu verlassen. Im letzten Jahr kursierten Gerüchte, nach denen auf der anderen Seite der Welt ein McLaren F1 angeboten würde. Er wäre dort schon mehrmals offeriert worden. Ich versuchte, das Auto direkt zu kaufen und nach Europa zu bringen. Es stellte sich als relativ unkomplizierter Prozess heraus, dank des großen Netzwerks, das wir weltweit aufgebaut haben, und dank des Wissens darüber, wie man solche Deals tätigt. Aber auch das Vertrauen des Verkäufers, der darauf setzt, dass DK seine Versprechungen und Konditionen einhält, spielte eine Rolle.

Mittendrin erschien dann plötzlich der CLK GTR auf der Bildfläche. Schon zuvor hatte ich ein paar Freunden eröffnet, dass ich langfristig gerne einen CLK besäße. Ich hielt ihn für einen wirklich guten Kauf und ein Modell, dass man eine Zeit lang halten würde. Im Vergleich zu fast allen anderen schien er auch ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis zu bieten. Ja, und zwei Monate später erhielt ich von einem dieser Freunde aus blauem Himmel einen Anruf: Ein Auto ist aufgetaucht!“

Beim Cruisen durch die nächtlichen Straßen ist es denn auch der Mercedes, der sowohl visuell wie akustisch die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht. Seine Präsenz ist einfach unglaublich. Vielleicht ist der McLaren das Auto, das man für eine längere Mensch/Auto-Beziehung am ehesten mit nach Hause nehmen würde. Doch für eine Nacht der Freude und Ausgelassenheit findet sich kaum ein Argument dafür, den CLK GTR nicht den anderen vorzuziehen. Der Porsche GT1, ganz ähnlich wie der 918, nimmt innerhalb des Trios eine Mittelstellung ein. Allein für sich geparkt, sieht auch er wild aus. Innen ist er ein klassischer Porsche und verströmt sofort eine beruhigend wirkende Vertrautheit. Ich könnte  auch ihn ohne große Bedenken nach Hause steuern.

Der CLK GTR war so schnell verkauft, wie er gekommen war. DK Engineering erhielt ein Angebot, das man einfach nicht ablehnen konnte. Wenn Sie diese Zeilen lesen, wird das Auto schon in den USA bei seinem glücklichen Besitzer sein. Der Porsche GT1 setzte auch nicht lange Staub an und ging an einen Sammler aus Hongkong. Vor unserem nächtlichen Ausflug trafen wir uns noch auf dem Prüfgelände von Millbrook. Für einen ersten Funktionstest des Porsche nach einer gründlichen Generalüberholung, die kleinere Ausbesserungen am Lack, einen Retrim des Innenraums, einen kompletten mechanischen Check und eine Motorüberholung umfasste.

Auch für James Cottingham ist der CLK GTR das Auto, das er für nur eine, aber dafür ganz spezielle Ausfahrt wählen würde. „Wenn ich Autos einmal fahre, was gar nicht mehr so oft vorkommt, dann vorzugsweise in einem rennsportlichen Umfeld. Der CLK GTR ist so jenseits von Gut und Böse, dass es einem immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert.“

Wie diese drei Einhörner im fluoreszierenden Licht der Tankstelle stehen, fühlt man sich dennoch unsicher bei der Wahl des persönlichen Favoriten. Denn alle haben ihren festen Platz in der Motorsport-Historie und jeder für sich setzte neue Maßstäbe dafür, wie extrem ein Straßensportwagen sein kann. Zu einem Zeitpunkt, an dem ein neues Hypercar-Reglement für Le Mans festgezurrt worden ist, stehen wir vielleicht am Beginn eines neuen goldenen Zeitalters von Rennwagen, zu denen Zuschauer und potenzielle Kunden wieder einen Bezug haben.

Nicht viele Menschen hätten dieses Trio an einem Ort für eine Fotoproduktion zusammenbringen können. Meines Wissens gab es das noch nie. DK Engineering gilt nicht nur als angesagte erste Adresse für die Restaurierung von Ferrari der 50er- und 60er-Jahre, sondern hat sich mittlerweile zu einem Full Service-Anbieter für eine globale Kundschaft weiterentwickelt.

Vielleicht bleibt jetzt noch Zeit für ein letztes Einsteigen in den CLK GTR, ehe er wieder verladen wird...

Für einen Blick auf das aktuelle Inventar von DK Engineering gehen Sie auf den Classic Driver Markt.