

Broad Arrow ist in diesem Jahr zum ersten Mal der offizielle Auktionspartner der renommierten Veranstaltung „The Quail, A Motorsports Gathering", die am 14. August im Rahmen der Monterey Car Week stattfindet. Mit der Auktion geht es schon am Vortag los. Zum Debüt fährt das zu Hagerty gehörende Unternehmen ein beeindruckendes Aufgebot auf – von millionenschweren Coachbuild-Präziosen aus der Vorkriegszeit bis zu den üblichen Verdächtigen aus dem Hause Ferrari und Porsche.
Vor allem aber sticht die Vielzahl an RUF-Raritäten heraus. Die bärenstarken und grundlegend optimierten Raketen aus dem Allgäu sind zwar auch in Nordamerika nur selten anzutreffen, tatsächlich sind die Vereinigten Staaten aber schon seit langem der größte Absatzmarkt der Pfaffenhausener Sportwagen-Schmiede. Daher verwundert es kaum, dass die Bandbreite der RUF-Modelle, die in Kalifornien unter den Hammer kommen, von 1990 bis 2024 reicht. Hier kommen fünf unserer Highlights.



1990 RUF BTR
Mit dem BTR – kurz für „Gruppe B Turbo RUF" – etablierte sich Alois Ruf als eigenständiger Autohersteller, der zwar schon seit 1978 Porsche-Modellen mehr Leistung entlockte, aber erst 1981 offiziell als eigener Autobauer anerkannt wurde. Die Produktion begann 1984 auf Basis des Porsche 911 G-Modells, dessen 3,4-Liter-Sechszylinderboxer die bayrischen Experten mithilfe der K-Jetronic von Bosch und einer KKK-Turbo-Schnecke auf 374 PS und 480 Nm brachten, kombiniert mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe, während sich der „normale" 930 Turbo mit vier Gängen begnügen musste. Kurz nach seinem Debüt kürte Road & Track ihn mit 300 km/h Spitze zum „world's fastest car", während Auto Motor und Sport eine Beschleunigung von Null auf Hundert in 4,6 Sekunden maß.
Damit war das Maximum aber längst nicht erreicht: Weitere Ausbaustufen gipfelten im BTR III, dessen neue Motorsteuerung die Leistung auf 407 PS steigerte, übertragen über eine Sechsgang-Handschaltung, während Fahrwerk und Bremsanlage von Rufs Ikone Yellowbird übernommen wurden. Dieses BTR III Cabriolet wurde 1991 nach Osaka ausgeliefert, blieb über zwei Jahrzehnte in Japan und fand erst 2022 seinen Weg in die USA. Der optionale Widebody-Kit verleiht ihm die Optik des 930 Turbo und verordnet ihn optisch eher in den Achtziger- als in den Neunzigerjahren, während das blaue Interieur mit den komfortablen Recaro C-Classic-Sitzen und Klimaanlage alles andere als spartanisch ausfällt. Broad Arrow gibt die Laufleistung mit 46.425 Kilometern an und schätzt den Wert auf 800.000 bis 950.000 Dollar.


1995 RUF RCT
Mit dem CTR „Yellowbird" hatte RUF 1987 bereits das schnellste Auto der Welt gebaut. Als Porsche zwei Jahre später den 964 mit neuem Schraubenfahrwerk und ABS präsentierte, nutzte Alois Ruf die Plattform für den 1992 vorgestellten RCT – kurz für „RUF Carrera Turbo". Der per Einzel-Turbolader beatmete 3,6-Liter-Boxer leistete 370 PS und übertraf damit den damaligen Werks-Turbo. Die Kraft gelangte über Rufs Sechsgang-Schaltgetriebe und 18-Zoll-Speedline-Felgen auf die Straße, während Road & Track Ende 1993 das extrem verbindliche Fahrverhalten feierte, wenn der Wagen tief in die Kurven gedrückt wurde.
2020 legte RUF mit dem Modern-Classic-Programm nach und bot das EVO-Upgrade an: 425 PS, der Sprint von Null auf Hundert in rund 4,0 Sekunden und 322 km/h Spitze, ergänzt um RUF-Sperrdifferenzial, integrierten Überrollkäfig und Monobloc-Bremsen. Das hier gezeigte Exemplar von 1995 mit der Chassisnummer 06001 ging Anfang 2024 mit 45.606 Meilen zurück ins Werk nach Pfaffenhausen. Für knapp 89.000 Euro wurde der guardsrote RCT auf EVO-Spezifikation umgebaut – inklusive überarbeitetem Motor, neuen vorderen Querlenkern, Recaro-Schalensitzen und 19-Zoll-Rädern mit Michelin-Bereifung. 2026 folgten in den USA noch eine moderne elektrische Klimaanlage sowie frische Leuchten. Der Schätzwert liegt bei 950.000 bis 1.100.000 Dollar.


1994 RUF Rt
Ein offener 964 Speedster mit 425 Turbo-PS und manueller Sechsgang-Schaltung gehört zu den radikalsten Formen, einen luftgekühlten Elfer zu bewegen. Mit einem Schätzwert von 800.000 bis 950.000 Dollar gehört dieser Rt zu den begehrten Exoten in der Welt der Porsche-Derivate – schließlich bildete einer von nur 936 gebauten Werks-Speedstern die Basis für die zweistufige Transformation in Pfaffenhausen.
Seine Vorgeschichte macht den Wagen vollends speziell: 1994 als indischrotes Tiptronic-Modell nach Japan ausgeliefert, kehrte der Cabrio-Traum 2015 mit über 60.000 Kilometern auf dem Tacho zu RUF zurück. Dort wich die träge Automatik einem knackigen Schaltgetriebe, während die Karosserie in dem tiefen Ferrari-Farbton „Rosso Mugello“ lackiert wurde. Dazu verpasste man dem Cockpit schwarzes Leder, italienisches Alcantara, Recaro-Schalen und rote Akzente.
Die finale Leistungsexplosion folgte schließlich 2024. Für rund 220.000 Euro verpasste RUF dem 3,6-Liter-Boxer das volle RCT-EVO-Upgrade: Ein Turbolader drückt den Frischluft-Sportler nun in rund 4,0 Sekunden von Null auf Hundert, bis er bei 322 km/h seine Spitze erreicht. Stoßfänger aus Carbon, eine gewaltige 350-mm-Keramikbremsanlage sowie 19-Zoll-Zentralverschlussräder stellen sicher, dass die Kraft beherrschbar bleibt. Seit diesem Umbau wurde der Speedster kaum 500 Kilometer bewegt und zeigt insgesamt erst 5.595 Kilometer auf dem Tacho.


2013 RUF Rt
Zum 35-jährigen Jubiläum seiner Turbo-Tradition zeigte RUF 2012 auf dem Genfer Autosalon den Rt35 – das allererste Modell der Manufaktur auf Basis der damals nagelneuen 991-Baureihe. Zugleich markiert er das Ende einer Ära: Er gehört zu den letzten RUF-Wagen, die noch auf der legendären Mezger-Motorenarchitektur aufbauen. Angetrieben von einem 3,8-Liter-Biturbo-Sechszylinder schickt der Rt35 stramme 630 PS und 825 Nm Drehmoment über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) an die Hinterräder – gut 70 PS mehr als der damalige Werks-Turbo. Den Sprint von Null auf Hundert absolviert der Biturbo in knapp 3,1 Sekunden, während ein mit Bilstein entwickeltes Fahrwerk und 380-mm-Keramikbremsen für die nötige Beherrschbarkeit sorgen.
Von den weltweit nur 35 gebauten Exemplaren sticht die Nummer sechs nochmals heraus, da sie zu den extrem seltenen Cabriolets gehört. In Carrara-Weiß kombiniert der Wagen Werksoptionen wie Carbon-Splitter, Heckdiffusor und ein hydraulisches Lift-System an der Vorderachse. Das ursprünglich beigefarbene Interieur erhielt nachträglich ein Upgrade auf schwarze Carbon-Schalensitze, die dem Cockpit eine deutlich sportlichere Note verleihen. Mit einer Laufleistung von rund 9.900 Meilen (knapp 15.900 Kilometer) liegt das Estimate für dieses seltene Open-Air-Sammlerstück bei 600.000 bis 700.000 Dollar.


2024 RUF SCR
Das unangefochtene Highlight der Auktion ist dieser RUF SCR – was sich nicht zuletzt im gewaltigen Schätzwert von 2.500.000 bis 2.800.000 Dollar widerspiegelt. Anders als frühere Modelle beruht der moderne SCR nicht mehr auf einer Porsche-Rohkarosserie, sondern ist eine vollständige Eigenentwicklung mit Carbon-Monocoque, Pushrod-Fahrwerk und integriertem Überrollkäfig. Im Heck arbeitet ein frei saugender 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer mit 510 PS, der erst bei 8.750 U/min abregelt. Gekoppelt an ein manuelles Sechsgang-Getriebe treibt das Aggregat den gerade einmal 1.250 Kilogramm leichten Sportwagen in 3,4 Sekunden auf 100 km/h und weiter bis auf 320 km/h Spitze.
Schon auf den ersten Blick fasziniert die spektakuläre Farbgebung: Die Sonderlackierung in „Ultra Violet“ lässt die Carbon-Karosserie je nach Lichteinfall in tiefen Lila- und Indigotönen erstrahlen. Zudem gehört dieses Exemplar zu vermutlich nur sechs gebauten Wagen in der legendären „Mary Stuart“-Spezifikation, deren umlaufender Heckspoiler an die berühmten Porsche Carrera RSR Rennwagen von 1973 erinnert. Das Thema setzt sich im Innenraum fort, wo schwarzes und graues Alcantara auf Recaro-Schalensitze trifft, deren Carbongewebe passend zur Außenfarbe lila schimmert. Zuletzt diente das Chassis 06011 als offizielles Aushängeschild für RUF North America in Miami und befindet sich mit gerade einmal 176 Meilen (rund 280 Kilometern) auf dem Tacho in absolut makellosem Neuzustand.




































































