Die verborgene Schatzkammer von FA Automobile in Paris

Wer bei FA Automobile vorfährt, ahnt nicht, was ihn hinter dem unscheinbaren Eingang des Pariser Autohandels erwartet. Doch sobald man den Raum betritt, stechen einem die unterschiedlichsten Farben ins Auge – dann wird einem bewusst, dass es die Lackfarben kostbarer klassischer Sportwagen sind.

Es sind Sportwagen wie ein komplett originaler Porsche 914/6 GT, ein Aston Martin DB5 in Zartgrün, ein roter Lamborghini Miura, ein Ferrari 250 GT Boano mit grüner Zweifarblackierung, ein silberner 275 GTB, ein Venturi 600 SLM in Blutorange oder ein tiefschwarzer Mercedes-Benz 560 SEC AMG aus dem Vorbesitzt von Johnny Hallyday. Und dann fallen einem die Werkbänke ins Auge - übersäht mit Motor-, Getriebe-, Fahrwerks- und Innenraumteilen, allesamt penibel aufgereiht. Außerdem befinden sich im selben Raum genau vier Lamborghini-V12-Motoren – vier! Die Motoren sind montiert und warten darauf, dass ihre Träger – 350 GT und Miura – aus der Restaurierung entlassen werden, um erneut die Straßen von Paris unsicher zu machen. Die Atmosphäre ist einerseits warm und einladend, andererseits geradezu klinisch-akkurat. Im Gespräch mit Inhaber Laurent Auxiètre und seinem Vater wird schnell klar, wie und warum hier ein solcher Betrieb aufgebaut wurde.

Herr Auxiètre, welches ist die früheste automobile Erfahrung Ihres Vaters – und die Ihre?

Für meinen Vater sind es die "1000km de Paris" und das unglaubliche Battle zwischen Porsche 908 und Matra MS650. Mein erstes besonderes Erlebnis war eine Mitfahrt im Lamborghini Miura SVJ meines Vaters. Der Auspuff des Miura hatte keinen Schalldämpfer.

Hatte Ihr Vater schon immer eine Leidenschaft für diese Autos?

Man könnte sagen, er hatte schon immer eine Schwäche für Geschwindigkeit und Aerodynamik. Diese beiden Themen brachten ihn letztlich zur Welt der Klassiker und schließlich zu den 1970er-Jahre-Sportwagen.

Welchen Weg in die Welt der Klassiker schlug er genau ein?

Er begann mit einem Austin Mini 1300S, und konzentrierte sich dann Mitte der 1970er Jahre auf Citroën Traction. Als er 28 war, kaufte er seinen ersten Miura (einen von fünf Werks-SVJ), den er heute noch besitzt. Dann kaufte er noch einen Daytona, ein 300SL Coupé, einen Porsche 911 2.7 RS und so weiter. Seither hat er einen langen Steifzug durch die Classic-Car-Welt gemacht, doch sein Fokus lag immer auf den Sportwagen der 1950 bis 1970er Jahre.

Wie begann die Geschichte FA Automobile?

Alles begann mit der Passion meines Vaters. Mein Vater ist ein Self-Made-Man, der schon Autos kaufte, als er noch sehr jung war. Doch dieses Geschäft wurde erst in den 1980er Jahren wirklich profitabel, hauptsächlich im einheimischen Markt.

Und wie hat es sich seither weiterentwickelt?

Als das Internet-Zeitalter begann und es einfacher wurde, klassische Automobile zu beschaffen und zu verkaufen, half ich meinem Vater, das Geschäft auszubauen. Ich erinnere mich noch, wie ich meinen ersten Ferrari verkaufte – am Telefon, als ich gerade in der Highschool war. Das Geschäft half mir, drei Sprachen sprechen zu können, und heute verkaufen wir Autos an Kunden aus der ganzen Welt.

Was ist die Philosophie von FA?

Ganz einfach: Wir versuchen für jeden Kunden das passende Auto zu finden. Denn Kunden, die zufrieden sind, kommen wieder.

Wie beurteilen Sie die Preisentwicklung des Marktes in den letzten Jahren?

Ehrlich gesagt wundert es mich nicht, dass die Preise derart gestiegen sind. Zwar sind die Summen, die teilweise gezahlt werden, hoch. Doch die Sammler wissen heute genau, was sie kaufen, und haben ganz präzise Anforderungen. Zwei offensichtlich sehr ähnliche Automobile können im Detail sehr unterschiedlich sein. Ein seltener Klassiker in perfektem Zustand von einer prestigereichen Marke und mit einem wunderschönen Design und Motorklang ist oft nicht genug. Es braucht oft mehr, etwas, dass andere Exemplare nicht haben. Etwa eine interessante Geschichte, eine besondere Herkunft, eine lückenlose Werkstatthistorie, ein Classiche-Zertifikat, Matching Numbers, Originallack oder zumindest den Farbton oder ein Originalwerkzeugset. Alle guten Autos sind bereits im Wert gestiegen, doch es wird immer einige Käufer geben, die das ganz besondere suchen. Das ist die Regel, deshalb ist der Markt so stark.

Wenn Sie auf ein Restaurierungsobjekt stoßen, verkaufen Sie es auch als „Projekt“ oder nehmen Sie die Restaurierung selbst in die Hand und verkaufen dann ausschließlich Autos, die fahrbereit sind?

Wenn wir ein solches Auto kaufen, übernehmen wir die Restaurierung fast immer selbst. Doch wenn wir ein außergewöhnlich authentisches Exemplar finden, mit Originallack und schöner Patina, wäre es in unseren Augen eine Schande, wenn man ein solches Auto restaurieren würde. Denn der Markt der unberührten Originale schrumpft unaufhaltsam.

Wie sehen Sie die Entwicklung von FA Automobile in den nächsten Jahren?

FA Automobile wird als Familienbetrieb bestehen bleiben, zumindest in den nächsten paar Jahren. Unsere Reputation und unser Netzwerk sind der Schlüssel unseres Erfolges. Wir sind nicht an Quantität interessiert, sondern an Qualität – also an wirklich außergewöhnlichen Automobilen. Und ich hoffe, dass die Autos, die wir anbieten, diese Philosophie reflektieren.

Gibt es einen bestimmten Klassiker, den Sie hier schon einmal besessen haben, auf den Sie besonders stolz sind?

Ja, einen Ferrari 275 GTB/4, Chassis #9413 – der erste mit vier Nockenwellen und Aluminiumblock und einzige mit dem Werksrennmotor.

Gibt es ein Auto, von dem Sie träumen und dass Sie gerne einmal anbieten würdest?

Ohne Zweifel, einen Ferrari 250 LM.

Fotos: Rémi Dargegen füf Classic Driver © 2015

Im Classic Driver Markt findet sich das Angebot von FA Automobile.