Die schrägsten Shooting Brakes von Aston Martin, Ferrari, Porsche und Co.

Der Shooting Brake hat in den vergangenen Jahren eine überraschende Entwicklung erlebt – vom skurrilen Einzelstück für Exzentriker, hin zum globalen Designtrend. Wir blicken zurück auf die schönsten und seltsamsten Sportkombis, die leider nie in Serie gingen.

Ein Mann, ein Ferrari, eine Vision

In den späten 1960er Jahren hatte Luigi Chinetti, Sohn des berühmten US-Rennfahrers und Ferrari-Kenners, die Idee für eine Shooting-Brake-Version des luxuriösen Ferrari 330 GT 2+2. Mit Hilfe des professionellen Zeichners Bob Peak entstanden erste Skizzen, die anschließend an den italienischen Karrosseriekonstrukteur Fredo Vignale weitergereicht wurden, der mit der Entwicklung beauftragt worden war. Das Resultat war in der Tat außergewöhnlich: Fast jedes Karosserieteil wurde ausgetauscht, so dass der Shooting Brake auf den ersten Blick kaum mehr als Ferrari zu erkennen war. Leider sollte der eigenwillige Wagen Vignales letztes Werk bleiben – er starb 1969. 

Ein zweiter denkwürdiger Ferrari-Kombi entstand 1995 im Auftrag des Sultan von Brunei, der zu dieser Zeit die Individualisierungsabteilungen der europäischen Luxusautomarken auf Trab hielt. Der Ferrari 456 GT Estate hörte auf den Beinamen „Venice“, sieben Exemplare zu einem geschätzten Stückpreis von 1,5 Millionen Dollar wurden gebaut. 

Ein Lamborghini unter'm Messer

Nennen Sie es ein Sakrileg – aber bei diesem Lamborghini war es ein Glück, dass er unter’s Messer kam. Der Lamborghini 400 GT Flying Star II entstand 1966 als Prototyp bei der Mailänder Carrozzeria Touring, bevor sie für 40 Jahre ihre Pforten schloss. Nach der Wiedereröffnung im Jahr 2006 entstand bei Touring übrigens eine weitere „Sternschnuppe“ – der neue Flying Star basierte dieses Mal auf dem Bentley Continental GT. 

Der Jaguar, der nicht sein durfte

Obwohl die Shooting-Brake-Version des Jaguar XJS nicht im Werk, sondern vom Traditionstuner Lynx gebaut wurde, darf sie natürlich nicht auf unserer Liste fehlen. Denn der Sportkombi war nicht nur die logische Fortsetzung des äußerst unpraktischen XJS: Die neue Version war sogar leichter und einfacher zu fahren als das Original! Immerhin 67 Exemplare des Lynx Eventer wurden gebaut, eines davon steht derzeit im Classic Driver Markt zum Verkauf

Das Porsche-Geheimnis

1987 entstand bei Porsche unter dem Codenamen „H50“ eine verlängerte Kombiversion des Porsche 928. Doch der schwere und instabile Wagen konnte die Ingenieure nicht überzeugen und verschwand schnell in den Lagerräumen in Zuffenhausen. Erst nach 25 Jahren wurde das Geheimnis um H50 gelüftet – der geistige Vorvater des Porsche Panamera war 2012 in Pebble Beach zu sehen. 

Doch auch jenseits von Zuffenhausen wurde mit alternativen Karosserieformen experimentiert: John Dixon, ein renommierter amerikanischer Porsche-Sammler und Besitzer der Taj-Ma-Garaj-Sammlung ließ auf Basis eines Porsche 356 einen Shooting Brake entwickeln. Der „Kruezer“ dürfte sich in der kalifornischen Subkultur jedoch wohler fühlen als auf einer britischen Fuchsjagd. 

Immer wieder Aston Martin 

Aston Martin gilt als erste Wahl aller sportlichen britischen Gentlemen. Und so erstaunt es kaum, dass die meisten Shooting Brakes der Geschichte auf Basis der Autos aus Newport Pagnell und Gaydon gebaut wurden. Die Spannweite reicht vom Aston Martin DB5 Estate von Radford bis zum Bertone Jet 2+2 auf Basis des Aston Martin Rapide. Wir würden uns für den nächsten Urlaub derweil für eine Raumwunder-Variation des DB6 oder sogar des DBS entscheiden. Etwas aus der Reihe der eleganten Gentleman-Shooter fällt höchstens der Lagonda V8 Shooting Brake von Roos Engineering aus der Schweiz mit seinem Achtzigerjahre-Sci-Fi-Look. 

Italienischer Stil, britischer Anspruch

Und nochmal Touring: Die Mailänder Kombifreunde haben auch die fünfte Generation des Maserati Quattroporte in einen geräumigen Shooting Brake verwandelt. Der in Handarbeit um- und aufgebaute Wagen erhielt ein verstecktes Gewehrfach und ein abgetrenntes „Hundeabteil“, damit beim Picknick nach der Jagd auch keine Beagel-Haare im Caviar landen, der wiederum in einem kleinen Kühlschrank auf Temperatur gehalten wird. So ist der jagdgrüne Bellaggio Fastback wahrscheinlich die stilistisch gelungendste Neuinterpretation der alten englischen Shooting-Brake-Tradition.