Der Porsche 911 Speedster, den die Welt fast vergessen hätte

Der Porsche 964 Speedster war fraglos schon exklusiv. Doch dann nahm sich Veredler Strosek seiner an und schuf in den frühen 1990er-Jahren eine limitierte Edition, die aus heutiger Perspektive zumindest ungewöhnlich wirkt.

Die Qual der Wahl

Einst hatte kein Tuninghaus so viele Möglichkeiten zur Individualisierung oder Umbauten von Porsches im Angebot, wie der berühmte deutsche Industriedesigner Vittorio Strosek. Der Boom der Tuning-Branche, der in den 1980er-Jahren begonnen hatte, hielt auch im nächsten Jahrzehnt unvermindert an. Grund genug, für ambitionierte Designer wie Strosek ganz besondere Autos für die maßgeschneiderte Verwandlung auszuwählen.

Mehr ist mehr

Der Strosek Mega Speedster erfüllte genau diesen Anspruch. Die kurvige Karosserie lässt nicht vermuten, dass dieser Mega Speedster auf dem Porsche 911 der Generation 964 basiert, wirkt er doch eher wie ein früher Prototyp des 993. Angeblich sollen nur 15 Stück gebaut worden sein, wobei acht in die USA verschifft wurden. Selbst vor der Kulisse der wilden Styling-Ideen der Tuner während der exzessiven 1980er-Jahre ist der Strosek Porsche geradezu unverschämt gewagt.

Zeitgeist im Wandel

Wollte man boshaft sein, so könnte man diagnostizieren, der Porsche sei wohl von einer Biene gestochen worden unter habe danach an einer allergischen Reaktion gelitten. Zumindest lassen das die Schwellungen der Karosserie-Elemente vermuten, bei denen die winzigen, elliptischen Frontscheinwerfer fast in den Kotflügeln verschwinden. Ein wenig erinnert der Mega Speedster an Erwin Wurms „Fat Cars” mit ihrer Marshmellow-Optik. Aber weil die Nachfrage nach modernen Klassikern immer stärker steigt, könnten auch diese exzentrischen Tuning-Schöpfungen neue Liebhaber finden. Eine interessante Überlegung, denn mit der Jahrtausendwende gerieten diese Autos völlig aus der Mode.

Californication

Seit dem Auftritt des allerersten 356 waren die Speedster von Porsche gerade in Kalifornien besonders beliebt - und Stroseks Mega Speedster machte da keine Ausnahme. Die serienmäßigen Porsche 964 Speedster waren in den Vereinigten Staaten relativ schnell ausverkauft. Dieses Exemplar des Strosek Speedster wurde damals in Grand Prix White ausgeliefert und hatte als Extras Sitze im RS-Stil sowie ein Friktions-Sperrdifferenzial. Fred Opert, Stroseks Importeur in den USA, hatte eines der limitierten Modelle für den Sohn eines indonesischen Milliardärs reserviert, der den Strosek Speedster bei einem Baseballspiel erlebt hatte. Keine schlechte Wahl für einen Studenten, der im Glamour von Los Angeles auffallen wollte.

So speziell wie schlagfertig

Aber nicht nur das Styling strotzte vor Selbstbewusstsein. Der Mega wurde von einem 3,8-Liter-Motor mit Motorsport-Genen von Andial angetrieben und leistete 300 PS. Da dieses Triebwerk nur in zwei der Strosek-Speedster verbaut wurde, ist dieses Exemplar natürlich noch exklusiver. Das Auto genoss bis 2014 die Sonne Kaliforniens, ehe es gekauft und von den aktuellen Besitzern nach Deutschland zurück gebracht wurde. Jetzt wird es von Classic Driver-Händler DLS Automobile angeboten, angeblich in dem Originalzustand, in dem der Porsche auch das Strosek-Werk in Utting verlassen hatte. Unter dem eigenwilligen Kurvenwerk Stroseks lauert noch immer der ursprüngliche Speedster - ein reduzierter, verwegener Roadster, der einfach begeistert. 

Fotos: Frederic Seemann für Classic Driver © 2015

Porsche Speedster in allen Varianten finden Sie im Classic Driver Markt.