Das Lamborghini Museum ist eine Reise nach Italien wert

Wer meint, die Lamborghini-Modelle von einst an zwei Händen abzählen zu können, der irrt. Das Lamborghini Museum ist prall gefüllt mit vielen weiteren Schätzen, welche die ganze Geschichte dieser schillernden Marke als Gesamterlebnis nacherzählen.

Miura und viele andere Kampfstiere

Das in einem sehr italienischen Ambiente untergebrachte Museo Lamborghini ist statt nur als Museum als Gesamterlebnis gedacht – was angesichts einer ganzen Herde von Kampfstieren auch leicht gelingt. Beginnend mit dem Lamborghini 350 GT, umfasst die Sammlung eine Auswahl von Schlüsselmodellen aus der wechselvollen Geschichte des Ferrari-Herausforderers – darunter eine Sonderschau zum Thema „50 Jahre Miura“. Aber es gibt auch kuriose Modelle wie den nie realisierten Prototypen eines „neuen“ Miura und oder den gewaltigen LM002 zu sehen – Letzteren als spirituellen Vorläufer des heiß ersehnten Lamborghini Urus und neben dem Range Rover Urvater aller SUVs. 

Nur das Beste

Die makellos aufbereiteten Serienmodelle teilen sich die Ausstellungsfläche mit Rennwagen und Konzeptstudien, darunter der wilde Lamborghini Gallardo Concept S von 2005. Ein reines Showcar ohne Motor, aber zweigeteiltem gläsernen Windabweiser. Motorsportsport-Fans werden sich am flammenspuckendem Diablo aus der GTR Trophy-Serie von 1990 oder am aktuellen Huracán aus der Blancpain Serie ebenso ergötzen wie am Camel-Lotus Formel 1 oder dem krass unterfinanzierten Formel 1-Hinterbänkler Modena 291 – beide mit Lambo V12-Power im Heck. Es gibt darüber hinaus auch eine Auswahl von sehr hübsch präsentierten Motoren mit all ihren internen Schmankerln – um so zu demonstrieren, dass die Seele eines Lambos immer sein schlagendes Herz sein wird. 

Ein großes Geheimnis von Sant’Agata

Neben den im Grunde zu erwartenden Highlights öffnet das Museum auch ein bislang eher unbekanntes Kapitel seiner Markengeschichte. Es spielt zu der Zeit, als Chrysler in Sant’Agata Bolognese noch das Sagen hatte. Man schrieb den September 1993, als McLaren ein MP4/8-Chassis für die Aufnahme des kompakten V12-Lamborghini herrichtete. Die geheimen Tests mit dem ganz in weiß gehaltenen Wagen liefen am Tag nach dem GP von Portugal in Estoril mit keinem Geringeren als Ayrton Senna am Steuer. 

Was alles hätte sein können....

Nach Abschluss der Fahrten war der Brasilianer so angetan, dass er Teamchef Ron Dennis fragte, ob er den McLaren-Lamborghini beim Finale in Japan fahren dürfte. Doch dessen Antwort lautete: „Nein“. Auch Mika Häkkinen, der bei Tests in Silverstone mit dem Lambo eine Sekunde schneller war als mit dem Cosworth, wurde ein Einsatz verwehrt. Am Ende wechselte Senna 1994 zu Williams – mit dem bekannten tragischen Ende in Imola - und McLaren entschied sich für Peugeot statt Chrysler-Lamborghini als Motorenpartner. Was sich ebenfalls als keine gute Entscheidung herausstellte.

Senna Schrein

Exakt jener V12-Motor vom Test in Estoril ist derzeit zusammen mit dem McLaren MP4/8 im Rahmen einer Sonderausstellung im neuen Museum ausgestellt. Ergänzt ist das Exponat um alle Formel-Autos, die Senna in seiner Karriere gefahren hat. Wie den Toleman aus seiner ersten Formel 1-Saison, den schwarz-goldenen JPS-Lotus, mit dem er seinen ersten GP-Sieg feierte, dazu ein Marlboro-McLaren und ein Williams. Aber auch sein Kart, zwei Formel Ford und ein Ralt Formel 3. Mit Fotos des bekannten italienischen Formel 1-Lichtbildners Ercole Colombo dekoriert, ist dieser nur Senna gewidmete Bereich ein absoluter Höhepunkt des Museums, das man auf einer Pilgerfahrt durch das italienische Motorsport-Bermudadreieck nicht links liegen lassen sollte.

Das Lamborghini-Museum in Sant’Agata Bolognese ist – auch sonntags – von 9:30 bis 19 Uhr geöffnet.

Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2017