Beim Goodwood Members´ Meeting haben wir jeden Moment nach der Rückkehr genossen

Es waren 18 lange Monate des Wartens, die mit einem Paukenschlag zu Ende gingen, als das begeisternde Treffen im Club-Stil an den legendären englischen Rundkurs zurückkehrte.

Wenn das Goodwood Revival große Oper ist, dann ist das Members´ Meeting der relaxte Club-Event – und wir lieben ihn dafür! Aber bitte verstehen Sie uns nicht falsch: Das Revival ist ein zauberhafter Schritt zurück in die Vergangenheit, an diesem Wochenende hingegen konnte man einige kompromisslos geführte Rennen in Fahrzeugen, die über 100 Jahre alt sind, erleben.

Wie immer gab es in Goodwood auch einige hervorragende Vorführungen. Der Jaguar XJR-15 wurde mit 13 Exemplaren auf der Rennstrecke gefeiert, darunter der kürzlich wiederentdeckte Rennwagen Fangios, den wir demnächst auf Classic Driver ausführlich vorstellen werden.

Ayrton Senna ist ein Namen, der viele von uns immer noch sehr tief berührt. Sein Neffe Bruno Senna würdigte seinen Onkel in angemessener Form mit ohrenbetäubenden Runden in einem McLaren MP4/6 mit Honda-V12. Zu hören, wie dieses Auto – ungestört von anderem Motorengetöse - um diesen Kurs in Sussex jagte, war für alle, die dabei sein konnten, ein unvergesslicher Moment.

Gordon Murray hat uns einen ersten dynamischen Eindruck des T.50 mit Dario Franchitti am Steuer geschenkt, während seine jüngste Entwicklung mit gut über 10.000 Umdrehungen um Goodwood herum tobte. Zugleich wurde eine statische Version des Niki Lauda-Modells geboten, die ausschließlich auf den Track-fokussiert ist.

Die während wurden während der einzelnen Events und quer über alle Grids packend ausgetragen. Die MG kämpften um Mittelplätze und die Porsche schlängelten erbittert um Plätze an der Spitze des Felds. Der Pierpont Cup am Samstagabend bescherte jede Menge Nervenkitzel: Modelle wie Mustang, Falcon und Galaxie kämpften hart um jeden Meter vor der untergehenden Sonne.

Am Samstagabend sank der Adrenalinspiegel, denn wie immer lud der Herzog von Richmond alle zu einem Drink ein, mit großartigem Essen, Musik und Entertainment. Abgerundet wurde der Abend mit dem traditionellen Feuerwerk – immer noch eines der besten, die man zu sehen bekommen kann.

Am Sonntag stand dann wieder ein ernsthafter Renntag bevor, der nie enttäuschte! Die Gerry Marshall Trophy gehört zu den Publikums-Highlights an diesem Meeting-Wochenende. Es traten Gruppe 1-Autos, die zwischen 1970 und 1982 fuhren, gegen einander an. Das bedeutete Mini Tür an Tür mit Camaro, Ford Capri und Rover SD1, die sich an einander vorbeischoben, um den Endstand unter sich auszumachen.

Weil das Starterfeld 58 Fahrzeuge umfasste, wurden diesmal zwei Durchgänge gefahren, bei denen die Teilnehmer nach Motorgröße eingeteilt wurden. Die ersten 15 jedes Durchgangs gingen dann beim 30 Autos umfassenden Endlauf an den Start. Übrigens das letzte des fantastischen Members´s Meeting, und wieder vor der Kulisse der letzten Sonnenstrahlen.

Am Ende siegte der British Touring-Star Jake Hill mit seinem Capri, Jack Tetley von ROFGO sicherte sich in seinem Camara den zweiten Platz. Das Rennen bot den Zuschauern einige packende Szenen wie beispielsweise ein VW Scirocco auf zwei Rädern, ein etwas lädierter Camaro, der dennoch vierter wurde, obwohl er zweimal von der Strecke flog. Wer fehlte, war leider Nick Swift, der während seines Durchgangs ein seltenes mechanisches Malheur erlebte.

Nicht vergessen dürfen wir die S.F. Edge Trophy, die für Rennwagen bis 1923 ausgeschrieben war. Wir hatten alle schon die Gelegenheit, das unfassbare „Biest von Turin“, den Fiat S76, zu bestaunen. Aber es auf nasser Fahrbahn mit eigenen Augen zu sehen und wie es – fast zwei Meter hoch - feuerspeiend um Kurven rutscht, zählt zu den ganz großen Momenten. Man sieht entkleidete Maschinen, in den sich die Teile bewegen, diese wunderbar patinierten Sitze im Stil eines Chesterfield-Sessels sowie eine Sitzpositionierung, die den Fahrer auf der Hinterachse höchst unruhig pilotieren lässt. Was für ein Anblick, und diese Autos sind alles andere als langsam!

Wieder einmal haben der Herzog von Richmond und sein Team souverän bewiesen, dass sie die besten Veranstaltungen im Bereich des historischen Motorsports inszenieren. Es wurden auch die Termine für 2022 angekündigt: Das Members´ Meeting kehrt vom 9.-10. April zurück. Das Festival of Speed wird vom 23.-26. Juni stattfinden, das Revival vom 16.-18. September. Wir sehen uns dort! Aber falls Sie nicht dabei sein können, bieten wir Ihnen natürlich die Live-Berichterstattung.

 

Fotos: Huckleberry Mountain für Classic Driver © 2021