Auf Streife mit dem De Tomaso Pantera aus „Hawaii Five-0“

Ein früher De Tomaso Pantera in fahrbereitem Zustand ist schon eine Rarität. Dieser „italienische Panther“ kann zudem auf eine TV-Karriere in der Siebzigerjahre-Serie „Hawaii Five-0“ zurückblicken. Und damit nicht genug...

Ein kosmopolitisches Raubtier

Was den De Tomaso Pantera bis heute so begehrt macht, ist seine Kombination eines muskulösen amerikanischen V8-Motors mit jenem puristisch-funktionalen Sportwagendesign, das in den frühen Siebzigerjahren von von den großen italienischen Karosseriestudios geprägt wurde. Das frühe Exemplar von 1971, dass wir vor wenigen Tagen bei einer Ausfahrt begleiten konnten, hat jedoch eine noch etwas kosmopolitische Geschichte: Viele Jahre seines Lebens verbrachte er nämlich im Besitz eines Polizisten auf Hawaii, wo er zudem für die TV-Krimiserie „Hawaii Five-0“ vor der Kamera stand. Wir hatten nun Gelegenheit, den De Tomaso bei einer Ausfahrt zu begleiten – leider nicht in Honolulu, sondern auf den regennassen Straßen Nordenglands. Ein britischer Sammler hat den tropischen Panther zurück nach Europa geholt.

Auf der Suche nach dem "Panther von Hawaii"

Der De Tomaso ist eines der seltenen „Pulsante“-Modelle, das wegen seines vom Schwestermodell Mangusta entliehenen Türknopfes diesen Namen trug. Und obwohl der frühe Pantera den ursprünglichen Entwürfen von Ghias amerikanischem Designer Tom Tjaarda entsprach, wurde der Achtzylinder-Sportwagen doch zunächst per Hand bei Vignale gebaut, um mit einer Kleinserie das Interesse der US-Kundschaft auszuloten. 

Zu dieser Zeit war „Hawaii Five-0“ bereits die beliebteste Fernsehserie der Welt. Für eine Episode der fünften Staffel mit dem Titel „Death Wish on Tantalus Mountain“ benötigten die Produzenten zwei De Tomaso Pantera. Der Autokonzern Ford, normalerweise für die Bereitstellung der Automobile für die Dreharbeiten zuständig, konnte wegen eines Lieferengpasses jedoch kein Exemplar zur Verfügung stellen. So begann die Crew, sich auf Hawaii nach einem passenden De Tomaso umzusehen – und stieß bald auf ein gelbes und ein rotes Exemplar. Letzterer gehörte dem Polizisten George Frain, der den Wagen 1971 erstanden hatte und bis ins Jahr 2006 behalten sollte.

Einsatz vor und mit der Kamera

In der Folge von „Hawaii Five-0“, die 1972 ausgestrahlt wurde, spielt Ricardo Montalbano den wohlhabenden Rennfahrer Alex Pareno, dessen Mechaniker am Vorabend eines wichtigen Rennens mit dem gelben Pantera verunfallt, und der nun auf das rote Auto umsteigt. Da sich Montalbano kurz vor den Dreharbeiten verletzt hatte, übernahm George Frain die Rennmontur des Schauspielers und setzte sich selbst hinter’s Steuer. Im Fernsehen sah man den De Tomaso später wagemutig über die Schotterpisten des Tantalus Mountain driften. Für eine besonders eindrückliche Fahraufnahme über Cockpit und Haube des Pantera war zuvor die Motorabdeckung entfernt und über dem Motor ein Sitz für den Kameramann angebracht worden. Auch wenn die 15 Minuten Ruhm sich heute natürlich bestens im Lebenslauf des De Tomaso machen, ist doch fraglich, ob sein Leben jenseits der Kamera im zivilen Dienst der Polizei nicht sogar noch spannender war. 

Von Hawaii bis nach Nottingham

Während der Pantera in „Hawaii Five-0“ bereits seine Driftkünste demonstriert hatte, lassen wir es bei unserer Ausfahrt auf den Landstraßen um Nottingham entspannter angehen. Während die Zylinder des Cleveland V8 mit trommelndem Bass langsam auf Temperatur kommen und wir den Schaltknüppel in den ersten Gang schieben, erhalten wir bereits eine erste Ahnung vom cosmopolitischen Charme des Pantera. Tritt man das Gaspedal beherzter durch, wird aus dem tiefen Trommeln ein Heulen, das sich im hohen Drehzahlbereich zu einem veritablen Kampfgeschrei verstärkt. Alessandro de Tomaso soll einst gesagt haben, seine Kunden würden den Gesagt des Pantera-V8 jederzeit der Stimme Janis Joplins vorziehen. Auch wenn der Vergleich aus heutiger Sicht etwas absonderlich klingt – der Sound des Achtzylinders bleibt eindrucksvoll. Auch die flache Frontscheibe, das kleine Lenkrad und die straff gespannten Dämpfer machen bis heute klar, dass der Pantera ein echtes Raubtier ist.

Aloha beim Salon Privé

Der neue Besitzer hat den De Tomaso erst kürzlich umfassend restaurieren lassen, dabei aber die ursprüngliche Konfiguration und auch die Rennnummer „6“ aus „Hawaii Five-0“ erhalten. So erstrahlt der italo-amerikanische Sportwagen heute so attraktiv, wie zur Zeit seiner Auslieferung nach Hawaii. Nur um ein paar Geschichten reicher ist er über die Jahre geworden. Am kommenden Freitag, dem 4. September 2015, wird der prominente De Tomaso Pantera im Rahmen der Versteigerung von Silverstone Auctions beim Salon Privé angeboten. Der Schätzpreis liegt bei 90.000 bis 110.000 Pfund. Sollten Sie die Hand zum finalen Gebot heben, erweisen Sie dem „hawaiianischen Panther“ doch mit einem geflüsterten „Aloha“ die Ehre!

Photos: Tom Shaxson for Classic Driver © 2015

Im Classic Driver Markt stehen zahlreiche klassische De Tomaso zum Verkauf.