Wir beginnen mit einem Ergebnis, das Ihre Sicht auf die eigene Garage verändern dürfte: Ein Porsche 959 Sport von 1989, die Straßenversion von Porsches aus der Gruppe B abgeleitetem Supercar, wurde bei RM Sotheby's für 7.045.000 US-Dollar versteigert. Damit übertraf der Wagen mühelos die Summe von 5.945.000 Dollar, die im Jahr 2018 für eines von nur drei bei der Paris-Dakar eingesetzten Werks-Rallyeautos gezahlt wurde. Jener Wagen trug die legendäre Rothmans-Lackierung und war tatsächlich quer durch Afrika gerast. Sechs Jahrzehnte lang war eine nachvollziehbare Rennhistorie der ultimative Trumpf in diesem Hobby. In dieser Auktionswoche galt das plötzlich nicht mehr.
Dieses Muster setzt sich auch beim Blick auf die übrigen Auktionslose fort. Der 1993er Porsche 911 Carrera RS 3.8 von RM Sotheby's wechselte für 2.040.000 Dollar den Besitzer. Der Wagen ist einer von nur 55 gebauten Einheiten und wurde neu an einen Aachener Rennstall ausgeliefert, bevor er 20 Jahre in Japan verbrachte. Dessen Ergebnis entspricht in etwa dem vierfachen Preis eines regulären 964 Carrera RS, der in derselben Woche verkauft wurde. Ein 993 Turbo S in Zenithblau, der allerletzte luftgekühlte 911 Turbo, brachte 967.500 Dollar ein. Zwei serienmäßige Turbos erzielten dagegen jeweils 500.000 Dollar. Auch ein Targa mit werksseitigem Flachbau, das absolute Symbol für den automobilen Exzess der 1980er Jahre, erreichte über eine halbe Million Dollar und lag damit preislich ungefähr auf dem Niveau eines 964 RS.
Den vielleicht interessantesten Gradmesser der Woche lieferten jedoch zwei nahezu identische Porsche 911 R aus dem Jahr 2016. Ein Wagen hatte lediglich 168 Meilen auf dem Tacho, der andere knapp 6.000 Meilen. Rein rechnerisch trennt diese beiden Autos also die Fahrleistung eines ganzen Jahrzehnts. Dennoch wurden beide für exakt 830.000 Dollar verkauft. Den Markt ließ dieser Unterschied offenbar völlig kalt.
Im zweiten Teil unserer Serie analysieren wir, was diese Entwicklung für alle bedeutet, die ein solches Auto besitzen. Wir gehen der Frage auf den Grund, ob die ersten paar tausend Meilen wirklich gratis sind und an welchem Punkt die Preise für Porsches Rennsport-Modelle nicht mehr fair kalkuliert sind, sondern vielmehr erste Anzeichen einer Blase zeigen.
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