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Motorsport-Legenden von Porsche im Kronleuchter-Glanz

Zehn Porsche 917 treffen in Gargas auf edle Kronleuchter zum größten Gipfeltreffen dieses Modells in Europa. Initiator Arthur Mathieu widmet die Schau dem Le-Mans-Sieger Hans Herrmann. Die Ausstellung in den Werkstätten von Mathieu Lustrerie läuft noch bis zum 10. August.

Legenden entstehen auf der Rennstrecke. Sie brennen Rundenrekorde in den Asphalt, beißen sich durch zermürbende Langstreckenrennen und sammeln Podestplatzierungen wie Knöllchen an der Windschutzscheibe. Doch wenn der Champagner getrunken und der verbrannte Gummi verraucht ist, verblassen mit der Zeit oft auch die Erinnerungen an diese Siege. Genau um das Bewahren dieser Geschichten geht es diesen Sommer im provenzalischen Dorf Gargas. In den Werkstätten der Manufaktur Mathieu Lustrerie, die eigentlich für erlesene Kronleuchter bekannt ist, entstand die Kulisse für das europaweit größte Treffen von Porsche 917.

Dahinter steckt Arthur Mathieu, mit dem wir uns kurz nach der Eröffnung unterhalten haben. In den eindrucksvollen Hallen dreht sich im Grunde alles um Hans Herrmann. „Er hat mich schon als Kind sehr inspiriert“, erzählt Mathieu. Über Jahre hinweg begegnete er der Rennfahrerlegende bei historischen Motorsportveranstaltungen. Er erlebte mit, wie Herrmann älter wurde, während er selbst heranwuchs. „Hans hat sich jedes Mal an mich erinnert und gefragt, wie es mir geht. Das hat mich geprägt.“ Ein unscheinbares Detail, das jedoch den Kern dieser Ausstellung perfekt auf den Punkt bringt.

Herrmanns Lebensgeschichte bildet das emotionale Fundament der Schau. Er fuhr für Porsche, Mercedes und trat im Wanderzirkus der Formel 1 an. Seiner Frau hatte er einst versprochen, nach einem Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans den Helm an den Nagel zu hängen. 1970 war es am Steuer eines Porsche 917 so weit, und er hielt sein Wort. Nach Herrmanns Tod Anfang des Jahres wurde aus der ursprünglich als Hommage geplanten Ausstellung nun auch ein bewegender Abschied.

Gargas ist der erste große Auftritt von Arthurs neuem Projekt Global Reunion. Geistig knüpft es an frühere Treffen an, die er zum 60. Jubiläum des Porsche 912 in der Provence, in Japan und in den USA organisiert hatte. Doch während damals die reine Begeisterung unter Gleichgesinnten im Vordergrund stand, möchte Global Reunion eine breitere Zielgruppe für die Autos begeistern. „Ich möchte beim Publikum echte Emotionen wecken“, erklärt er. Die Besucher sollen das Ausstellungsstück aus einer ganz neuen Perspektive wahrnehmen. Damit wendet er sich ganz bewusst gegen den Blickwinkel seiner eigenen Generation auf den 917. Dieser wird heute leider oft nur noch über den Schätzwert in Auktionskatalogen definiert statt über seine Geschichte. „Wenn Begeisterung nur noch durch astronomische Summen von vierzig Millionen Euro oder mehr entsteht, geht das für mich völlig am Sinn vorbei.“

Sein Rezept war eine Inszenierung in zwei Akten. Zuerst kehrten die Wagen an den Ort ihrer größten Erfolge zurück: direkt auf die Rennstrecke von Le Mans, mit dröhnenden Motoren und den Fahrern im Cockpit. So konnte das Publikum das Objekt genauso erleben, wie es erschaffen wurde, mit echten Fahrern hinterm Steuer und dem Sound beim Anlassen der Triebwerke. Ein Gänsehautmoment für alle Beteiligten. Erst im zweiten Akt wechselt die Szenerie nach Gargas. Hier stehen die Wagen nicht mehr als reine Sportgeräte im Rampenlicht, sondern als Kunstwerke im direkten Dialog mit den Kronleuchtern der Manufaktur.

Dieses Zusammenspiel bildet das Herzstück der Ausstellung. Laut Arthur wird das Auto als Kunstwerk im Verhältnis zu anderen Kunstwerken gezeigt, um ein Gespräch zwischen beiden Welten entstehen zu lassen, von dem beide Seiten profitieren. Auf die ständige Frage in Interviews, welche Paarung aus Wagen und Kronleuchter sein persönlicher Favorit sei, gibt es für ihn nur eine Antwort: Das muss man vor Ort selbst erlebt haben. Über das visuelle Spektakel hinaus verfolgt er ein nachhaltiges Ziel: Er möchte weniger bekannten Künstlern eine Bühne bieten. Die enorme Strahlkraft einer großen Automarke zieht Besuchermassen an, von denen gewöhnliche Galerien nur träumen können.

Hinter dem künstlerischen Konzept steckt eine beachtliche Substanz. Zehn 917 aus Privatbesitz bilden den Kern der Schau. Ergänzt werden sie von fünf Autos, welche die Entwicklungsgeschichte der Prototypen nachzeichnen: Die Wagen der Typen 904, 906, 907, 910 und 908 zeigen anschaulich den Weg auf, der schließlich zum Bau des 917 führte. Zu sehen ist außerdem die reine Karosserie eines 917 LH von 1969, ohne Technik im Inneren, da sich kein fahrbereites Exemplar mit lückenlos belegbarer Historie auftreiben ließ. Direkt neben dem 908 platziert, wird für Besucher auf einen Blick greifbar, wie nah die beiden Entwürfe beieinander liegen.

Rund um die Wagen hat Arthur ein seltenes Ensemble historischer Fundstücke zusammengetragen. Neben originalen Rennplakaten aus jener Ära sind auch Pokale aus dem Nachlass der Familie von Jo Siffert zu bewundern, darunter Trophäen seiner Firestone-Weltmeisterschaft von 1971 und seines Le-Mans-Klassensiegs auf einem 906 im selben Jahr. Fotografie-Enthusiasten erwarten eindrucksvolle Originalabzüge der französischen Agentur Gamma Rapho aus den Le-Mans-Jahren 1969, 1970 und 1971 sowie seltene Blicke hinter die Kulissen der Dreharbeiten zum Film Le Mans – aufgenommen, während Steve McQueen selbst die Kamera bediente. Jeden Wagen begleitet zudem eine Geschichte in Ich-Form, als würde das Auto selbst zu den Besuchern sprechen. Ein kleines Detail, das Arthur für das Gesamterlebnis als unverzichtbar erachtet.

Was die ersten Besucher vor Ort am stärksten bewegte, hatte jedoch weder mit Seltenheit noch mit Stammbäumen zu tun. Es ist die unmittelbare Nähe. Keine Absperrungen, kein Schutzglas, ausreichend Zeit zum Betrachten, zum Lesen der Geschichten und für Fotos aus Perspektiven, die in einem Werksmuseum schlicht unmöglich sind. Für viele ist es das erste Mal überhaupt, dass sie einen 917 aus der Nähe erleben, und hier stehen sie gleich zehn dieser Klassiker auf einmal gegenüber.

Die Ausstellung Global 917 Reunion ist noch bis zum 10. August in den Werkstätten von Mathieu Lustrerie im provenzalischen Gargas zu sehen.

Fotos von Simon Gosselin für Classic Driver

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