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Knackt dieser Ferrari den Weltrekord für schwarze Enzo?

Die Enzo-Preise haben sich seit Januar fast verdreifacht, im März brachte ein schwarz-roter bei Broad Arrow 15,2 Millionen Dollar. Nun kommt der meistgehypte Modern Classic in genau dieser Kombination erneut unter den Hammer, bei The Quail, ohne Limit und mit Ferrari-Classiche-Zertifikat.

 

Als Ferrari im September 2002 auf dem Pariser Salon seinen neuesten Showstopper enthüllte, befand sich das Formel-1-Team gerade im siebten Motorsport-Himmel. Michael Schumacher war auf dem besten Weg zum dritten von fünf WM-Titeln, und seit 1999 hatte die Scuderia ein Abonnement auf den Konstrukteurstitel. Unter diesen Vorzeichen entstand unter der Projektbezeichnung „F60“ der Nachfolger des F40 und F50, der als Verbeugung vor dem Firmengründer dann mit der Typenbezeichnung „Enzo“ auf den Markt kam, konzipiert als eine rollende Essenz aus allem, was die Rennabteilung in jenen Jahren gelernt hatte. Da die Auflage auf 399 Exemplare limitiert war, genossen nur bestehende F40- und F50-Kunden ein Zugriffsrecht; ein 400. Exemplar ging als Geschenk an Papst Johannes Paul II. und wurde zu Wohltätigkeitszwecken versteigert (1,1 Millionen US-Dollar).

Gilt der F50 mit seinem direkt vom 1990er-Formel-1-Wagen abgeleiteten V12 als letzter analoger Ferrari-Supersportwagen, so gingen die Italiener beim Enzo neue Wege. Erstmals fanden elektronische Fahrwerkshilfen, eine „aktive“ Aerodynamik und neue Materialien Eingang in ein auf die Anforderungen des öffentlichen Straßenverkehrs zurechtgestutztes Hypercar, mit dem Ziel, den Kunden durch diese Sublimierung ein so Formel-1-ähnliches Erlebnis wie möglich zu bescheren.

 

Die Elektronik kanalisierte nicht nur den Kraftfluss zwischen Motor und Antriebsachse, sondern kümmerte sich auch um das passende Fahrwerks-Set-up. Bei Bedarf variierte sie die Schaltgeschwindigkeit des sequenziellen Sechsganggetriebes, das über Schaltwippen am Lenkrad die Gänge in nur 150 Millisekunden einlegen konnte. LEDs im oberen Lenkradkranz blinkten im Formel-1-Style Gang für Gang rot auf. Pressten beim F40 und F50 noch fest montierte Spoiler den Wagen auf den Asphalt, stellte das aktive, adaptive Aero-Paket des Enzo über verstellbare Luftleitbleche, einen erst ab 60 km/h ausfahrenden Heckspoiler und einen Heckdiffusor geschwindigkeitsabhängig stets optimalen Anpressdruck sicher. Maximal 775 Kilogramm waren es bei Tempo 300, ehe der Wert bis zur Höchstgeschwindigkeit von gut 350 km/h auf 585 Kilogramm zurückging.

Herz des Enzo war der komplett neu entwickelte Motor „F140“, ein Voll-Alu-65-Grad-V12, der aus 5.998 ccm bei 7.800/min 660 PS mobilisierte. Er war bis dato der stärkste jemals in einem Seriensportwagen installierte Motor und beschleunigte den schnellsten straßentauglichen Ferrari aller Zeiten in 3,65 Sekunden von 0 auf 100 km/h und in nur 9,5 Sekunden auf 200 km/h.

 

Die bei Pininfarina unter Leitung von Ken Okuyama entwickelte Karosserie mit ihrer unverkennbar vom Formel-1-Modell inspirierten Bugpartie und den spektakulären Scherentüren umhüllte ein Monocoque-Chassis aus Kohlefaser und Nomex-Honeycomb; erstmals in einem Ferrari sicherten karbonkeramische Bremsscheiben maximale Verzögerungskräfte. Über Druckknöpfe am Lenkrad ließen sich verschiedene Fahrwerksprogramme (Dämpfer-Set-up und Traktionskontrolle) anwählen. Ansonsten ging es spartanisch im Cockpit zu: Leder fand sich nur an Flächen, mit denen der Körper des Fahrers in Kontakt kam. Es gab keine Soundanlage, und die Fenster mussten per Hand hochgekurbelt werden.

Anders als seine Vorgänger war der Enzo schon ab dem Tag seines Erscheinens der definitive Supersportwagen schlechthin – über zwei Jahrzehnte später hat dieser Heldenstatus eher noch an Glanz gewonnen, statt zu verblassen. Das nun von Broad Arrow angebotene Exemplar wurde im April 2003 fertiggestellt und ist einer von nur einem Dutzend in die USA gelieferten Enzo in der Farbe Nero D.S. und zugleich einer von nur drei mit rotem Lederinterieur. Schwarze Teppiche, rot hinterlegte Instrumentenskalen und rote Rennsitze verstärken den dramatischen Effekt des schwarz-roten Themas zusätzlich.

 

Laut CARFAX Vehicle History Report verbrachte der schwarze Enzo sein ganzes bisheriges Autoleben in den USA. Von Nevada ging es für ihn über Kalifornien und Colorado nach Arizona, ehe er 2022 bei einem Kilometerstand von 18.276 zusammen mit seinem dorthin umgezogenen Besitzer in Florida landete. 2026 erhielt der Enzo das Ferrari-Classiche-Testat, das den Originalzustand wichtiger Komponenten wie Antriebsstrang, Karosserie, Fahrwerk, Bremsen und Auspuffanlage bestätigt.

Schwarze Enzo sind sehr selten und noch seltener zusammen mit einem roten Interieur, so heben sie sich aus der Masse der überwiegend in Rosso Corsa lackierten Modelle deutlich ab. Kaum eine Konstellation ist reizvoller, um Ferraris Technologieträger der Jahrhundertwende zu erleben. Dank der Classiche-Zertifizierung, der lückenlosen Historie seit der Auslieferung sowie erst kürzlich durchgeführter Inspektionen und Technik-Updates bleibt dem nächsten Besitzer kaum etwas anderes zu tun, als das zum Zeitpunkt der Drucklegung des Katalogs nur 21.353 Kilometer gelaufene Exemplar zu genießen und es genauso einzusetzen, wie es ihm seine geistigen Väter damals mit in die Wiege gelegt hatten.
 


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