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Dieser "Rambo Lambo" ist ein Wüstenschiff mit dem V12-Herz des Countach

Ursprünglich für militärische Einsätze konzipiert, wandelte sich der legitime Vorläufer des Urus zu einem Luxus-SUV für härtestes Terrain – angetrieben von nichts Geringerem als einem Countach-V12. Nun wird dieser Lamborghini LM002 bei der Pebble-Beach-Auktion von Gooding Christie's versteigert.

 

Obwohl Lamborghini vor allem für seine Mittelmotor-Supersportwagen – allen voran den legendären Countach – bekannt war, schlug der italienische Hersteller in den 1980er-Jahren eine unerwartete und allgemein kaum beachtete Richtung ein. Die Grundidee: ein Geländewagen, der sich auch für militärische Zwecke eignen würde – ein Konzept, das auch Mercedes-Benz ganz ähnlich mit der G-Klasse verfolgte. Um das Interesse der US-Armee zu wecken, die gerade einen Nachfolger für den Jeep suchte, entwickelten die Italiener einen Prototyp namens „Cheetah“, angetrieben von einem hoch im Heck montierten Chrysler-V8-Motor mit bescheidenen 180 PS. Doch das 1977 auf dem Genfer Salon präsentierte Unikat empfanden die Militärs als zu exotisch und entschieden sich stattdessen für den HMMWV von AM General – besser bekannt als Humvee oder (in seiner zivilen Version) Hummer H1.

Doch dem seit 1980 amtierenden Lamborghini-CEO Patrick Mimran gefiel mit Blick auf eine potenzielle Klientel aus der Ölexplorations- und -produktionsbranche des Nahen Ostens die Idee eines SUV mit Allradantrieb. Und rollte 1981 zusammen mit dem neuen Jalpa eine weitere Designstudie namens „LM001“ ins Rampenlicht des Genfer Salons. Noch immer auf Basis des „Cheetah“, nun aber mit einem von AMC zugelieferten V8 – der weiterhin im Heck saß. Worunter sowohl das Fahrverhalten als auch das Platzangebot im Fond litten. Um diese Handikaps zu beheben, beauftragte Mimran Chefingenieur Giulio Alfieri – zuvor lange Jahre bei Maserati tätig – mit der Entwicklung einer praxistauglicheren Konstruktion. Das Ergebnis debütierte 1982 als „LMA“ erneut in Genf. Mit einem völlig neuen Rohrrahmen-Chassis und einem jetzt – wie das Kürzel „A“ (für „Anteriore“) signalisierte – endlich im Bug installierten Motor.

 

Und diesmal machte Lamborghini wirklich Nägel mit Köpfen. Denn statt eines weiteren untermotorisierten amerikanischen V8 kam nichts Geringeres als der letzte noch von Weber-Vergasern gefütterte V12 aus dem Countach Quattrovalvole zum Einsatz. Der setzte aus 5,2 Litern Hubraum statusgerechte 450 PS frei und genehmigte sich bei forscher Fahrweise sowie im Anhängerbetrieb bis zu 47 Liter auf 100 Kilometer. Die umfassende Überarbeitung verbesserte wie gewünscht das Handling und die Gewichtsverteilung und vergrößerte auch das Platzangebot im Innenraum, wenngleich der breite und hohe Mitteltunnel im Fond nur Platz für zwei Personen ließ.

Der neue Lamborghini-Offroader erhielt die Modellbezeichnung LM002 und feierte auf dem Brüsseler Salon von 1986 offizielle Premiere. Schon bald erwarb er sich den Spitznamen „Rambo Lambo“ – nicht zuletzt, weil Sylvester Stallone unter den ersten VIP-Besitzern war. Der LM002 war trotz seiner militärischen Gene luxuriös ausgestattet und rollte auf speziell für felsiges und sandiges Gelände entwickelten Pirelli-Scorpion-Reifen mit Notlaufeigenschaften. Darüber hinaus verfügte er über ein frühes GPS-System, gedacht für jene Führungskräfte aus der Energiebranche, die nach Vorstellungen des Lamborghini-Marketings den LM002 bei Fahrten zu abgelegenen Ölfeldern in der Wüste nutzen sollten.

 

Insgesamt entstanden zwischen 1986 und 1993 in Sant'Agata lediglich 328 Exemplare des „Rambo Lambo". Dieser nun zur Auktion kommende und wenig gefahrene LM002 aus dem Jahr 1988 hatte verschiedene amerikanische Vorbesitzer, bevor er 2015 von seinem bisher letzten Eigentümer – einem Privatsammler aus Texas – erworben wurde. Dieser LM002 besticht neben seinen O.Z.-Felgen durch die Kombination aus der attraktiven Lackierung in „Acapulco Blue“ und einer grauen Lederausstattung, die durch ein Nardi-Lenkrad und Holzapplikationen in den Türen, am Armaturenbrett und auf dem Mitteltunnel verfeinert wird.

Der berühmte Lamborghini-Testfahrer Valentino Balboni signierte 2011 den oberen Teil des Armaturenbretts und bezeichnete den Wagen Berichten zufolge als eines der originalgetreuesten Exemplare, die er je gesehen habe. Der seltene LM002 wird mit einer ab Werk mitgelieferten Werkzeugbox, einer Laderaumabdeckung sowie den originalen Handbüchern angeboten und kommt am 14. und 15. August bei der Pebble-Beach-Auktion von Gooding Christie's unter den Hammer.

 

Mit Blick auf die heutige Beliebtheit von Luxus-SUVs – nicht zuletzt des Lamborghini Urus – war der LM002 bei seiner Premiere vor 40 Jahren seiner Zeit zweifellos um Jahrzehnte voraus. So wird auch dieses Exemplar bei künftigen Concours-Veranstaltungen garantiert zu den Topstars gehören und in den Sammlungen von Liebhabern exotischer Autos unterschiedlichster Couleur und Epochen einen Ehrenplatz einnehmen.

 

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