
Es gibt Orte auf der Welt, an denen Lowrider perfekt ins Bild passen: Crenshaw Boulevard an einem Sonntagnachmittag, East Los Angeles bei Dämmerung oder eine Straßenparty irgendwo tief in Compton mit Musik des 2019 vor seinem Bekleidungsgeschäft erschossenen Rappers Nipsey Hussle, die durch ein Paar Lautsprecher vom Format eines kleinen Kühlschranks dröhnt. Die Côte d’Azur gehörte bislang noch nicht zu diesen Locations. Bis jetzt diese new kids in town in ihren chrombeladenen Lowridern anrollten.
An einem Freitagabend im Juni stand der Fotograf Tom Wheatley an der Uferpromenade von Saint-Raphaël und beobachtete, wie ein 1981er Chevrolet Monte Carlo auf seiner Hydraulik tanzte, während Einheimische ihm vom Bürgersteig aus zujubelten. „Kaum zu glauben, dass es so etwas in Europa gibt – und dazu noch ausgerechnet an der Côte d’Azur“, erzählte er uns später. „Es ist, als würde man direkt in ein R&B-Musikvideo eintauchen.“


Tom war dort zufällig in ein reguläres Treffen der „Majestics French Riviera“ geraten – dem regionalen Ableger eines der traditionsreichsten Lowrider-Clubs weltweit. Die Majestics wurden 1973 in Los Angeles gegründet und sind seither auf weltweit rund 40 Ortsgruppen angewachsen, die von Amsterdam bis nach Japan und Hawaii reichen. Die Côte d’Azur-Gruppe formierte sich vor acht Jahren; heute zählt sie zehn Mitglieder sowie zehn Fahrzeuge und genießt den Ruf, der größte High-End-Lowrider-Club Europas zu sein.



Die Autos, die an jenem Abend durch Saint-Raphaël cruisten, boten einen beeindruckenden Anblick: ein 1960er Chevrolet Impala Cabriolet, ein 1964er Impala Coupé, diverse Cadillacs – darunter ein Fleetwood und ein Coupé de Ville – und ein Buick Regal; alle nach den strengen Maßstäben der Majestics aufgebaut.
Verchromte Unterböden glänzten unter polierten Hilfsrahmen, und das Spektrum der Hydrauliksysteme reichte von einfachen „Lay-and-Play“-Anlagen bis hin zu vollwertigen Wettbewerbsumbauten, die „Three-Wheeling“ und „Hopping“ ermöglichten. Charly Bompas, Gründer des Pariser „Majestics“-Chapters und Besitzer des Monte Carlo, nutzt zehn Batterien und zwei Pumpen, um seinen Wagen zum Springen zu bringen. Die Beschaffung von Teilen ist in Anbetracht der Entfernung zu Kalifornien keine leichte Aufgabe; doch auch wenn die Umbauten vielleicht etwas dezenter ausfallen als ihre US-Pendants – an der Leidenschaft, die in jedem einzelnen Auto steckt, mangelt es keineswegs.


„Wenn man diese Autos nicht selbst erlebt hat, kann man einfach nicht verstehen, was sie ausmacht“, sagt Tom. „Es ist eine Lebenseinstellung, die echte Hingabe erfordert.“ Genau diese Hingabe wird bei Majestics vorausgesetzt. Für eine Mitgliedschaft reicht es nicht aus, nur mit dem richtigen Auto zu erscheinen. Ohnehin kommen nur bestimmte Modelle infrage, und jedes Fahrzeug muss die strengen Standards des Clubs erfüllen, bevor es sich seinen Platz in der Riege verdient.

Das Gros der Autos wird ebenso oft bewegt wie ausgestellt, weshalb die gemütliche Fahrt entlang der Uferpromenade von Saint-Raphaël besonders gut passte. Bei kaum mehr als 20 km/h – mit Neonlicht unter den Fahrgestellen und Bässen, die die Palmen zum Beben brachten – erntete der Konvoi überall begeisterten Jubel, gezückte Handykameras und staunende Gesichter.


In den vergangenen acht Jahren hat Chapter-Präsident Duardo im Stillen etwas aufgebaut, das wohl kaum jemand an der Côte d'Azur erwartet hätte. Die Menschenmengen, die an jenem Freitagabend die Uferpromenade säumten, legten beredtes Zeugnis davon ab.

Wenn die „Majestics“ bei Ihnen Träume von Chrom, Hydrauliken und makellosem amerikanischen Metall geweckt haben, werden Sie im Classic-Driver-Markt reichlich Inspiration finden. Ob Chevrolet Impala, Cadillac Coupé de Ville oder einfach das nächste Projekt, das einen auf Hochglanz polierten Unterboden verdient – hier können Sie Ihre Suche beginnen.
Photos: Tom Wheatley
































