Zurück auf die Rennstrecke mit diesem glorreichen Bizzarrini P538 Spider

Es mag zwar noch nicht Weihnachten sein, doch können wir es kaum erwarten, dass die historische Motorsportsaison wieder losgeht. Und könnte es ein besseres Gerät für die Rückkehr auf die Pisten geben wie Bizzarrini P538 Spider, eine von Giotto Bizzarrinis aufregendsten Kreationen?

Wenn Ex-Aston Martin-Chef Dr. Ulrich Bez sein Amt als neuer Vorstandvorsitzender der wiederauferstandenen Sportwagenmarke Bizzarrini mit dem von ihm gewohnten Elan angeht, werden wir bald alle wissen, wie Bizzarrini korrekt buchstabiert wird. Zusammen mit der auf den Verkauf von Luxusmarken wie Aston Martin, Koenigsegg oder Rolls-Royce spezialisierten Händlergruppe Pegasus Brands aus London will der Schwabe, unterstützt von zwei weiteren Ex-Aston Martin Führungskräften, die von 1964 bis 1969 existierende Marke aus Livorno zurück auf die internationale Bühne bringen. Doch bis ein erstes Modell auf den Rädern steht, müssen wir uns noch mit den originalen Modellen zufrieden geben, die der heute 94-jährige italienische Testfahrer, Ingenieur und Designer Giotto Bizzarrini unter seinem eigenen Namen produzierte. 

Obwohl am bekanntesten durch seine Arbeiten am Ferrari 250 GTO, Iso Grifo und am V12-Motor für den Lamborghini Miura, waren Bizzarrinis Autos auf ganz eigene Weise ebenso außergewöhnlich Am erfolgreichsten waren die Modelle 5300GT Strada (für die Straße) und Corsa (für die Rennstrecke), doch vielleicht am meisten heraus ragte der von Giugiaro designte P538 Spider, der 1966 bei den 24 Stunden von Le Mans debütierte. Der Zweisitzer war auf die Vermählung mit einem im Heck eingebauten Chevrolet V8 oder Lamborghini V12 ausgelegt. Am Ende wurden nur vier P538 gebaut, ehe Bizzarrinis 1969 die Tore schließen musste.  

Doch dauerte es nicht lange, bis einer der früheren Ingenieure der Marke, Salvatore Diomante, Aufträge für „continuation cars“ entgegennahm. Allgemein geht man davon aus, dass auf diesem Weg noch drei weitere Exemplare entstanden, eines davon dieses aus dem Jahr 1976. Details aus der Frühgeschichte des Wagen sind rar, doch steht fest, dass Anfang der 1990er-Jahre ein englischer Liebhaber der Marke das Auto in Frankreich aufspürte und es ins Vereinigte Königreich brachte. Kurz darauf verkaufte er es dann an einen der Gründer des kalifornischen Classic Car Händlers Chequered Flag International, der es dann fast 20 Jahre behielt. Während dieser Zeit wurde seine Herkunft gründlich vom Markenexperten Jack Koobs de Hartog erforscht. Dabei kam heraus, dass es Fotos gab, die der Bizzarrini damals noch selbst von dem Auto aufgenommen hatte. Dieser bestätigte nun, dass er persönlich den Rahmen und seine Frau Rosanna gemäß dem Original-Design von Giugiaro die Karosserie aufgebaut habe. Eine solch gusseiserne Herkunft verdiente eine „nut-and-bolt“-Restaurierung, die dann über mehrere Jahre und mit hohem Kostenaufwand auch durchgezogen wurde. Sie umfasste auch die Montage eines korrekten 5,3 Liter Corvette V8 (daher die Modellbezeichnung „538“), eine komplette Neuauskleidung des Interieurs in dunkelrotem Leder und eine Lackierung in der historischen Lamborghini Farbe Azzuro 402, exakt der gleiche hellblaue Farbton, der schon für den zweiten produzierten 538 verwendet worden war. 

Das fertige Modell begeisterte die Zuschauer des Goodwood Revival mit Auftritten bei den Whitsun Trophy Rennen der Jahre 2016, 2018 und 2019. Nach einer erneuten gründlichen Überholung durch IN Racing ist der Bizzarrini nun erneut bereit für die Rennpiste. Oder für die Straße, wird dieses italienisch/amerikanische Vollblut doch neben neuen FIA Papieren auch eine Straßenzulassung erhalten. Und die beste Nachricht: Es steht jetzt zum Verkauf. Wenngleich zukünftige Mitglieder des sehr exklusiven Bizzarrini Owner's Club die nicht unerhebliche Summe von 849.990 Pfund Sterling dafür locker machen müssen.  

Interessiert? Dann werfen Sie einen Blick auf Simon Furlongers Bestand und diesen seltenen 1976er Bizzarrini P538, der aktuell im Classic Driver Markt zum Verkauf steht.