Zu Besuch bei den Jaguar-Flüsterern von CKL Developments

Fern des Londoner Trubels in East Sussex haben die Spezialisten von CKL Developments alle Hände voll zu tun: Sie restaurieren, bewahren und bereiten einige der historisch wertvollsten Jaguar-Modelle vor. Adam Hay-Nicholls hat sich als unser Inspector Morse auf Spurensuche begeben.

Ganz im Sinne von British Racing Green legt man auch bei CKL Developments größten Wert auf Understatement und meidet alles Auffällige. Ein Blick in die moderne Gebäudeanlage in der Nähe von Hastings in East Sussex offenbart eine atemberaubende Ansammlung von Autos, die gepflegt werden, um schiere Freude zu bereiten, um gefahren und in Rennen eingesetzt zu werden. CLK ist ganz bestimmt nicht, wie das Team betont, ein Museum. Hier sind aber die absoluten Experten am Werk, wenn es um Sportwagen der fünfziger und sechziger Jahre geht, die ein Jaguar-Motor antreibt. Sie kümmern um einige der historisch bedeutsamsten britischen Fahrzeuge jener goldenen Ära, die sie mit großer Expertise restaurieren: Nicht nur ihre höchste Leistungsentfaltung wird bewahrt, sondern auch ihr Geist, ihre Seele – wenn man so will – wird respektvoll konserviert. CKL bietet Service, Restaurierung, Reparatur, Rennvorbereitung und -begleitung sowie Konstruktion, Verkauf, Lagerung und Transport des Lieblings mit der Großkatze im Emblem.

„Wo es um Ursprünglichkeit gepaart mit Wissen geht und Integrität als essentieller Qualität unser Motto ist, wissen die Kunden, dass sie bei uns in den besten Händen sind“, sagt Chris Keith Lucas. Er versteht mehr von den sportlichen Jaguar und den Maschinen, welche die Werkshallen von Coventry verließen, als irgendjemand weltweit. Er ist zugleich der Hüter von umfassenden historischen Aufzeichnungen, die er in seinen Aktenschränken mit Tausenden von Fotografien, Produktionsbüchern und Ausdrucken unzähliger Originalzeichnungen aufbewahrt und die als Referenz für jedes Auto herangezogen werden, das je Browns Lane und andere Fertigungsorte verließ.

Mit dem Zugriff auf diesen Fundus lassen sich Fragen zur Ursprünglichkeit von Komponenten ebenso klären wie Unsicherheiten bezüglich Identität auflösen. Keith-Lucas und sein Team gehen in ihrer Arbeit fast schon so leidenschaftlich detektivisch vor wie Inspector Morse oder der Ahnherr Sherlock Holmes. Nicht nur in ihrer Begeisterung für die Mk2-Modelle, sondern auch durch ihre Fähigkeit, Autos akribisch zu untersuchen, sie zu authentifizieren und ihnen Teile zuzuführen, die abhanden gekommen waren. „Wir sind wie ein Anorak“, gesteht Chris. Es ist ihm wichtig, dass sich sein Unternehmen auf Autos mit einer interessanten Geschichte oder die heute noch in Rennen einsetzt werden, konzentriert. Dieser Ansatz soll sich wie eine jeweils spezifisch schützende Hülle um das zu betreuende Auto legen und den Zielen des Besitzers anpassen.

Chris gründete CKL in 1999, davor hatte er 25 Jahre lang Lynx geführt, ein Unternehmen, das neue Hochleistungs-Jaguar entwickelte und historische Modelle neu aufbaute. Mit diesem Reservoir an Wissen und Erfahrung gilt er bei CKL als eine Art Yoda, der die anderen Jedi-Ritter bei allen technischen Herausforderungen führt, während Managing Director James Fraser operativ das Unternehmen mit seiner 16-köpfigen Crew leitet. In einem früheren Leben kam James aus einer ganz anderen Welt: Er war ein renommierter Geologe. Seit er die Wissenschaft verließ, hat er für eine Reihe bekannter Klassikerhändler gearbeitet und ein Buch über die Motorsport-XK120, von denen er auch einige sein Eigen nannte, geschrieben.

„Es ist ein Privileg, mit diesen fantastischen Autos arbeiten zu dürfen“, schwärmt James. „Wir profitieren hier von den unglaublichen Technikern und Handwerkern und der riesige Erfahrung von Chris. Bei uns stehen historisch bedeutsame Fahrzeuge, mit großer Zuwendung gepflegt. Wenn wir restaurieren, dann mit aller Sorgfalt und dem Respekt, die Seele dieses Exemplars zu erhalten. Aber wir verstehen zugleich, dass Autos eine Evolution durchlaufen.“ Kunden haben das volle Vertrauen in die disziplinierte Vorgehensweise und die Transparenz der Prozesse bei CKL. Alle relevanten Teile werden bei Einsatz oder Ausbau fotografiert, jede Facette dieser Arbeiten wird dokumentiert und dem individuellen Archiv des Autos hinzugefügt. Hochmoderne IT-Systeme garantieren eine exakte Aufzeichnung der jeweiligen Arbeitsstunden – dadurch, dass Kunden so immer auf dem neuesten Stand gehalten werden können, gibt es keine ärgerlichen Überraschungen. Kostenvoranschläge werden abgeliefert und Zustimmungen eingeholt. 

„Wir ermuntern unsere Kunden, ihre Autos nicht über-restaurieren zu lassen“, schildert James, „und raten von Entscheidungen ab, die sich schädlich auswirken könnten, vor allem, wenn diese Entscheidungen irreversibel sind. Ganz generell denken wir, dass Karosserien nicht wie Lackdosen glänzen sollten – aber natürlich können wir ein Finish im Concours-Stil abliefern. Hingegen bevorzugen wir – wo es auch angemessen ist – eine gewisse Patina zu bewahren. Wo neue Teile oder Materialien nötig geworden sind, werden sie mit höchster Sorgfalt in das Fahrzeug integriert. Lackierung und Mattierung, die richtigen Vernietungs- und Schweißtechniken, die richtige Auswahl und Verarbeitung von Leder und Stoff – wir blicken bei jedem Prozess durch die Lupe. Ohne Kompromisse. Man muss den Spirit des Autos wieder spüren können und ich glaube, dass der Markt das zu schätzen weiß. Wir waren in der konservierenden Restaurierung bahnbrechend. Andere in Europa und den USA folgen jetzt dieser Philosophie. Und die Kunden begrüßen und verstehen den Ansatz.“

Gemeinsam mit der Kernkompetenz Restaurierung begleitet CKL seine Kunden bei unterschiedlichsten Rennen als Support komplett mit Hospitality-Mobil und absolviert rund 30 Events im historischen Motorsport wie Mille Miglia, Goodwood, Le Mans Classic und die Spa Six Hours. Martin Stretton, Gregor Fisken und Tiff Needell sind alle schon unter dem CKL-Banner Rennen gefahren, wie auch Sir Jack Brabham und Sir Stirling Moss.

Chris scherzt, dass CKL vielleicht die Schikane in Goodwood sponsern sollte, denn die Rettungseinsätze zu den Heuballen sorgen regelmäßig für jede Menge Arbeit. „Selbst dann, wenn sich ein Kunden-Rennwagen zu einem kleinen Metallball zusammengeknüllt hat, können wir den Schaden sortierten“, verspricht James. „Fast nichts ist irreparabel.“

Bei unserem heutigen Besuch verharren in den Werkstätten eine Reihe von C-Types (darunter ein originaler Werks-Rennwagen), ein D-Type, ein originaler XKSS (einer von mehreren, die auf CKL-Reparatur warten), ein E-Type Lightweight, eine Flotte von Rennsport-XK150 und ein außerordentlich historischer Mk7-Rennwagen auf die Zuwendung der CKL-Spezialisten. Da Unternehmen widmet sich auch ganz anderen Schätzen wie einigen Ecurie Ecosse-Fahrzeugen mit ihren originalen Renntransportern, einmalige E-Types wie der legendäre „Egal“ mit Galaxy-Motor und der buchstäblich einzigartige Prototyp E2A, der ehemalige Le Mans Lister Knobbly von 1958 – zugleich wohl der einzige Lister Jaguar, der heute noch im Rennsport eingesetzt wird – und viele XK120 im Motorsport-Trimm, die glanzvolle Provenienzen aufweisen.

Der Raum, in dem Ersatzteile aufbewahrt werden, gleicht einer Bibliothek automobiler Schätze: Hier C-Type-Stoßdämpfer und XK150-Instrumententafeln, dort Lister-Anlasser zusammen mit einem Paar D-Type-Scheinwerfer-Abdeckungen noch in der originalen braunen Papierverpackung. Einen Gang weiter befindet sich der Werkstattbereich für Maschinen und Getriebe – hier wird auch nach Rissen in der Mechanik gefahndet. Unter dem Zwischengeschoß befindet sich die Motorenwerkstatt, der Reinraum und die Karosserie-Werkstatt. Dort parkt ein Lotus 11, der neun Wochen lang die chirurgischen Eingriffe der CKL-Experten absolvieren muss nachdem er ein heftiges Zusammentreffen mit den Reifenbarrieren in Goodwood erlitt. Man kann es kaum fassen, aber dieses Team konnte das ursprüngliche Aluminium retten und damit die historische Integrität des Lotus bewahren. Dengler John Smith sagt, dass er „inzwischen die Kunst beherrscht, das Unmögliche sofort zu liefern, obwohl Wunder etwas länger dauern.“ Fast die Hälfte der CKL-Kunden sind aktive Rennfahrer im historischen Motorsport. In den sehr, sehr seltenen Fällen, in denen eine Reparatur nicht mehr möglich ist, fertigt CKL neue Aluminium- und Stahlbleche neu. Die beschädigten Originalteile werden behalten und in das persönliche Archiv des Fahrzeugs integriert.

Das Unternehmen, das sich außerhalb des Dorfes mit dem schönen Namen Battle befindet, hat die Genehmigung erhalten, die Anlage zu vergrößern, um auch mehr Raum für Lagerung und eine erweiterte Verkaufsfläche zu haben. Aus einem Ein-Mann-Betrieb – „in einem Schuppen herumtüfteln“ – entwickelte sich die Firma von Chris Keith-Lucas zu einer Drehscheibe der Exzellenz, die größte Anerkennung bei Sammlern von vornehmen Jaguar-Modellen der Jet Set-Ära genießt wie auch bei jenen, die einen bedrohlich knurrenden Sportwagen besitzen. CKL darf von sich sagen, Kuratoren der Kronjuwelen aus Coventry zu sein, spezialisiert darauf, diese Kostbarkeiten mit Seele für eine leidenschaftliche, diskrete, herausfordernde, aber auch extrem loyale Kundschaft zu warten und zu konservieren.

 

Fotos: Rob Cooper für Classic Driver © 2021

Sie können den kompletten Bestand von CKL Developments im Classic Driver Markt studieren – unter anderem gibt einen sehr schönen Jaguar XJR-S.