Wir sehen doppelt beim Anblick dieses goldenen Lamborghini Diablo Duos

Wie ein guter Wein reift der Lamborghini Diablo mit zunehmendem Alter immer trefflicher. Der die Baureihe krönende VT 6.0 bleibt speziell in seiner limitierten SE-Variante ein extrem nachgefragter Supersportwagen und vielleicht der letzte wahre Lamborghini...

Updates sind nur selten mehr als eine Fußnote zum Original. Und genau das macht den Lamborghini Diablo VT 6.0 SE zu einer solchen Einmaligkeit: er spielt unter den exotischen Supersportlern die Rolle des Paten, Teil 2. 

Schon der originale Diablo von 1990 war ein sicheres Ass beim Autoquartettspiel Top Cards. Mit seinem 485 PS starken 5,7-Liter-V12 und einer Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h. Außerdem sah er extremer aus als alles andere, was bis dahin auf der Straße herumgefahren war – vielleicht mit Ausnahme des Countach. Doch aus der Lenkradperspektive wies er einige Defizite aus. Er war knifflig zu fahren und Rückwärtsmanövern waren mangels Sicht ein Glücksspiel. Und die Chancen, das Fahrziel ohne einen elektrischen Ausfall zu erreichen, lagen bei 50:50.

Verbesserungen wurden vorgenommen, doch erst als Audi 1998 die Stiermarke bei ihren Hörnern packte, erhielt das Teufelsauto eine wirklich komplette Überarbeitung. Das Resultat war der VT 6.0. Er sah zwar von außen auch wegen seiner Scherentüren noch ähnlich aus, doch war unter dem Blech alles komplett neu. Und was machte das für einen Unterschied! Der Lambo war nun viel ausgefeilter, weitaus einfacher zu fahren und erfreute sich deutscher Zuverlässigkeit. 

Der unter Leitung von Chefdesigner Luc Donckerwolke (Ex-Skoda/Ex-Audi) gestylte neue VT 6.0 schöpfte nun aus dem Motor des Diablo GT, hier in der Leistung auf immerhin noch 550 PS und 620 Nm zurückgenommen; zudem profitierte er von einem permanenten Allradantrieb (VT für „Visco Traction“). 

Das Ursprungsdesign von Marcello Gandini wurde innen wie außen aktualisiert. Die Karosserie bestand zum Großteil aus Kohlefaser und trug an der Front nun zwei große Lufteinlassschächte im Stil des späteren Murciélago.

Die Außenhaut wurde insgesamt noch mal geglättet und feingetunt; den Heckspoiler gab es nur auf Wunsch, als kostenpflichtiges Extra. Ebenso verschwunden waren die Klappscheinwerfer, dafür wurden die Blinker größer und neu angeordnet. Fünfloch-Felgen im Telefonwählscheiben-Stil in der Größe 18 Zoll durften als subtile Verbeugung vor dem großen Vorbild und Vorgänger Countach verstanden werden. 

Im Interieur warteten nun elektrisch verstellbare Sitze mit mehr Komfort und Seitenhalt. Die Klimaanlage funktionierte endlich zuverlässig, und zur Bedienung der Pedale brauchte es keine Primaballerina mehr. Das Fahrerlebnis war nochmals deutlich intensiver und aufregender, dank des erhöhten Hubraums, elf Zentimeter breiterer Spur, Brembo-Bremsen, neuen Aufhängungen, der Karosserieverstärkungen aus Kohlefaser, des sehr nützlichen Öhlins Front Lifters und einer Elektrik, die wirklich funktionierte. 

Das Ganze war eine Übung darin, die „Apassionata“ von Lamborghini zu bewahren, die Audi ebenso wie die DNA des wilden Stieres respektierte. Um dann auf Basis dieser Markenwerte das Endprodukt deutlich zu verbessern.  

2001, im letzten Jahr der Diablo Produktion, bauten sie in Sant’Agata zum Finale noch 42 SE-Versionen des 6,0-Liter. Sie gab es je zur Hälfte (also 21) in nur zwei Farben: Oro Elios (Goldmetallic) als Symbol des Sonnenaufgangs oder Marrone Eklipsis (Bronze) für den Sonnenuntergang. Weitere Änderungen umfassten einen neuen Ansaugkrümmer aus Magnesium, ein kürzer abgestuftes Getriebe, spezielle Sitzbezüge, Bremssättel mit Lamborghini-Logo, zusätzliche Kohlfaser-Applikationen im Interieur und ein damals hochmodernes Alpine DVD-Navigations- und Audiosystem. 

Das hier mit rotem Nummernschild abgebildete Auto ist die Nummer 3 von 21; das mit gelbem die Nummer 11. Das erste steht aktuell beim Luxemburger Händler Arts & Revs zum Verkauf.

Es befindet sich in einem exzellenten Zustand und hat erst 13.000 Kilometer auf der Uhr. Arts & Revs Gründer Florent Moulin ist ein lebenslanger Lamborghini Fan und -Sammler, und er hat sich dieser Maschine angenommen, weil sie für ihn den absoluten Zenit von in Sant‘Agata aufgelegten Sonderserien darstellt. „Schneiden Sie mich, und ich werde Lamborghini bluten! Doch muss ich zugeben, dass es selten Spaß machte, diese Autos am Limit zu fahren“, sagt er freimütig. „Beim Diablo 6.0 ist das definitiv anders. Er zeigte, was Audi imstande war zu tun; erst dieses Modell setzte das Potential des Diablo komplett frei, denn er wurde komplett neu ‚engineered‘. Der 5.7 war ein frustrierendes Auto, doch dieser hier ist so einfach zu fahren!  

Das Fahrwerk ist präzise und auch die Bremsen sind fantastisch. Tatsächlich macht der 2001er-Wagen sogar noch mehr Spaß als der Murciélago, der ja den Diablo noch im selben Jahr ablöste. Allein die Karosseriesteifigkeit der letzten Diablo-Generation ist so viel besser geworden; Audi machte einen bemerkenswerten Job mit diesem Auto und hielt so die alte Legende von Lamborghini am Leben. Es gibt eine direkte Verbindung zwischen dem Diablo 6.0 und dem Miura SV. Diese beiden und der Countach LP400 Periscopo sind die legendärsten jemals gebauten Lamborghini.“ 

Sammler können sich an Florent wenden, denn er ist selbst und in erster Linie auch Sammler und Racer. Dank seiner Position in der Welt der seltenen Sport- und Rennwagen bekommt er als einer der Ersten spitz, wenn Autos mit spezieller Historie und hoher Exklusivität neu auf den europäischen Markt kommen. Als Fan von Langstrecken-Rennwagen hat Florent gerade erst einen Sauber-Mercedes C9, einen Audi R8 LMP, einen Ford GT MkII und einen Ferrari 333 SP verkauft: „Qualität bedeutet alles für mich“, betont er. Seine starke Verbundenheit mit diesem 6.0 SE erklärt sich zum Teil durch die Tatsache, dass es ein Lamborghini Miura war, der in ihm die Flamme der Begeisterung entzündete.

Für unsere Fotoproduktion kontaktierte Florent einen Freund – Besitzer des SE Nummer 11 – um ihn für eine Ausfahrt ins Luxemburger Umland zu begleiten. „Unser Firmensitz liegt sehr günstig. Nur zehn Minuten vom Flughafen entfernt und umgeben von wunderschönen Straßen, Feldern und hochwertigen Plätzen zum Essen und Übernachten.“ 

No.11 hat sogar erst 4.200 Kilometer abgespult und befand sich von 1996 bis 2005 im Besitz des Superbike-Weltmeisters Troy Corser (Australien). Beide Fahrzeuge wurden 2011 mit sehr ähnlicher Ausstattung und Spezifikation vom Werk ausgeliefert. No.3, das zum Verkauf stehende Modell mit roter Nummer, wurde neu an die Garage Affolter im schweizerischen Porrentruy (Kanton Jura) geliefert. Sein dritter Besitzer- ein bekannter Sammler – erwarb es 2015. Die meisten Kilometer legte allerdings schon der erste (Schweizer) Eigner zurück, seitdem ist No.11 nur noch wenig bewegt worden. Das Auto ist noch immer mit Pirelli P Zeros aus 2008 besohlt; sie werden für die Übergabe an den neuen Besitzer selbstverständlich gegen neue Pneus ausgetauscht. Derweil ist eine umfangreiche Wartung und Inspektion bereits abgeschlossen. 

Der Diablo VT 6.0 SE ist für viele Liebhaber der letzte „wahre“ Lamborghini. Nicht nur einer der famosesten und authentischsten Lamborghini Straßensportwagen aller Zeiten, sondern potentiell auch eine der besten Investitionen und Wertanlagen. Bei nur 42 existierenden Einheiten – und nur 21 in diesem wunderbaren Metallic Gold – verzeichnet man starke und wohl auch weiterhin schnell steigende Werte. Denn dieser Diablo ist der vielleicht seltenste und aufregendste Exote der frühen 00er-Jahre und gehört daneben auch zu den begehrenswertesten Lamborghini der 58 Jahre alten Firmengeschichte.

 

Fotos: Stéphane Sasso © 2021

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Dieser gesponserte Beitrag wurde produziert und veröffentlicht als Teil einer bezahlte Partnerschaft mit Art & Revs. Classic Driver ist weder verantwortlich für den Inhalt noch für die oben enthaltenen Informationen.