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Können Sie diese drei rennstreckentauglichen Ferrari-Einhörner zähmen?

Unter den weltweit besten Track Specials behaupten die Ferrari XX-Modelle unbestritten die Königsklasse. Drei dieser äußerst seltenen Fahrzeuge werden nun im Rahmen der RM Sotheby’s-Auktion „Tailored for Speed“ am 11. Oktober gemeinsam zum Verkauf angeboten.

Petrolheads lieben Track Specials: Ob ein RS von Porsche, ein CSL von BMW oder eine Black Series von Mercedes– diese Modelle basieren auf einem ohnehin schon leistungsstarken Serienmodell, um im nächsten Schritt jeglichen Fahrkomfort und jegliche Bescheidenheit über Bord zu werfen, um so uneingeschränkte Rennstrecken-Performance zu erzielen. Im Segment der rennstreckenorientierten Fahrerautos gibt es jedoch zwei magische Buchstaben, die über allen anderen stehen und garantiert das Herz jedes Autoliebhabers auf der Welt höherschlagen lassen: XX.

Die XX-Modelle von Ferrari sind so extrem, dass das Werk deren Kunden nicht einmal erlaubt, die Autos in der eigenen Garage zu parken. Sondern sie stattdessen an ihrem Geburtsort Maranello unterhält und pflegt. Als dieses Konzept erstmals vorgestellt wurde, stieß es auf einigen Spott: Wer würde Millionen für ein nicht straßenzugelassenes Auto bezahlen, das er kaum jemals zu Gesicht bekommen würde? Diese Zweifel lösten sich jedoch fast augenblicklich auf, als man diese seltenen XX-Modelle erblickte, hörte und vor allem ihre Rundenzeiten sah. Jetzt bietet RM Sotheby's im Rahmen seiner einer „Tailored for Speed Collection-Auktion am 11. Oktober in Zürich die einmalige Gelegenheit, drei der ersten (und besten) XX-Ferrari zu erwerben. Werfen wir einen Blick auf dieses Trio von Track maniacs, um zu verstehen, was sie von allen anderen rennstreckentauglichen Hypercars auf diesem Planeten unterscheidet.

2008 Ferrari FXX Evo

Mit ihm beginnt die XX-Saga. Angespornt durch den Erfolg der Challenge-Serie begann Ferrari mit der Arbeit an einem ultra-exklusiven Hypercar, das nur auf einer Rennstrecke eingesetzt werden darf und nur einem kleinen Kreis bevorzugter Kunden angeboten werden sollte. Die Plattform für dieses erste Track Special hätte nicht besser sein können: der legendäre Ferrari Enzo. Ein Großteil seiner Design-DNA ist im FXX, der daraus hervorgegangen ist, auch deutlich zu erkennen. In puncto Leistung spielte der FXX jedoch in einer ganz anderen Liga. 

Denn er wurde allein mit dem Ziel entwickelt, atemberaubende Rundenzeiten zu erzielen. Dazu wurde er mit dem mittig montierten V12 mit Trockensumpfschmierung des Enzo ausgestattet, der jedoch auf 6,3 Liter Hubraum aufgebohrt zusammen mit einer neuen Abstimmung nun satte 800 PS und 686 Nm Drehmoment gen Asphaltdecke schickte. Diese Werte sind auch heute noch Spitze, ebenso wie die Beschleunigung des FXX von 0 auf 100 km/h in nur 2,9 Sekunden und die Vmax von 345 km/h. Weitere Verbesserungen wurden in Form eines neu abgestimmten Formel-1-Getriebes für Schaltvorgänge in nur 80 Millisekunden und Brembo-Scheibenbremsen aus kohlenstofffaserverstärktem Siliziumkarbid-Keramik-Verbundwerkstoff vorgenommen. Last but not least erfuhr das Exterieur mit Blick auf maximalen Abtrieb eine gründliche Überarbeitung. 

Dieses Fahrzeug aus dem Jahr 2008 mit der Fahrgestellnummer 161517 hatte zwei Vorbesitzer und hebt die Performance auf das nächsthöhere Level. Denn als drittletztes von insgesamt vermutlich 38 gebauten FXX-Modellen wurde es an seinen Erstbesitzer in Hongkong mit dem vollen Evo Package ausgeliefert. Dieses umfasste unter anderem einen weiter auf 860 PS gesteigerten Motor, eine optimierte Getriebesoftware für lediglich 60 Millisekunden schnelle Schaltvorgänge, eine verbesserte (abschaltbare) Traktionskontrolle, ein Onboard-Telemetriesystem und eine überarbeitete Karosserie, die dem FXX noch mehr Abtrieb verlieh. 

Aktuell ist dieser anfänglich rote FXX Evo in der Farbe „Blu Corsa Opaco“ lackiert, passend zu den anderen XX-Modellen in dieser Auktion.  Nach nur wenigen Fahrten bei Corse Clienti-Veranstaltungen – zuletzt 2024 bei den Finali Mondiali at Imola – weist er lediglich 2.711 Kilometer auf dem Tacho auf.

 

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2012 Ferrari 599XX Evo

Die Präsentation des 599XX in Miami im März 2010 markierte das zweite Mal, dass die beiden legendären Buchstaben auf einem Ferrari-Modell zu sehen waren. Das etwas weniger exotische Basismodell – der 599 GTB – hätte als Rückschritt erscheinen können, hätte der 599XX nicht alle Kritiker mit einer fantastischen Rundenzeit von 6.58,15 auf dem Nürburgring zum Schweigen gebracht – fast eine halbe Minute schneller als der Enzo. Hinzu kam das Aero-Paket mit kleinen Spoilern an der C-Säule, zusätzlichen Belüftungsöffnungen und allen voran Active Flow, einem im Kofferraum eingebauten System zum Absaugen der Grenzschicht unter dem Wagen. Dazu saugten Ventilatoren störende Luft ab, ehe sie den Diffusor erreichte und leitete sie durch Öffnungen, in denen im Serien-599 GTB sonst die Rückleuchten sitzen, wieder ins Freie 

Obwohl die Silhouette des 599XX der des 599 GTB zumindest auf den ersten Blick ähnelte, unterschieden sich die technischen Komponenten grundlegend von denen des Straßenfahrzeugs. Unter der Motorhaube leistete der überarbeitete 6,0-Liter-V12 (Tipo F140C) nun 730 PS bei einem maximalen Drehmoment von 688 Nm, was dem 599XX eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 2,9 Sekunden und eine Vmax von 315 km/h ermöglichte. Wie beim FXX wurde auch der 599XX (ab 2011) auch mit dem Evoluzione-Paket ausgeliefert, das zusätzliche 10 PS, eine kürzere Endübersetzung für eine noch bessere Beschleunigung und – als Premiere bei einem Ferrari-Fahrzeug – ein von der Formel 1 inspiriertes DRS, sprich einen aktiven Heckspoiler, umfasste. Das Evo-Paket bot aber noch mehr: einen besonders leichten Auspuff mit seitlichen Endrohren, eine überarbeitete Fahrwerksgeometrie und speziell für die Rennstrecke entwickelte Felgen mit Pirelli-Rennreifen. Damit war der 599XX Evo mit einer Fiorano-Rundenzeit von 1.15 Minuten schneller als der Enzo. 

Nur etwa 45 Exemplare des 599XX verließen das Werk in Maranello, was ihn zu einem der seltensten Ferrari aller Zeiten macht. Dieses Exemplar mit der Fahrgestellnummer 187956 gehört zur letzten Charge aus dem Jahr 2012 und wurde deshalb schon automatisch als Evo-Version spezifiziert. Ursprünglich in der Farbe Rosso Fuoco lackiert, ist die Lackierung mittlerweile mit einer Folie in Mattblau (Blu Corsa Opaco) geschützt. Mit einer Laufleistung von nur 10.806 Kilometern sucht dieser 599XX Evo mit ebenfalls zwei Vorbesitzern nun einen neuen Eigner.

 

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2016 Ferrari FXX-K Evo

Nachdem der LaFerrari 2013 auf dem Genfer Salon erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, sehnten sich Motorsport-Fans nach einem würdigen Nachfolger des Mittelmotor-Supercars FXX. Sie mussten nicht lange warten, denn auf dem Yas Marina Circuit in Abu Dhabi enthüllte Ferrari im Rahmen der Finali Mondiali 2014 den auf dem LaFerrari basierenden FXX K. Er folgte dem bewährten Konzept seiner Vorgänger: Nutzte die Plattform des Serientyps, bei erhöhter Leistung und erhöhtem Abtrieb bei zugleich niedrigerem Gewicht. Angetrieben von einem aus der Formel 1 stammenden Hybrid-Antriebssystem (Hy-KERS), das einen 6,3-Liter-V12 mit 848 PS und einen 187 PS starken E-Motor vereinte, erreichte der FXX K eine Gesamtleistung von 1035 PS – 85 PS mehr als im LaFerrari.

Wie bei jedem Ferrari XX war der Antriebsstrang aber nur der Anfang. Die Karosserie des LaFerrari wurde ebenfalls komplett überarbeitet: Die neue Frontpartie mit zweigeteiltem Spoiler und vertikalen Schlitzen an den Seiten sowie die neue Heckpartie mit zwei zusätzlichen seitlichen Spoilerflügeln optimierten die Aerodynamik. Das hier gezeigte Exemplar (Chassis 218329) erhielt zudem das komplette Evoluzione-Paket, das unter anderem überarbeitete hintere Bremsluftkanäle und einen zweigeteilten und nun über die gesamte Breite gehenden Heckspoiler sowie drei Vortex-Generatoren beinhaltete. Dadurch wurde der Abtrieb um 23 Prozent gegenüber dem Standard-FXX-K und sogar um 75 Prozent gegenüber dem Straßen-LaFerrari erhöht. Dank einer Gewichtsersparnis von 90 Kilogramm gegenüber dem Straßenfahrzeug erreichte dieser Rennstrecken-Spezialist eine beeindruckende Rundenzeit von nur 1.14 Minute in Fiorano – fünf Sekunden schneller als der LaFerrari. Kein Wunder, dass manche die Bezeichnung dieses Fahrzeugs mit einem vulgären Four-letter-word in Verbindung bringen.

Als eines von nur 60 gebauten FXX-K verließ dieses Auto das Werk im März 2016 mit der äußerst seltenen zweifarbigen Lackierung in Mattblau (Blu Corsa Opaco) mit Akzenten in Mattgrau (Nero Stellato Opaco). 2017 kerhte es nach Maranello zurück, um dort auf Evo-Standard umgebaut zu werden. Zuletzt wurde es 2024 in Monza eingesetzt. Mit lediglich 5.709 gefahrenen Kilometern befindet sich dieser FXX-K in einem hervorragenden Zustand und wird seinem neuen Besitzer zeigen, wie schnell ein solcher Ferrari mit über 1.000 PS eine Rennstrecke wirklich umrunden kann.

 

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