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Der Designer des Gallardo kehrt zurück, um sein Werk zu vollenden

Fabrizio Giugiaro knüpft an seinen Lamborghini Gallardo von 1998 an und gestaltet ihn für den HOMMAGE 26 von CAVËN Atelier neu: Karosserie aus Kohlefaser, V10 mit bis zu 560 PS, Handschaltung und 25 Exemplare. Wir haben alle Details zu der frisch in Las Vegas enthüllten Neuinterpretation.

Es kommt in der Automobilbranche selten vor, dass ein Designer nach fast dreißig Jahren die Chance bekommt, sich nochmals seinem früheren Werk zu widmen. Trends kommen und gehen, die Technik entwickelt sich weiter, Geschmäcker wandeln sich, und vor allem werden Autos meist für ihre jeweilige Epoche gezeichnet. Ein Wiedersehen nach drei Jahrzehnten bringt daher unweigerlich neue gestalterische Elemente mit sich. Genau diese Gelegenheit hat Fabrizio Giugiaro nun bei einem der erfolgreichsten Supersportwagen der 2000er-Jahre erhalten.

Beim Concours des Wynn Las Vegas hat das neue Unternehmen CAVËN Atelier die Hommage 26 enthüllt – das erste Projekt seiner Designer-Serie. Den Ausgangspunkt bildet ein Entwurf, den Giugiaro 1998 bei Italdesign schuf und aus dem später der Lamborghini Gallardo hervorging. Dieses Design zeugt von purer Reinheit und Dramatik, mit Linien, die beim ersten Anblick messerscharf wirkten und über die Jahrzehnte zu einem wunderbar durchdachten Kunstwerk gereift sind. Nun, fast dreißig Jahre später, kehrt er über GFG Style zu diesem Werk zurück – mit dem Wissen von heute, moderner Technik und der Freiheit, Ideen auszuprobieren, die bei der Entwicklung des Originals noch ein Ding der Unmöglichkeit waren.

Genau diese Freiheit bildet das Fundament des Projekts, denn CAVËN Atelier entstand aus einer einfachen Überlegung: Was hätte aus einem bedeutenden Auto werden können, wenn sein ursprünglicher Schöpfer es Jahre später noch einmal hätte überarbeiten dürfen, befreit von den damaligen kommerziellen und industriellen Zwängen? Anstatt jemanden anzuheuern, der einen Klassiker neu interpretiert, bittet das Atelier den ursprünglichen Designer, seine Arbeit fortzuführen. Das Konzept nennt sich Design Authorship, während der Umgang mit den Wagen selbst unter dem Begriff Respectful Evolution läuft. Niemand versucht, einen Gallardo in den Werkszustand zu versetzen oder Fabelwerte zu jagen. Es geht darum zu sehen, wie weit sich ein großartiges Design weiterentwickeln lässt, ohne den Charakter zu verlieren, der es so besonders gemacht hat.

Giugiaro, Mitbegründer von GFG Style, wirkt wie jemand, der diesem Moment schon lange entgegengeblickt hat. Es sei eine Gelegenheit zu zeigen, wie viele Dinge immer weiter optimiert werden können, wenn man mit Sorgfalt und Feingefühl an ihnen weiterfeile, erklärt er. Er bezeichnet es als eine wunderschöne Herausforderung, da die Aufgabe darin bestehe, ein archiviertes Konzept weiterzuentwickeln, anstatt wieder bei Null anzufangen. Einige Elemente entsprechen exakt seinem Entwurf von 1998, allen voran die Frontpartie, die eine starke Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Design-Studie aufweist. Andere Bereiche wie das Heck und Teile des Innenraums wurden komplett neu und zeitgemäß gestaltet.

Parkt man das Auto neben einem Serien-Gallardo, erkennt man die Proportionen sofort wieder, doch von der originalen Hülle ist kaum etwas übrig geblieben. Tatsächlich übernehmen die Macher lediglich fünf Bauteilgruppen vom Spenderauto: das Dach, die Seitenscheiben, die Windschutzscheibe sowie die Außenspiegel inklusive deren Sockel. Alles andere besteht aus einer neu gezeichneten Kohlefaser-Karosserie mit versenkbaren Scheinwerfern, aktiven Aerodynamikelementen und einer überarbeiteten Heckpartie samt zu öffnender Heckscheibe über dem Motorraum, die den Klang des Motors noch starker zur Geltung bringt.

Auch bei der Technik kommen Enthusiasten voll auf ihre Kosten. Der Wagen erhält ein überarbeitetes Fahrwerk mit den Modi Komfort und Sport, eine verstärkte Bremsanlage sowie 20-Zoll-Räder. Das Herzstück bildet der von Italtecnica überarbeitete 5,0-Liter-V10-Saugmotor, der nun bis zu 8.500 U/min dreht und an ein manuelles Schaltgetriebe gekoppelt ist. Wer konkrete Leistungsdaten hören möchte, findet 540 PS in der GT-Ausführung und 560 PS in der kompromissloseren Performance-Variante. Im Zeitalter von Hypercars mit vierstelligen PS-Zahlen lässt sich damit zwar kein Stammtisch gewinnen, doch das war auch nie das Ziel der Initiatoren. Man wollte ein waschechtes Fahrerauto schaffen, das auf langen Strecken ebenso überzeugt wie auf anspruchsvollen Passstraßen. Ein hochdrehender V10-Saugmotor mit manueller Schaltung und ein fein abgestimmtes Fahrwerk sind dafür die beste Voraussetzung.

Fahrerautos mit manuellem Getriebe sind bei Sammlern extrem gefragt, und ein V10, der bis 8.500 U/min kreischt und über einen Hebel mit offener Kulisse geschaltet wird, spricht all jene an, die ein möglichst intensives Fahrerlebnis suchen. Das deckt sich mit der Überzeugung des Ateliers, dass das Fahren bei einem astreinen Sportwagen ohne Wenn und Aber im Mittelpunkt stehen muss.

Für Sammler wird der Reiz durch die strenge Limitierung weiter gesteigert: Es werden lediglich 25 Exemplare gebaut. Das Prinzip mit dem Spenderauto verleiht dem Projekt zudem eine authentische Note, da unter jeder Neuinterpretation eine echte Gallardo-Basis steckt. Jedes Auto basiert auf einem Exemplar der ersten Generation des Mittelmotor-Sportlers, das entweder der Kunde beisteuert oder das Atelier beschafft. Die Preise starten bei 900.000 Euro, natürlich zuzüglich des Basiswagens. Als Bonus erhalten Käufer bevorzugten Zugang zu künftigen Projekten der Designer-Serie, die sich bereits in Vorbereitung befinden. Der nächste Aufschlag ist für 2027 geplant. Jedes Modell widmet sich einem anderen Designer, der eine Ikone des späten 20. oder frühen 21. Jahrhunderts neu auflegt. So könnten sich Sammler auf lange Sicht eine Garage zusammenstellen, die nach Designern statt nach Marken oder Baujahren sortiert ist. Es bleibt spannend, welche Größe des Automobildesigns und welcher Klassiker als Nächstes an der Reihe sind.

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