T-Bird Shop in Paris, wo Biker ihre Weihnachtsgeschenke kaufen

Die Pariser Biker-Szene kauft ihre Lederjacken, Boots und Helme am liebsten bei T-Bird in der Rue Mayet. Wir haben den ausgefallenen Laden besucht.

Biker-Treff im 6. Arrondissement

Es ist nicht schwer, T-Bird zu finden – denn fast immer stehen einige Motorräder vor dem Laden. Vor allem samstags gleicht die Rue Mayet im 6. Pariser Arrondissement einem Biker-Treffen. Wer den Laden betritt, wird vom Inhaber Stéphane Saladin gleich von oben bis unten gemustert. Doch keine Sorge, der kritische Blick ist nur ein Relikt aus Stéphanes letztem Leben als Motorradpolizist. Und auch seine bärenhafte Statur sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass man es mit einem echten Enthusiasten zu tun hat: Freudig erklärt er die Philosophie seines Geschäfts, berichtet über seine Leidenschaft für Motorrad- und Pilotenkleidung der 1940er und 1950er Jahre – und findet für jeden Besucher das passende Stück. Also haben wir ihm einige Fragen gestellt. 

Ein Leben für das Motorrad

Seit wann begeisterst Du Dich für Motorräder?

Schon seit ich ein Teenager bin. Ich wollte gerne ein Moped haben, doch mein Vater wollte mich nicht auf einem Peugeot-Scooter sehen, also kaufte er mir ein „echtes Motorrad“ - eine Suzuki ER21. Und natürlich fing ich sofort an, daran herumzubasteln. Meine erste große Maschine war dann eine Yamaha 250 TDR. Wirklich beeindruckt haben mich allerdings zwei Motorräder : Meine 1300 GSXR Hayabusa, mit der man 300 km/h fahren kann, und meine selbst gefertigte Hardtail-Harley. Mit dieser Maschine bin ich eins.

Und später wurdest Du Motorradpolizist ?

Ja, ich wollte Arbeit und Vergnügen verbinden. Ich studierte zunächst Elektromechanik und arbeitete in einer BMW-Werkstatt, doch dann landete ich bei der Polizei und war bald auch für die interne Garage verantwortlich. Dort traf ich auf einen älteren Mechaniker, der mir alles beibrachte, was man über Motorräder wissen muss. Bald begann ich, meine ersten Custom Bikes zu bauen. 

Ein Laden aus Leidenschaft

Und wie kamst Du auf die Idee, diesen Laden zu eröffnen?

Nach 20 Jahren bei der Polizei wollte ich einfach etwas Neues beginnen. Ich hatte mich schon immer für Uniformen interessiert – die ersten Motorrad-Outfits basierten ja auf Pilotenuniformen und während des Zweiten Weltkrieges entstanden die ersten funktionalen Kleidungsstücke für Motorradfahrer. Die Präzision dieser Stücke faszinierte mich: All diese schweren und wertvollen Materialien, das Leder, das Metall und das Holz. Der Shop war deshalb nur die logische Konsequenz meiner Leidenschaft.

Was geschah dann?

Nach meiner Kündigung machte ich mich auf die Suche nach den passenden Möbeln. Sie sollten ungewöhnlich sein, verlebt wirken und Patina haben. Der Laden sollte ein bisschen so aussehen wie ich. So hat jedes Objekt eine Geschichte. „T-Bird“ war aber auch eine Hommage an all die Menschen, die ich in meinem Leben getroffen habe: Meinen Mentor und meine Motorrad-Kollegen.

Die richtige Lederjacke

Wofür steht „T-Bird“ heute ?

Meine Leidenschaft und mein Wissen. Es ist wie ein Puzzle – aus jeder Epoche meines Lebens stammt ein Teil. Dazu bin ich sehr anspruchsvoll und detailverliebt. Doch, das Wichtigste ist, seine Leidenschaft mit Spaß auszuleben.

Was ist der wichtigste Teil eines Motorrad-Outfits?

Definitiv die Lederjacke. Sie steht für die Identität ihres Besitzers. Und ich liebe das Material: Es ist lebendig. Wir selbst haben eine eigene Lederjacken im Programm – die T-Bird 68 Bonneville Leather Jacket. Als ich jung war, trug ich zum Fahren oft Lederhosen von Vanson – später entwickelte sich daraus eine Partnerschaft und wir fertigten zusammen meine Vision der perfekten Jacke. Die Hälfte der limitierten Auflage verkaufte sich am ersten Tag! Heute produziere ich auch meine eigenen Wollpullover, die an die Racing-Club-Sweater erinnern, die in den 1940er und 1950er Jahren bei den Landspeed Records getragen wurden. Bei ihnen stimmt jedes Detail. 

Motorräder zum Träumen

Welche Motorräder besitzt Du heute?

Eine moderne Triumph Bonneville, eine Triumph Speed Twin von 1956, eine Kawasaki W650, die ich selbst umgebaut und in meiner Wohnung geparkt habe, die Terrot hier im Laden – und dann habe ich mir neulich ein echtes Biest gekauft: eine Harley-Davidson 750 Flathead von 1942, die damals für Flat-Track-Rennen modifiziert worden war. Die Maschine ist verrückt – und deshalb liebe ich sie.

Und von welchem Motorrad träumst Du?

Von einer Vincent, was sonst…

Fotos: Rémi Dargegen for Classic Driver © 2014

T-Bird
16 bis, rue Mayet
75006 Paris

Weitere Informationen finden Sie unter tbird68.com.